Veranstaltungsberichte

Der Weg zum Ungarnaufstand

von Annika Stöbener, Christian Roder
Am 13. Januar 2015 veranstaltete die Konrad-Adenauer-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Stiftung Verbrechen des Kommunismus ein Symposium zum Thema „Der Weg zum Ungarnaufstand”. Das im Rahmen einer Konferenzreihe abgehaltene 11. wissenschaftliche Symposium, an der ca. 120 Gäste teilnahmen, stellte die Geschehnisse um die Ereignisse vom 23. Oktober 1956, deren Vorbedingungen und die Aufarbeitung des kommunistischen Systems in den Vordergrund.

Eröffnet wurde das Symposium vom Vorsitzenden der Stiftung „Verbrechen des Kommunismus“, Péter Eötvös, der das Wort an den Parlamentarischen Staatssekretär im Ministerium für Humanressourcen, Bence Rétvári, weitergab. Rétvári bedankte sich für die Unterstützung der verschiedenen Partner und betonte die außerordentliche Wichtigkeit des Symposiums und der Aufarbeitung des Kommunismus. „Es ist wichtig, die Geschichte Ungarns zu respektieren und die Geschehnisse dieser Zeit zu reflektieren“, so der parlamentarische Staatssekretär, der gleichzeitig den rechtlichen Wandel im Land hervorhob. Ein neues Gesetz, so Rétvári, sieht nämlich für die kommunistische Unterdrückung eine Entschädigung als Wiedergutmachung gegenüber den von dem kommunistischen Regime Betroffenen vor. Zudem sieht er die politische Hauptaufgabe diesen Jahres darin, den 60. Gedenktag für den Ungarnaufstand von 1956, angemessen zu begehen. Dieser soll in allen 3200 Gemeinden Ungarns gefeiert werden.

Péter Eötvös legte in seiner einführenden Rede den Fokus darauf, die Gründe für den Aufstand zu untersuchen. So seien die zwölf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg „unruhige Jahre“ gewesen. „Als man gemerkt hatte, was hinter den Wörtern der Kommunisten steckte, war es meist schon zu spät, etwas zu ändern. Denn die Kommunisten hatten genug Macht, um Gegenantworten zu finden.“

Frank Spengler, Leiter des Auslandsbüros Ungarn der Konrad-Adenauer-Stiftung, betonte in seinem Grußwort, dass es wichtig sei sich mit den Folgen von Diktatur und Unterdrückung auseinanderzusetzen. Man könne die Freiheit, die westliche Gesellschaften heute genießen dürfen, nicht als etwas Selbstverständliches betrachten. Daher bedankte er sich ausdrücklich bei den Ungarn, die in diesen Jahren für dieses Recht gekämpft hatten.

Als Vertreter der Wissenschaft hielt Prof. Dr. Tibor Zinner, Professor an der Eötvös Loránd Universität, einen Vortrag über die ersten Weichenstellungen zu einem kommunistischen System, die bereits während des Zweiten Weltkrieges getroffen wurden. Er zitierte hierbei aus Briefen von Winston Churchill und Josef Stalin, in welchen bereits im Mai 1943 von einer sowjetischen Einflusssphäre in Ungarn die Rede war. Er leitete daraus ab, dass das, was in den Briefen geplant wurde, später von Moskau aus in die Tat umgesetzt werden konnte.

Zsuzsanna Varga skizierte mit dem Vortrag „Macht und die Bauern im ersten Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg“, die Zeit und das Leben in der Provinz nach dem Krieg, und Dr. Frigyes Kahler, Richter a. D., berichtete über Schauprozesse vor 1956. Dr. habil. Attila Horváth, Lehrstuhlinhaber an der Universität für den Öffentlichen Dienst, hielt einen Vortrag über die ungarische Verfassung von 1949. Die Dozentin Dr. Zsuzsa Hantó von der Eötvös Loránd Universität schloss die Konferenz mit ihrem Vortrag über massenhafte Zwangsaussiedlungen und Zwangsarbeitslager ab.