Gemeinsam mit Smart Investment Gateway (SIG) und dem Gastgeber der Veranstaltung, dem Oman Chamber of Commerce and Industry, nahm das KAS‑Regionalprogramm Golf‑Staaten in einem zweitägigen Workshop vom 17. bis 18. Februar 2025 in Maskat die Besonderheiten des Wachstums und der Diversifizierung der Wirtschaften des Golf‑Kooperationsrats (GCC) in den Blick. Angesichts des einzigartigen Wirtschaftsmodells der Golf‑Staaten und ihrer weitreichenden Pläne zur Verringerung der Abhängigkeit von Kohlenwasserstoffen trug das Forum unter dem Titel „Wirtschaftliche Diversifizierung in den Golf‑Staaten: Messung von Wandel und Rolle des Privatsektors“ dazu bei, das GCC Economic Diversification Barometer von KAS und SIG weiter zu präzisieren und wirksamer zu gestalten. Außerdem galt als Ziel der Diskussionen, aufzuzeigen, wie Deutschland und europäische Länder die ehrgeizigen Reformbemühungen der Golf‑Staaten unterstützen können.
Vor einem voll besetzten Publikum im Hotel Crowne Plaza Maskat begann der erste Tag des Workshops mit einer Grundsatzrede von Eng. Almutasam bin Ali bin Hamad Al‑Yaqoubi, Direktor des Nationalen Programms für Wirtschaftliche Diversifizierung im omanischen Wirtschaftsministerium. Im Anschluss gab Dr. Yousuf Hamad Al Balushi, Gründer und Geschäftsführer von Smart Investment Gateway, eine Sonderansprache zum GCC Economic Diversification Barometer. Zum Schluss beleuchteten zwei Expertendiskussionen den Fortschritt der Golf‑Staaten bei der wirtschaftlichen Diversifizierung und ordneten diese Entwicklungen in die außenpolitischen Strategien der GCC‑Länder ein.
In den Diskussionen herrschte breite Einigkeit: „Wir haben keine andere Wahl, als unsere Wirtschaften zu diversifizieren“, betonte Dr. Ibrahim Saif, ehemaliger jordanischer Minister für Energie und Bodenschätze. Die Diskutanten hoben zudem die weitreichenden Auswirkungen wirtschaftlicher Diversifizierung im Kontext der Golf‑Staaten hervor – ein Prozess, der nicht nur eine grundlegende Neuausrichtung der Rolle des Staates in der Wirtschaft erfordert, sondern auch den Aufbau neuer internationaler Handelspartnerschaften und Investitionskooperationen. In diesem Zusammenhang wies Dr. Mahmood Sakhi Albalushi, Vorstandsvorsitzender von Al Madina Logistics und Bayanat Technology, darauf hin, dass die GCC‑Staaten sich als zentrale Drehscheibe des Globus sehen, welche Osten und Westen, Norden und Süden verbindet. Folgt man dieser Logik, hat der wirtschaftliche Wandel am Golf auch tiefgreifende Auswirkungen auf die Volkswirtschaften der umliegenden Entwicklungsländer.
Nach den öffentlichen Bühnendiskussionen am ersten Tag endete der Workshop am 18. Februar mit einer Reihe geschlossener Expertenrunden zur Messung von wirtschaftlichem Wachstum und Diversifizierung im GCC. Im Rahmen dieses vertraulichen Austausches sollten politische Handlungsempfehlungen formuliert und Vorschläge zur Weiterentwicklung des kompositen Index des KAS‑SIG GCC Economic Diversification Barometer erarbeitet werden. Von der Vergrößerung des sprichwörtlichen wirtschaftlichen „Kuchens“ bis hin zur Erhöhung einer endlichen „Rohstoffrendite“, welche sich aus dem Verbrennen und Verkauf von Öl zusammensetzt, nutzten die Teilnehmer verschiedene Metaphern, um das zentrale Ziel der Diversifizierung zu verdeutlichen: die Produktivität der Wirtschaft zu steigern. Entsprechend waren sich die Experten einig, dass die Reform der öffentlichen Finanzen den verlässlichsten Maßstab für Diversifizierung im gesamten Wirtschaftsgefüge darstellt. Konkret können die Staatshaushalte der Golf‑Staaten auf eine nachhaltigere Grundlage gestellt werden, wenn mehr Bürgerdienstleistungen durch Steuern finanziert werden und Öleinnahmen zunehmend in produktive Sektoren einfließen, anstatt niedrigproduktive staatliche Transferleistungen zu subventionieren.
Darüber hinaus wurde die Zusammensetzung der Exporte von den Teilnehmern als aussagekräftiger Indikator für Fortschritte bei der Diversifizierung hervorgehoben. Eine breiter aufgestellte Exportstruktur verweist auf die Wettbewerbsfähigkeit von Produkten jenseits des Ölsektors, die in den GCC‑Staaten nicht nur für den Konsum im geschützten Binnenmarkt, sondern auch für internationale Märkte produziert werden sollen. Vor diesem Hintergrund wird auch die zentrale Bedeutung des Privatsektors deutlich: Um global konkurrenzfähige Industrien aufzubauen, benötigen Unternehmen Zugänge – und zwar nicht zum Staat, sondern zu Krediten. Ebenso müssen sie scheitern dürfen. Allerdings machen strenge, strafende Insolvenzregelungen sowie das Mitmischen politischer Interessen mit wirtschaftlichen Abwägungen bei unproduktiven staatlichen Projekten deutlich, dass dies häufig keine Option ist.
Trotz der gewaltigen Aufgabe, die sich die GCC‑Staaten vorgenommen haben, kamen die Teilnehmer des Workshops zu dem Schluss, dass bereits vielversprechende erste Schritte in Richtung wirtschaftlicher Diversifizierung unternommen wurden. Um diese Fortschritte zu sichern, müssen die Golf‑Staaten ihre Öleinnahmen gezielt in produktivitätssteigernde Investitionen lenken und jene rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen schaffen, die für das Wachstum eines robusten, diversifizierten und international wettbewerbsfähigen Privatsektors erforderlich sind. Auf diesem Weg wird das GCC Economic Diversification Barometer von KAS und SIG diese Bemühungen weiterhin begleiten und unterstützen, indem es fundierte, datenbasierte Einblicke in die voranschreitende wirtschaftliche Transformation der Golf‑Staaten liefert.