Veranstaltungsberichte

Aufruf zur vollständigen Nutzung des Potentials der ugandischen Jugend

Start einer landesweiten Serie von Jugenddebatten in Jinja

Das University Forum on Governance (UNIFOG) und die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) luden Student_Innen und Jugendvertreter_Innen aus der Ostregion Ugandas dazu ein, miteinander über die Jugendbeteiligung am demokratischen Prozess zu diskutieren. Neben aktuellen Herausforderungen, denen junge Menschen gegenüberstehen, sprachen die Teilnehmer_Innen auch über mögliche Lösungsansätze, um die bestehenden Probleme zu überkommen.

Obwohl verfassungsrechtliche Strukturen die politische Beteiligung der Jugend gewährleisten sollen, schaffen es junge Menschen in Uganda nicht, sich effektiv in den politischen Entscheidungsprozess einzubringen. Eine landesweite Serie von Jugenddebatten zielt darauf ab, die Frage zu diskutieren warum die Jugend nicht zu einer bedeutsamen Beteiligung im demokratischen Prozess fähig ist und was nötig ist, um Jugendbeteiligung zu stärken.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Bruce Balaba Kabaasa, Associate Director von UNIFOG begann die erste Diskussionsrunde. Das Podium setzte sich zusammen aus Student_Innen verschiedenster Fachrichtungen: Ivan Rugambwa, Journalismusstudent an der Makarere Universität, Martha Mulerwa, Studentin der Biomedizintechnik an der Makarere Universität, Brian Tushabomwe, Student des Wasseringenieurswesens an der Busitema Universität, und Daphine Arinda, Jurastudentin an der Makarere Universität.

Zu Beginn der Debatte konzentrierte sich Yusuf Kiranda, Direktor von UNIFOG und Moderator der Debatte, auf die Frage warum junge Menschen nicht hochrangige politische Führungspositionen einnehmen, obwohl Strukturen im Bereich der Jugendrepräsentation, wie beispielsweise der National Youth Council, existieren. Die Diskussionspartner betonten die fehlende Verbindung zwischen gewählten Jugendvertreter_Innen und den Wähler_Innen. Die meisten Jugendrepräsentant_Innen hätten einen besseren finanziellen Hintergrund und einen höheren Bildungsgrad im Vergleich zur Mehrheit der Jugend in Uganda. Darüber hinaus merkten die Diskussionsteilnehmer_Innen an, dass Jugendrepräsentant_Innen über ein schwaches Verantwortungsgefühl und fehlende Führungsqualitätem verfügen würden.

Um eine lebhafte Diskussion zu erzeugen, übergab Herr Kiranda das Wort nach jeder Diskussionsrunde an seinen Ko-Moderator, Michael Mugisha, und bot damit dem Publikum eine Plattform auf der sie Anmerkungen, Feedback und Fragen formulieren konnten. Das Publikum identifizierte mehrere Gründe für die ineffektive Jugendbeteiligung. Einerseits betonten die Teilnehmer_Innen, dass der Jugend im ländlichen Bereich politische Bildung fehle, andererseits erklärten einige, dass die Jugend ignorant sei und kein Interesse an politischer Beteiligung habe. Ein Dozent der Busitema Universität erklärte, dass es der Jugend an Beteiligung in der Wirtschaftsdemokratie fehle, da sie nicht in wirtschaftlich produktiven Sektoren tätig sei, was ihr weniger Macht im politischen Entscheidungsprozess gebe.

In der zweiten Diskussionsphase erörterten die Diskussionsteilnehmer_Innen wer für die schwierige politische Situation der Jugend verantwortlich ist. Die auf dem Podium vertretenen Student_Innen machten vor allem die Jugend und die Regierung verantwortlich. Herr Rugambwa warb für eine wertebasierte Jugendbewegung, die Politiker_Innen zur Verantwortung zieht. Daher solle die Jugend finanziell unabhängig von den Mitteln der Regierung sein. Andere Diskussionsteilnehmer_Innen stimmten Herrn Rugambwa zu und argumentierten, dass einige Kandidat_Innen sich nur wegen des Geldes zur Wahl stellen ließen. Frau Arinda schlug vor, in der Schule Patriotismus zu fördern, um eine neue Generation von verantwortlichen und transparenten Führungskräften heranwachsen zu lassen.

Das Publikum einigte sich größtenteils darauf, dass die Jugend nicht ihr volles Potenzial, auf Grund vom Missbrauch von Geldern, Kurzzeitplanung anstatt Investitionen in Langzeitziele und wenig Bemühungen Alternativen umzusetzen, nutze, um eine jugendfreundliche Umgebung zu schaffen.

Anschließend debattierte die Diskussionsrunde das Problem der Jugendarbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung in Uganda, welche die Fähigkeiten junger Leute mindert sich am politischen Prozess zu beteiligen. In der Diskussionsrunde wurden politische, kulturelle und schulische Probleme benannt. Zunächst solle die Regierung vielversprechende wirtschaftliche Sektoren identifizieren und Infrastruktur und Policies implementieren, welche eine produktive wirtschaftliche Entwicklung sichern und Arbeitsplätze schaffe. Daher sei eine Reform des Bildungssystems notwendig, um die erforderlichen Kenntnisse, welche die Unternehmen fordern, zu lehren. Allerdings würde jungen Leuten oft nichts zugetraut und viele Unternehmen forderten Arbeitserfahrung von mindestens zwei Jahren.

Die Debatte endete mit einigen Vorschlägen zur Verbesserung der aktuellen Situation, wie die Förderung nach politischer Bildung, Veränderung der elterlichen und sozialen Denkweise über die Jugend und die Vereinigung existierender Jugendbewegungen. Die Konrad-Adenauer-Stiftung bedankt sich bei den Diskussionsteilnehmer_Innen für ihre konstruktive Beteiligung und wir freuen uns, dass viele Student_Innen an der Diskussion teilgenommen haben. Die Debatte gab einen guten Einblick in die Herausforderungen, denen die Jugend bei der Beteiligung am politischen Entscheidungsprozess begegnet.

Autorin: Nele Krüger, KAS Praktikantin

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