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Veranstaltungsberichte

Saudi-Arabien und die VAE als wirtschaftliche und politische Schlüsselakteure im Nahen Osten

von Nicolas Reeves

Dialogprogramm für vier Mitglieder des Deutschen Bundestages

Im April 2025 organisierte die Konrad-Adenauer-Stiftung eine Delegationsreise nach Riad, Abu Dhabi und Dubai für vier Abgeordnete der neu gewählten CDU/CSU Bundestagsfraktion. Das Dialogprogramm – der erste Besuch dieser Art nach den Bundestagswahlen im Februar – setzte ein klares Signal: Berlin will die Zusammenarbeit mit den Golf Staaten unter der neuen, CDU-geführten Bundesregierung deutlich ausbauen. Diese Botschaft nahmen saudische und emiratische Gesprächspartner mit großem Interesse auf.

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Vom 21. bis 26. April 2025 organisierte das Regionalprogramm Golf-Staaten der Konrad-Adenauer-Stiftung eine Delegationsreise nach Riad, Abu Dhabi und Dubai für vier Abgeordnete der neu gewählten CDU/CSU-Bundestagsfraktion: Tilman Kuban, Jan Metzler, Johannes Volkmann und Vanessa-Kim Zobel. Das Dialogprogramm bot ihnen direkte Einblicke in die ambitionierten wirtschaftlichen Transformationsprogramme Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sowie in die politische Positionierung beider Golf-Staaten in einer Region im Wandel. Gleichzeitig setzte die Reise – der erste Besuch dieser Art nach den Bundestagswahlen im Februar – ein deutliches Signal, dass unter der neuen CDU-geführten Bundesregierung Deutschland es mit der Zusammenarbeit mit den Golf-Staaten ernst meint.

 

In Riad traf die Delegation den stellvertretenden Außenminister Saudi Arabiens, S.E. Ing. Waleed Elkhereiji, und den stellvertretenden Vorsitzenden des Schura-Rates, S.E. Dr. Mishaal Alsulami. Die Gespräche drehten sich um regionale und globale politische Entwicklungen. Angeführt von Delegationsleiter Tilman Kuban würdigten die Abgeordneten die Rolle Saudi-Arabiens als Stabilitätsanker im Nahen Osten. Sie bekräftigten außerdem Deutschlands Einsatz für eine Zwei‑Staaten‑Lösung im israelisch-palästinensischen Konflikt und lobten die Bemühungen des Königreichs, einen dauerhaften Frieden entlang dieser Linien zu erreichen. Zugleich betonten sie, dass Berlin die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Saudi‑Arabien ausbauen will – unter anderem durch einen breiteren industriellen Austausch im Verteidigungssektor, den Handel mit grünem und blauem Wasserstoff, den Einsatz von Technologien zur CO₂‑Abscheidung und ‑Speicherung (CCS) sowie präventive Ansätze zur Eindämmung des Klimawandels.

 

Die Delegation führte auch wirtschaftspolitische Gespräche mit zentralen Akteuren der Vision 2030, darunter S.H. Prinz Mohammed bin Turki Al Saud, Erster Berater des Ministers für Wirtschaft und Planung, S.E. Albara Alaskandarani und S.E. Dr. Fahad Alhumaidah – beide stellvertretende Minister im Wirtschaftsministerium – sowie Dr. Manar Al‑Moneef, Chief Investment Officer bei NEOM, und Vertreter des saudischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF). Die Gespräche bei NEOM und beim PIF boten exklusive Einblicke in die Umsetzung und Finanzierung der Vision. Vertreter des Wirtschaftsministeriums erläuterten hingegen die wirtschaftliche Strategie des Königreichs über 2030 hinaus – darunter den Einsatz diplomatischer Instrumente zur Erschließung wirtschaftlicher Chancen im Ausland, den Abbau bürokratischer Hürden für Investoren, die Privatisierung großer Wirtschaftszweige sowie die intelligente Investition von Öleinnahmen, um produktives Wachstum zu ermöglichen statt Konsum zu finanzieren.

 

In den VAE wurde die Delegation ebenfalls auf höchster Ebene empfangen, unter anderem von S.E. Omar Al Olama, Staatsminister für Künstliche Intelligenz, S.E. Anwar Gargash, diplomatischer Berater des Präsidenten, I.E. Mariam Almheiri, Leiterin des Büros für Internationale Beziehungen des Präsidentenhofs, sowie S.E. Marwan Al Muhairi, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Emiratisch-Deutschen Parlamentariergruppe im Föderalen Nationalrat. In Abu Dhabi und Dubai stieß die Ankündigung eines pragmatischeren deutschen Ansatzes in den Beziehungen zu den Golf-Staaten auf große Zustimmung. Dieser Kurs entspricht der stark praxisorientierten Politik der VAE, die auf wirtschaftliche Win-Win-Konstellationen und flexible Partnerschaften setzt – mit Akteuren, die von Israel über Russland bis Iran reichen. Mehrere Gesprächspartner brachten den strategischen Ansatz der VAE wie folgt auf den Punkt: Als Eingangstor Afrikas, Asiens und des Nahen Ostens sind die Emirate nicht nur ein Staat mit zehn Millionen Einwohnern, sondern ein Markt von drei Milliarden Menschen.

 

Neben diesen politischen Gesprächen besuchten die Abgeordneten zentrale Knotenpunkte des wirtschaftlichen Modells der VAE – den Energiekonzern ADNOC, die Innovationsstadt Masdar City, den Hafen Dschebel Ali sowie dessen angegliederte Freihandelszone. Sie erhielten dort ein lebendiges Bild des Zusammenspiels von traditioneller und neuer Wirtschaftskraft, von erneuerbaren und fossilen Energien sowie von globaler Vernetzung und lokaler Wertschöpfung. Was andernorts als Widerspruch gilt, fassen die Emirate unter einem umfassenden Leitgedanken zusammen: mehr produzieren, alles bereitstellen.

 

In einer geopolitischen wie wirtschaftlichen Welt im Wandel sehen sich Saudi-Arabien und die VAE als Schwergewichte, die Ereignisse, Allianzen und Partnerschaften aktiv mitgestalten. Die parlamentarische Reise zeigte deutlich, dass die Interessen Berlins, Abu Dhabis und Riads in zahlreichen Bereichen übereinstimmen – vom Bekenntnis zu einer regelbasierten internationalen Ordnung bis hin zu Investitionen in moderne Technologien und zukunftsweisende Energieformen. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass das Potenzial engerer Beziehungen zu beiden Führungsmächten am Golf weit über deren unmittelbares Umfeld hinausreicht. Als wirtschaftliche Knotenpunkte können beide Staaten Deutschland Plattformen für trilaterale Kooperationen bieten, etwa mit Indien, dem Jemen, Syrien oder Ägypten. Umso bedeutsamer war die politische Botschaft aus Riad und Abu Dhabi, dass diese Schlüsselakteure im Nahen Osten den pragmatischen Kurs der neuen Bundesregierung ausdrücklich begrüßen. Berlin kann dieses Partnerschaftspotenzial nutzen – und sollte dies auch tun.

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Leiter des Regionalprogramms Golf-Staaten
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