Veranstaltungsberichte

Der Grenzdurchbruch bei Sopron

von Bence Bauer, LL.M

Auftakt zur Vollendung Europas

Vom 15.-20.07.2012 fand in Sopron mit weit mehr als 250 Teilnehmern das internationale Symposium von Konrad Adenauer Stiftung und Fidesz Jugend mit dem Titel "Der Grenzdurchbruch bei Sopron – Auftakt zur Vollendung Europas" statt.

An der Veranstaltung nahmen 28 Referenten aus Deutschland, Ungarn und Österreich teil; die Teilnehmer kamen aus mehr als 25 europäischen Ländern. Zielsetzung der Veranstaltung war es, die Ereignisse um das Paneuropäische Picknick am 19.8.1989 sowie den dortigen Grenzdurchbruch historisch zu würdigen und gerade jüngeren Generationen erfahrbar zu machen. Zu diesem Zweck wurden verschiedene Aspekte des „Annus Mirabilis“ durch Wissenschaftler, Zeitzeugen und politische Entscheidungsträger, aber auch durch junge Leute bewertet. Hier wurden auch die Bücher „Momente, die die Welt bewegten“ (Kaiser/Lobenwein) und „Der Grenzdurchrbruch bei Sopron – Weg nach Europa“ (Kaiser) vorgestellt, die beide bei der KAS Ungarn erhältlich sind.

Zunächst hatten die bereits am Sonntag (15.07.2012) angereisten ca. 90 jungen Teilnehmer die Möglichkeit, sich grundlegende Basiskenntnisse über das Jahr 1989 und speziell die Soproner Ereignisse zu verschaffen. Hierfür ist von der Konrad Adenauer Stiftung Ungarn eine speziell angefertigte Slideshow mit einem ausführlichen Narrativ vorgestellt worden. Im Anschluss wurde der Film „Als der Ostblock Geschichte wurde“ von Jürgen Ast (ARTE) in voller Länge gezeigt. Der sehr bewegende Film stellte anschaulich dar, wie die Ereignisse im August 1989 als Katalysator der weiteren Vollendung Europas fungierten.

Der Montag stand ganz im Zeichen eines interaktiven Erlebens. Die Teilnehmer besuchten die Originalschauplätze des Paneuropäischen Picknicks in Sopronpuszta, wo ihnen von den damaligen Veranstaltern László Magas und László Nagy detailliert die damalige Situation geschildert worden ist. Die vielen jungen Menschen, die zuvor noch nie an diesem Ort gewesen sind, konnten miterleben, welche historischen Dimensionen ein im Jahre 1989 an der Grenze organisiertes Picknick haben konnte. „Stilecht“ wurde an diesem historischen Fleckchen Erde nunmehr das Mittagessen als Gulasch-Picknick ausgerichtet, um ein wenig die Atmosphäre von 1989 zu illustrieren und prinzipiell die Freude dieses Ereignisses zu begehen.

Am Nachmittag fanden im Hotel die drei parallel laufenden Workshops statt, die die Hintergründe der damaligen Lage tiefer analysierten und interpretieren sollten. Diese hatten ihre Bestimmung auch darin, Parallelen zu heute aufzuzeigen und zu vermitteln, welche Kraft das Engagement einzelner entfalten kann. „Das totalitäre Projekt eines neuen sozialistischen Menschen“, zu diesem Thema hielt Dr. Hendrik Hansen, Lehrstuhlinhaber und Leiter der Professur für Politikwissenschaften an der Andrássy Universität Budapest, einen vielbeachteten Workshop. Hier war es erklärtes Ziel, auf die Mechanismen totalitärer Regime am Beispiel des durch den Kommunismus zu formenden neuen Menschen hinzuweisen. „Die Überwindung der Grenzen und europäische Integration“ war der Titel des von Kinga Szabó, der Direktorin des in Budapest ansässigen Robert Schuman Instituts gehaltenen Workshops, in dem es maßgeblich um die diversen Entwicklungsschritte Europas ging und das Bedürfnis, eine weitreichende Inklusion zu erreichen. Schließlich arbeitete die dritte Gruppe der Teilnehmer zusammen mit Christian Passin von der Politischen Akademie der ÖVP in Wien „Die Rolle der Zivilgesellschaft in den neu entstandenen politischen Bewegungen“ heraus.

