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Organisiert vom KAS-Büro aus Washington fand das Programm in der entscheidenden Schlussphase vor dem Wahltag am 3. November statt und ermöglichte den Teilnehmern, die amerikanische Politik in einer besonders intensiven Phase zu erleben.
Washington bot zunächst einen Überblick über das politische Umfeld, in dem die Wahlen stattfanden. Bei Gallup stellten Jim Clifton und sein Team aktuelle Daten zum Vertrauen in Institutionen, zu politischen Ideologien und zur Wähleridentifikation vor. Besonders bemerkenswert war die Tatsache, dass sich 45 Prozent der Amerikaner als Unabhängige, also weder als Demokraten oder Republikaner, bezeichnen und damit die größte politische Gruppe im Land bilden. Die Diskussion verdeutlichte zudem die weit verbreitete Skepsis gegenüber politischen Institutionen sowie die anhaltende Bedeutung unabhängiger Wähler für den Ausgang von Wahlen.
Ein Mittagessen mit Autorin Laura Field widmete sich ihrem Buch„Furious Minds: The Making of the MAGA New Right“. Anstatt MAGA lediglich als Wahlkampfphänomen zu betrachten, beleuchtete Field die intellektuellen Wurzeln der Bewegung und die politischen Netzwerke, die ihren Aufstieg geprägt haben.
Zum Programm gehörten außerdem Gespräche mit Vertretern des Center for American Progress, die einen Blick aus Sicht der Demokraten auf Parteistrategien und mögliche Führungspersönlichkeiten mit Blick auf den nächsten Wahlzyklus vermittelten.
Die Rolle von Technologie im Wahlkampf zog sich ebenfalls als roter Faden durch die gesamte Woche. Im Gespräch mit Eric Wilson vom Center for Campaign Innovation diskutierten die Teilnehmer, wie Algorithmen, Kurzvideoformate und künstliche Intelligenz die politische Kommunikation verändern. Besonderes Augenmerk lag auf dem rasanten Wachstum von Plattformen wie TikTok, vor allem unter jüngeren Wählern, sowie auf der zunehmend wichtigen Rolle von KI bei der Produktion und Verbreitung politischer Informationen.
Der erste Tag endete mit einem Abendessen gemeinsam mit der Alexander Hamilton Society, bei dem junge außenpolitische Fachleute, Wissenschaftler und Praktiker zu einem informellen Austausch zusammenkamen. Ein besonderes Highlight war die Gelegenheit, den ehemaligen US-Verkehrsminister und früheren Präsidentschaftskandidaten Pete Buttigieg kurz kennenzulernen, der am Tisch der Delegation vorbeischaute, die Teilnehmer begrüßte und einige Worte mit ihnen wechselte.
Bei PLUS Communications analysierte der ehemalige Bush-Wahlkampfstratege Terry Nelson aktuelle Umfragen und die wichtigsten Swing States und bot damit die Perspektive eines erfahrenen Wahlkampfpraktikers auf die politische Lage wenige Tage vor der Wahl.
Ein anschließendes Gespräch mit Andrew Bleeker von Bully Pulpit International lieferte weitere Einblicke in modernes Wählertargeting und datengetriebene Kampagnenführung.
Während Washington vor allem Einblicke in nationale Trends bot, stand in Texas eines der am genauesten beobachteten Rennen des Landes im Mittelpunkt: die Senatswahl zwischen dem Demokraten James Talarico und dem Republikaner Ken Paxton. Seit mehr als drei Jahrzehnten werden beide texanischen Sitze im US-Senat von Republikanern gehalten, weshalb die Möglichkeit eines demokratischen Wahlsiegs weit über Texas hinaus politische Bedeutung hätte. Bereits vor dem Wahltag hatte Talaricos Kampagne nationale und internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen und Fragen aufgeworfen, die für Wahlkampfpraktiker auf beiden Seiten des Atlantiks von Interesse sind: Wie kann ein Kandidat in einem lange als republikanisch geltenden Bundesstaat konkurrenzfähig werden? Und welche Rolle spielen „grass-roots work“, Freiwilligenmobilisierung und Koalitionsbildung dabei?
Diese Fragen bildeten den Hintergrund für Gespräche an der University of Texas at Austin, wo die Politikwissenschaftler Joshua Blank und Daron Shaw die demografischen und politischen Entwicklungen erläuterten, die die texanischen Wahlen prägen.
Zum Programm in Austin gehörten außerdem eine Führung durch das Texas State Capitol sowie ein Treffen mit dem demokratischen Abgeordneten John Bucy III und seinem Team. Im Mittelpunkt standen Wähleransprache, Kampagnenorganisation und die praktischen Herausforderungen des Wahlkampfs in einem der dynamischsten Bundesstaaten des Landes.
Eine journalistische Perspektive bot Matthew Watkins von The Texas Tribune, einer der wichtigsten unabhängigen Nachrichtenorganisationen des Bundesstaates. Das Gespräch beschäftigte sich mit der Frage, wie sich politische Berichterstattung an die wachsende nationale Aufmerksamkeit für Texas und seine Wahlen angepasst hat.
Den Abschluss des Tages bildete ein Empfang der German-Texan Heritage Society, bei dem die Delegation in informeller Atmosphäre mit Interessierten über Politik, Wahlkampf und die sich wandelnde politische Landschaft in den USA und in Deutschland ins Gespräch kam.
Die Reise am nächsten Tag von Austin nach Houston beinhaltete einen Zwischenstopp bei Buc-ee’s, einer texanischen Institution, die oft zugleich als Tankstelle, Supermarkt und kulturelles Erlebnis beschrieben wird. Wenn überhaupt etwas die Redewendung „Everything is bigger in Texas“ bestätigt, dann sicherlich ein Besuch bei Buc-ee’s.
In Houston gingen die Diskussionen über das reine Wahlkampfgeschehen hinaus. Bei einem Mittagessen mit Kai Hennig, dem deutschen Generalkonsul in Texas, diskutierten die Teilnehmer die wachsende strategische Bedeutung von Texas als Energiestandort. Als führender Produzent von Öl und Erdgas in den USA sowie als Vorreiter bei Wind- und Solarenergie spielt Texas zunehmend eine wichtige Rolle in Debatten über Energiesicherheit, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und transatlantische Zusammenarbeit. Im Mittelpunkt stand dabei auch die Frage, welche Potenziale für eine Partnerschaft mit Deutschland sowohl im konventionellen als auch im erneuerbaren Energiesektor bestehen.
Das Programm in Houston brachte darüber hinaus Stimmen aus unterschiedlichen politischen Lagern zusammen. Gespräche mit der ehemaligen Bürgermeisterin von Houston Annise Parker, dem ehemaligen Kongressabgeordneten Nick Lampson und dem früheren US-Botschafter David Satterfield eröffneten Perspektiven aus Kommunalpolitik, Kongress und Diplomatie.
Den Abschluss bildete die Gelegenheit, republikanischen Wahlkampf aus nächster Nähe bei einer Kampagnenveranstaltung der texanischen Abgeordneten Jessica Steinmann zu erleben. Nach den Treffen mit demokratischen Politikern und Wahlkampfpraktikern im Laufe der Woche wurde dabei deutlich, dass beide Parteien trotz unterschiedlicher politischer Prioritäten erheblichen Wert auf Wählermobilisierung, