Der erste Tag im Institut für das Gedächtnis der Nation (Institut Paměti národa) widmete sich einem tieferen Einblick in die menschliche Psyche unter den Bedingungen eines langjährigen Konflikts. Die Vorführung des ukrainischen Films Graue Bienen eröffnete eine Diskussion über das Leben in den sogenannten „grauen Zonen“, in denen die Grenze zwischen Front und Heimat verschwimmt. Hauptgast war die Ukrainistin Lenka Víchová, die in der Debatte die moderne Geschichte der Ukraine näherbrachte und vor allem Zeugnis darüber ablegte, welche Stimmung derzeit unter den Menschen in der Ukraine herrscht. Dieser einleitende Teil des Programms hielt der harten Realität, mit der sich die ukrainische Gesellschaft täglich auseinandersetzen muss, den Spiegel vor.
Am zweiten Tag verlagerte sich der Schwerpunkt des Programms auf den akademischen Boden der Fakultät für Sozialwissenschaften (FSS MUNI), wo das Dienstags-Programm mit einer Rede der ukrainischen Konsulin Anna Proshko eröffnet wurde. Es folgte eine Reihe thematischer Blöcke, die verschiedene Aspekte des Krieges im Detail analysierten. Der erste Runde Tisch mit dem Titel Schlachtfeld ohne Grenzen: Vom hybriden Krieg bis zu Drohnen begrüßte die Experten Viliam Ostatník (Adapt Institute) und Zdeněk Petráš (UNOB), welche die technologische Entwicklung des Kriegswesens erörterten. Sie waren sich jedoch einig, dass trotz des massiven Einsatzes von Technik die Moral und der menschliche Faktor am wichtigsten bleiben. Die Kraft der Zivilgesellschaft demonstrierte anschließend Iryna Kmeť im Block Krieg und Zivilgesellschaft in der Ukraine oder wie wir zu Freiwilligen wurden. Sie stellte die Tätigkeit der Lwiwer Organisation Lviv Opir vor und beschrieb, wie aus normalen Bürgern Schlüsselfiguren der nationalen Verteidigung und einer der Hauptpfeiler der ukrainischen Resilienz wurden.
Der Nachmittagsteil wurde mit dem zweiten runden Tisch An der Front und in der Redaktion: Kriegsjournalismus über die Ukraine fortgesetzt, in dem die Kriegsberichterstatter Martin Novák (Seznam Zprávy) und Andreas Papadopulos(ČT) ihre Erfahrungen von der Berichterstattung an vorderster Front sowie ihre Erinnerungen an den Moment der Kriegserklärung teilten. Daran schloss die Diskussion Tschechische Prioritäten unter der Lupe: Die Ukraine und die Östliche Partnerschaft an, bei der der Diplomat David Stulík und der Analyst Pavel Havlíček (AMO) die Integrationsambitionen der Ukraine in die EU analysierten. Sie betonten, dass der digitale Fortschritt der Ukraine ein großer Gewinn für Europa sein kann. Das Fachprogramm an der Fakultät schloss Martin Ocknecht von der Initiative Helfen Sie UA mit dem Gedächtnis der Nation im Block Die Spur der tschechischen Hilfe in der Ukraine ab. Er erläuterte die Arbeit dieser Initiative und teilte unmittelbare Erfahrungen darüber, wie es ist, den kämpfenden Verteidigern direkt zu helfen.
Das gesamte Programm fand seinen Abschluss in einer Benefizauktion im Café Trojka. Die Teilnehmer konnten dort einzigartige Gegenstände ersteigern – von handbemalter Keramik und militärischen Abzeichen bis hin zu Kuriositäten von der Front. Damit verwandelte sich der fachliche Dialog in direkte materielle Unterstützung für das verteidigende Land. „Café Kyiv“ bestätigte somit in Brünn, dass das Thema Ukraine für einen bedeutenden Teil der tschechischen Gesellschaft weiterhin Priorität hat.
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