Mut, sich einzubringen

Der Dienstag, 17.7. war der formalste Teil des internationalen Symposiums. Unter großem Medienandrang der elektronischen (MTI, TV2, D1TV, Sopron TV, MTV), als auch der gedruckten Presse (Magyar Nemzet, Népszabadság, Kisalföld Újság) wurde der Konferenzteil des Symposium um 9.30 eröffnet. Nach kurzen Grußworten des Soproner Bürgermeisters Tamás Fodor, der die Rolle und Bedeutung Soprons würdigte und auf diverse Initiativen in den USA hinwies, den 19.8. als „Tag der Freiheit“ in Erinnerung zu behalten sowie des Vorsitzenden der Fidesz Jugend, Áron Veress, der auf persönliche Erfahrungen mit dem geteilten Deutschland rekurrierte und eine weitere Integration und beispielsweise auch die Visa-Liberalisierung forderte, eröffnete Hans Kaiser, Minister a.D. und Leiter des Auslandsbüros Ungarn der Konrad Adenauer Stiftung, nunmehr offiziell die Konferenz. Er gab zu verstehen, dass es in diesem Jahr das besondere Anliegen der Stiftung sei, in Zusammenarbeit mit jungen Leuten die richtigen Lehren aus der Geschichte zu ziehen. Er ermahnte den Mut der Zuhörer, sich einzubringen und vieles geschehen zu lassen im Sinne der Überwindung der Grenzen und der Fortentwicklung eines geeinten Europa. Er bekräftigte Engagement und Bekenntnis der Konrad Adenauer Stiftung, sich stets der historischen Verdienste Ungarns im Jahr 1989 zu erinnern und auf diese hinzuweisen. Daher unterstütze die Stiftung mannigfaltige Initiativen, die auf die Erinnerung in Zusammenhang mit dem Paneuropäischen Picknick gerichtet sind. Der Geist der Freiheit lasse sich nicht auf Dauer unterdrücken und in diesem Zusammenhang waren die Niederschlagungen der Demokratiebewegungen durch die kommunistischen Machthaber nur scheinbarere Niederlagen, schlussendlich haben Demokratie und Rechtsstaatlichkeit obsiegt.

Noch vor den eigentlichen Reden wurde der fünfminütige Kurzfilm von Josephine Landertinger eingespielt, der die wichtigsten Etappen auf dem Weg zur Deutschen Einheit offenbarte. Das erste Panel mit dem Moderator Hans Kaiser fand unter Anwesenheit vom Michael Stübgen MdB, dem Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Angelegenheiten der Europäischen Union der CDU/CSU-Bundestagsfraktion statt. Hieran nahmen neben Stübgen auch der stellvertretende Vorsitzende der Fidesz-Fraktion, Gergely Gulyás und der stellvertretende Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, József Szájer, teil. Das Thema der Parlamentarier-Runde war „Ungarn, Deutschland und Europa“ und genau in dieser Reihenfolge hielten die drei Abgeordneten ihre Reden. MdB Stübgen hielt es zunächst für angebracht, sich bei den Ungarn für die Taten des Jahres 1989 zu bedanken. Er unterstrich, dass es ohne die aus Ungarn ausgehenden Initiativen den Fall der Mauer gewiss so schnell nicht gegeben hätte.

EU als Wertegemeinschaft und Garant des Friedens

Gergely Gulyás, der stellvertretende Vorsitzende der Fidesz-Fraktion appellierte daran, dass die heutige Europäische Union bei ihrer Gründung vor allem eine Wertegemeinschaft war, die schließlich ein Garant des Friedens und des Wohlstandes werden konnte. Er ermahnte, wegen einzelner Schwierigkeiten in der Union nicht die Zusammenarbeit insgesamt in Frage zu stellen und schloss mit dem Aufruf, alle totalitären Diktaturen gleichermaßen zu verurteilen. Der Europaparlamentarier József Szájer gab seiner Überzeugung Ausdruck, dass die EU gemeinsame identitätsstiftende Merkmale schaffen müsse, um den Bürgern näher zu sein und auch eine gefühlsmäßige Bindung zu erreichen. Auf die heutige Krisenbewältigung übertragen bedeute dies, dass gerade heuer die geistigen Fundamente nicht vergessen werden dürften, im Sinne der Kohäsion und der Bewältigung der immensen, vor uns stehenden Aufgaben.

