Veranstaltungsberichte

DDR: Mythos und Wirklichkeit. Wie die SED-Diktatur den Alltag der DDR-Bürger bestimmte

Ausstellungseröffnung

Die Ausstellung

Am 29.09.2016 lud das Bildungsforum der Konrad-Adenauer-Stiftung Thüringen zur Ausstellungseröffnung der Wanderausstellung „DDR: Mythos und Wirklichkeit. Wie die SED-Diktatur den Alltag der DDR-Bürger bestimmte“ nach Ummerstadt ein.

In Anlehnung an das Internetportal www.ddr-mythen.de hat die Konrad-Adenauer-Stiftung eine Ausstellung entwickelt, in der Mythen der DDR aufgegriffen werden, wie zum Beispiel dass alle Einwohner Arbeit hatten, die DDR ein demokratischer Rechtsstaat war oder dass die Stasi ein ganz normaler Geheimdienst war. Diese durch die DDR-Regierung propagierten und verbreiteten Behauptungen werden in der Ausstellung mit Hilfe von Fakten und Erhebungen erläutert und größtenteils widerlegt.

Ausstellungseröffnung

Die in der Evangelischen Stadtkirche stattfindende Eröffnungsvorstellung fand großes Interesse bei den Einwohnern. Über 70 Gäste erschienen zum Auftakt. Nach einer Begrüßung durch Maja Eib, KAS-Landesbeauftragte des Freistaates Thüringen, übernahm die Bürgermeisterin der zweitkleinsten Stadt Deutschlands das Wort. Christine Bardin sprach in ihrer Rede über die Entwicklung Ummerstadts und die Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Weiterhin sprach sie über die Zeit der DDR und die staatlichen Restriktionen, die das (Zusammen) Leben der Bürger beeinflussten.

Liedermacher und Bürgerrechtler Stephan Krawczyk

Höhepunkt des Abends war Liedermacher und Bürgerrechtler Stephan Krawczyk.

Der heute freiberufliche Sänger hatte ein bewegtes Leben. Seine regimekritischen Texte machten ihn zu einem der bekanntesten Bürgerrechtler der DDR. 1984 trat er aus der SED aus, erhielt Berufsverbot und konnte nur noch in Kirchen auftreten. Lieder wie »Wieder stehen« prangerten die Zustände im Staat an und forderten zu DDR-Zeiten Meinungsfreiheit ein. Nachdem er in einem offenen Brief mehr Freiheit für DDR-Bürger, die Achtung der Menschenrechte und die Rücknahme des Berufsverbots gefordert hatte, wurde er 1988 von der Stasi verhaftet und in den Westen abgeschoben. Zeitlebens setzt er sich nun schon für die Freiheit, den Schutz und die Etablierung der Bürgerrechte ein und arbeitet heute vor allem auch gerne mit Schulen zusammen.

In seinem Auftritt verknüpfte er Musik und Lesung. So entstand eine intensive Atmosphäre, bei der die Zuhörer den Erzählungen Krawczyks aufmerksam folgten. Seine musikalischen Stücke, wie zum Beispiel sein neu erschienenes Lied über die multikulturell geprägte Stadt Berlin, legte er mit Gitarre und Akkordeon dar.

Zusätzlich las er aus seinem autobiografischen Buch „Der Himmel fiel aus allen Wolken. Eine deutsch-deutsche Zeitreise“ vor. Er beschrieb verschiedene Erlebnisse, die heute unbedeutend, damals als Auflehnend gegen den Staat betrachtet wurden.

In seinen Lieder und Schriften verarbeitet Stephan Krawczyk seine einschneidenden Erlebnisse unter der DDR-Diktatur. Seine Erlebnisse und Erfahrungen ermöglichen ihm natürlich einen differenzierten Blick auf aktuelle Geschehen. Krawczyk hat seine kritische Natur stets beibehalten und schaut besorgt auf neuere Entwicklungen. Er äußerte sich zur Digitalisierung, die teilweise soziale Kontakte ersetzt und sie überflüssig erscheinen lassen, aber auch zum Umgang der Politik mit den Herausforderungen, vor der sie derzeit steht. Er thematisierte die sich bildenden Parallelgesellschaften, verwies jedoch gleichzeitig darauf, dass möglicherweise „die Politiker die weitaus größere Parallelgesellschaft darstellen, da sie den Bezug zu den Bürgern immer mehr verliere“. Doch Krawczyk sprach besonders positiv über die nahezu unendlich erscheinenden Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung, was in der DDR weit davon entfernt war wie heute als Selbstverständlichkeit angesehen zu werden.

Die Eröffnung endete mit einem Schlusswort der Pastorin Graf Sylvia und abschließend mit einem Gebet, an dem die Anwesenden aktiv teilnahmen. Nach der feierlichen Eröffnung waren die Gäste eingeladen bei einem von den Jugendlichen der Stadt organisierten Empfang sich die Ausstellung anzuschauen.