Veranstaltungsberichte

"A Forgotten War on Europe's Doorstep - Ukraine in 2018"

von Anne-Sophie Seiring

Am 16. April 2018 hatten die Leipziger Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. die Gelegenheit mit dem US-amerikanischen Journalisten und Afghanistan Veteranen Nolan Peterson über die derzeitige Lage der Ukraine zu diskutieren.

Peterson selbst erlebte den Krieg in der Ukraine hautnah, als er im Juni 2015 als erster ausländischer Journalist und Korrespondent der Daily Signal die Ukrainische Armee für acht Tage an vorderster Front in Pisky begleitete. Seine Kriegsdokumentation für die Daily Signal zeigte er in kurzen Ausschnitten. Dabei wurde sichtbar: die Lage in der Ukraine ist prekär. Bereits 11000 Menschen starben, darunter viele junge Männer, die sich freiwillig meldeten, um die Idee der westlichen Demokratie in ihrem Land zu schützen. Viele von ihnen sind schlecht ausgebildet und ausgerüstet. Der Krieg in der Ukraine, den Peterson als „Russische Invasion“ bezeichnet, erinnert den erfahrenen Air Force Piloten an Szenarien aus Filmen des Zweiten Weltkrieges, überall Panzer und Schützengräben. Nichts erinnert ihn an die „modernen“ Kriegsschauplätze wie Syrien und Afghanistan. Der Großteil der Waffen stammt noch aus Hinterlassenschaften der Sowjetunion. Schutzausrüstung und Essen werden vor allem von Zivilisten bereitgestellt. Auch Generatoren zur Stromversorgung an der Front werden vergeblich gesucht, stattdessen müssen die Soldaten Strom von lokalen Netzwerken abzapfen.

Und auch heute noch, im Jahr 2018 ist der Krieg in der Ukraine präsent. Zwar sinken die Todeszahlen auf einen Soldaten aller drei Tage, doch dieser Rückgang bringt auch Gefahren für Zivilisten. Viele überqueren täglich die Grenze bzw. die Front, um zu ihren Familien zurückzukehren, die Arbeit oder Schule zu besuchen oder sich ihre Rentenchecks zu holen. Doch das Land ist immer noch übersät mit scharfen Minen. Auch sei das Land massiver russischer Propaganda ausgesetzt. Laut Peterson habe Russland sämtliche Medienstrukturen in der Ukraine zerstört. Diese werden nun von Russland und russischen Oligarchen kontrolliert. Eine immer wiederkehrende Nachricht sei, dass Russland die Ukraine von der Kontrolle der Nazis und CIA befreien werde. So würden viele eigene, russische Angriffe als Angriffe der amerikanischen CIA gemeldet.

Dennoch bringt der Krieg auch Vorteile für die Ukraine. Im Waffenexport steht die Ukraine auf Platz 5. Viele Studierende entwickeln außerdem neue Technologien für das Militär, welches innerhalb von zwei Jahren zum zweitgrößten in Europa heranwuchs. Auch der Druck der EU aufgrund der starken Korruption im Land scheint stillzuliegen. Unsere Stipendiaten interessierte vor allem, warum die Situation in der Ukraine nicht in unseren Medien präsent ist und warum der Westen nicht eingreift. Peterson sieht den Grund vor allem in der dominierenden Angst im Westen vor Terrorismus und der Flüchtlingssituation. Die Aufmerksamkeit sei also bereits zu stark an andere Geschehnisse gebunden. Damit spiele der Westen Russland in die Hände, denn dort verfolgt man das Ziel, den Krieg in der Ukraine in Vergessenheit geraten zulassen. Nicht etwa, um territoriale Ansprüche geltend zu machen, sondern um Kontrolle über die Ukrainische Regierung zu erlangen. Eine Hilfe durch den Westen stellte Peterson als aussichtslos dar. Seiner Meinung nach, wird der Krieg in der Ukraine, den Putin laut Peterson führt, um als Held eine Revolution im eigenen Land zu verhindern, nur enden, wenn Putin entscheidet, dass er endet. Denn selbst Peacekeeping Missionen im Kriegsgebiet werden aktiv behindert. Einen militärischen Gegenschlag des Westens wird es nach Petersons Einschätzung aufgrund der hohen zu erwartenden Todeszahlen nicht geben.

In der Diskussion waren sich unsere Stipendiaten und Nolan Peterson einig, dass es wichtig ist, den immer noch herrschenden Krieg in der Ukraine zurück in die europäischen und amerikanischen Nachrichten zu bringen, den Konflikt durch diplomatische Verhandlungen zu entschärfen und den starken Einfluss Russlands in der Ukraine zu bekämpfen.