Die zweite Runde mit dem Titel „Die Bedeutung des Annus Mirabilis – Politik und Gesellschaft“ beleuchtete die politisch-diplomatischen und gesellschaftlichen Hintergründe der Entwicklungen von 1989 und wurde von Ellen Bos, Professorin und Leiterin des Donauinstituts an der Andrássy Gyula Deutschsprachige Universität Budapest (AUB) moderiert. Das Impulsreferat wurde von Herrn Andreas Oplatka, Historiker und ehemaliger Professor an der AUB gehalten, mit der vielsagenden Überschrift „Grenzpicknick und Grenzöffnung. Entscheidungen und ihr politisch-diplomatischer Hintergrund“. Hier stellte der Referent ausführlich die drei wesentlichen Vorstufen der ungarischen Entwicklungen dar, nämlich die Tatsache, dass Ungarn zum einen ab 1988 seinen Bürgern den sog. Weltpass herausgegeben habe, zum zweiten, dass das noch kommunistische Land im Frühjahr 1989 der Genfer Flüchtlingskonvention beigetreten sei und zum dritten – auch als Folge der erstgenannten Umstände – darauf verzichtet habe, die veralteten Grenzbefestigungsanlagen technisch zu erneuern. Aus dieser Gemengelage heraus konnten die zahlreichen, sich in Ungarn befindlichen DDR-Bürger schlussfolgern, dass auf kurz oder lang eine Flucht nach Österreich wahrscheinlich sein könnte, zumindest aber um einiges einfacher als an der deutsch-deutschen Grenze. Was die Menschen aber nicht wissen konnten, war, dass die Grenzsperre juristisch weiterhin Bestand hatte wie auch die Schusswaffengebrauchsbestimmungen.

Axel Hartmann, der Botschafter Deutschlands in der Slowakei, schilderte in seinem Vortrag „Von der Zuflucht in deutsche Botschaften zur Deutschen Einheit“ anhand seiner diversen Lebensstationen, wie sehr seine westdeutsche Beamtenkarriere immer wieder mit der Frage der Deutschen Einheit verknüpft war. Anschaulich stellte er die diversen Rückkoppelungen dieses hehren Ansinnens mit den zahlreichen sonstigen diplomatisch-politischen Hintergründen dar. Als damals im Bundeskanzleramt Verantwortlicher hatte er schließlich einigen Anteil an der konkreten Ausgestaltung der Deutschen Einheit in den Wendejahren 1989/1990.

Helmut Kohls 10-Punkte-Plan

„Die Deutsche Einheit – plötzlich und unerwartet“, so lautete die Betitelung des Beitrages von Prof. Heinrich Oberreuter, Direktor a.D. der Akademie für politische Bildung Tutzing. Oberreuter stellte in seinem Vortrag einzelne Stationen auf dem Weg zur Deutschen Einheit dar. Die Konklusio war, dass niemand mit einer derartigen Beschleunigung der historischen Ereignisse gerechnet hatte und es eigentlich Helmut Kohl war, der beherzt die Gunst der Stunde zu nutzen vermochte. Sein 10-Punkte-Plan war wegweisend und brachte den eigentlichen Durchbruch, denn bis dorthin war die öffentliche Meinung in Sachen Deutscher Einheit nicht festgelegt.

Schließlich schloss Prof. Manfred Wilke, Historiker, Leiter a.D. des Forschungsverbundes SED-Staat die Runde ab und stellte mit seinem Referat „Die Bedeutung der DDR-Flüchtlinge in Ungarn für die friedliche Revolution in der DDR“ die Rolle der sich in Ungarn abspielenden Ereignisse für die Demokratiebewegung in der damaligen DDR dar. Er kam zum Schluss, dass ohne den massenweisen Exodus im Spätsommer 1989 den Oppositionsgruppen ein wichtiger Katalysator abgegangen wäre. Die Parole „Wir bleiben hier“ der Leipziger Montagsdemonstration stellte zugleich in eine Hoffnung verkleidete Drohung in Richtung DDR-Machthaber dar, denn einerseits wollten diese Menschen ihrer Heimat nicht den Rücken kehren, andererseits musste sich die Diktatur mit einem selbstbewussteren und aufmüpfigeren Volk zufriedengeben.

Nach der Mittagspause wurden die beiden Zeitzeugenpanels „Das Jahr 1989 aus Zeitzeugenperspektive“ eröffnet. Im ersten trafen unter der Moderation von Minister Hans Kaiser drei Zeitzeugen aufeinander, die den Herbst 1989 in der damaligen DDR hautnah verfolgen konnten. Zunächst referierte Ellen Bos, Professorin und Leiterin des Donauinstituts an der AUB, über ihre Erfahrungen in Leipzig im Spätherbst 1989. Der Vortrag mit dem Titel „Leipzig, „rotes Kloster“, im November und Dezember 1989: Forschen in einem sich auflösenden Staat“ veranschaulichte die innere Implosion des damaligen SED-Staates, der es nicht mehr vermochte, den Drang seiner Bürgerinnen und Bürger nach Freiheit und Demokratie aufzuhalten. Die Forschungsarbeit war hier vor besondere Herausforderungen gestellt, da selbst die grundlegende Versorgung nur noch schleppend aufrechterhalten werden konnte.

DDR und die Leipziger Montagsdemonstrationen

Friedrich Magirius, Superintendent i.R. an der Nikolai-Kirche in Leipzig sprach über „Erfahrungen auf dem Weg von der friedlichen Revolution zum Aufbau der Demokratie – von der ersten Begeisterung zum dauerhaften Engagement“. In seinen Ausführungen ging er auf die Hintergründe und Abläufe der Leipziger Montagsdemonstrationen ein und erläuterte dabei auch die Rolle der Kirche. Sein persönlicher Lebensweg spielte dabei auch eine Rolle. Schließlich ist er in der Leipziger Lokalpolitik nach der Wende zu einer Größe geworden und hat die Geschicke seiner Stadt entscheidend mitbestimmen können, wie viele andere Geistliche der damaligen DDR.

Als dritten Vortragenden wartete das erste Zeitzeugenpanel mit Siegmar Faust, Vorstandsmitglied und Kurator am Menschenrechtszentrum Cottbus auf, der mit seinem eindringlichen, auch auf seine persönliche Lebensgeschichte zugeschnittenen Vortrag „Vom Jungmarxisten zum Dissidenten“ die wesentlichen Stationen umschrieb, wie er vom bekennenden Kommunisten zum Regimegegner mutierte. Seine Erfahrungen seien auch lehrreich in der Erkenntnis um die inneren Zusammenhänge des diktatorischen Regimes in der DDR.

Das separat abgehaltene zweite Zeitzeugenpanel wurde von Gyula Kurucz, dem Organisator der 1999-er Gedächtniskonferenz und Buchautor moderiert und versammelte entscheidende Persönlichkeiten auf ungarischer Seite, die in unmittelbarer Umgebung des Geschehens involviert waren. Zunächst erörterte der Picknickveranstalter von 1989 und Vorsitzender der Stiftung Paneuropäisches Picknick ´89, László Magas mittels des Vortrages „Der erste Stein aus der Berliner Mauer: Das Paneuropäische Picknick am 19.8.1989“ die Bedeutsamkeit des damaligen Picknicks in Sopronpuszta, zu dem mehr als 10.000 Gäste aus Ungarn, Österreich, Deutschland, Polen und auch aus dem Baltikum kamen. Dieses Ereignis mit kurzzeitiger Öffnung einer offiziellen Grenzübergangsstelle war das Ventil, welches die DDR-Bürger für eine Massenflucht nutzen konnten: Ca. 650 Personen kamen in drei Wellen nach St. Margarethen im Burgenland und somit in den Westen. Die offizielle und dauerhafte Öffnung der Grenzen am 11.9.1989 und schließlich der Fall der Mauer am 9.11.1989 waren nur noch eine Frage der Zeit.

Massenflucht 1989

Pater Imre Kozma, der Präsident des Ungarischen Malteser-Hilfsdienstes hielt seinen Vortrag über die Situation in den Flüchtlingslagern in Budapest-Zugliget mit dem Titel „Von der grenzenlosen Liebe zur Grenzöffnung“. Er stellte die humanitäre Lage in den von Maltesern betreuten Flüchtlingslagern der Ostdeutschen dar, in denen im Verlaufe des Spätsommers 1989 mehr als 15.000 Personen Zuflucht gefunden haben, nur noch darauf wartend, dass sie eine Ausreise antreten könnten. Viele von ihnen haben illegale Grenzübertritte versucht, sind aber „aufgelesen“ worden. Ein guter Teil der dortigen DDR-Bürger konnte in den Westen flüchten.

Wie sich die Massenflucht am 19.8.1989 in Sopronpuszta aus Sicht des Grenzers dargestellt hat, konnte von Árpád Bella, dem damaligen diensthabenden Grenzoffizier beleuchtet werden. „Als Grenzoffizier am Ort des Geschehens“ war einer der nahesten Zeitzeugenberichte. Bella schilderte, wie er – um die Situation konkret grenzübertrittswilliger DDR-Bürger unwissend – in seiner Entscheidungsfindung allein gelassen worden ist. Er hätt e die Menge, die sich ihm näherte, aufhalten müssen und eine derartige Aktion hätte leicht einen Tumult auslösen und Aggressivitäten entfachen können. Daher beschloss er, der am selben Tag seinen 18. Hochzeitstag beging, besser den Dingen ihren Lauf zu lassen und „die Leute in Frieden ziehen zu lassen“. Damit widersetzte er sich einer geltenden Waffengebrauchsanordnung, doch übertrat er diese nach bestem Wissen und Gewissen und erhielt dafür – reichlich spät, erst im Jahre 1999 – das Verdienstkreuz der Republik Ungarn.

Schließlich kamen mit Jörg Meißner, Dirk Mennenga und Thomas Kröseler auch drei ehemalige DDR-Flüchtlinge zu Wort, die sich einfach nur glücklich zeigten, den Weg in die Freiheit gefunden haben und die dafür auch Dankesworte bei den involvierten ungarischen Personen im Panel ausgesprochen haben. So unterschiedlich ihre einzelnen, konkreten Geschichten auch sein mögen, so gemeinsam war ihnen der Drang nach Freiheit und ihr Entschluss zum Leben in der freien Welt.

Das letzte Podium mit dem Titel „Lehren aus der Vergangenheit für zukünftige Generationen“ wurde von Bence Bauer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Konrad Adenauer Stiftung, Auslandsbüro Ungarn, moderiert. Hier trat zunächst Hendrik Hansen, Lehrstuhlinhaber und Leiter der Professur für Politikwissenschaften an der AUB auf, der mit einem eindrucksvollen Vortrag mit dem Titel „Die Prägung der politischen Kultur in Ostdeutschland und Ungarn durch die Erfahrungen des Sozialismus“ verschiedene Aspekte herausarbeitete, die auch nach dem

Systemwandel in den Gesellschaften der Transformationsländer erhalten geblieben sind. Viele Konflikte, auch im Bereich der Politik, lassen sich auf diese Ursachen zurückführen und es bedarf einiger Generationen, um diese Verhaltensmuster abzustreifen. Diese wären Materialismus, Kollektivismus, ein instrumentelles Rechtsverständnis, die Distanz der Bürger zum Staat und das Verständnis von Politik als Kampf gegen Feinde.

Auftrag und Verpflichtung der jungen Generation

László Nagy, ein ehemaliger Picknick-Veranstalter trug mit seinem Beitrag „Das Geschichtswissen junger Generationen: Auftrag und Verpflichtung“ einen wichtigen Aufklärungsdienst um das Wissen historischer Tatsachen bei jungen Leuten. Er bekräftigte die Notwendigkeit, sich der Geschichte unseres Kontinents bewusst zu sein, um auch Lehren für die Zukunft ziehen zu können.

Jakov Devčić, Jahrgang 1987, KAS-Stipendiat und ehemaliger Vorsitzender der AUB-Studentenschaft warb mit seinem Referat „Gedanken eines jungen Mitteleuropäers“ um die Ideen eines vereinten Europa. Er erinnerte an immer noch real existierende Grenzen wie in Kosovska Mitrovica oder Mostar und appellierte an die Zuhörerschaft, sich dessen bewusst zu sein und für die Bezwingung auch solcher Grenzen einzutreten, um Europa voll zur Entfaltung zu verhelfen.

Áron Veress, Jahrgang 1985, der Vorsitzende der Fidesz-Jugend spannte mit seinen Worten „Ungarn, Deutsche und Europäer – heutige Perspektiven“ einen Bogen um die damaligen Ereignisse und unterstrich die Bedeutsamkeit politischen und gesellschaftlichen Engagements gerade auch in unserer Zeit. Von den Picknickorganisatoren lernen heiße auch zu lernen, nichts als gegeben hinzunehmen, für die Ideale zu kämpfen und sich für eine bessere Welt einzusetzen.

Der Abend wurde mit einem Kamingespräch zwischen Hans Kaiser und Imre Pozsgay, Staatsminister a.D. und Schirmherr des Picknicks 1989 geschlossen. Befragt nach seinen Motiven und Überzeugungen verkündete Pozsgay, dass er schon in den Iden der achtziger Jahre nicht mehr an die Reformierbarkeit des Kommunismus geglaubt habe. Er gab sich glücklich, dass dieses unmenschliche System ohne Blutvergießen zu Ende gegangen ist.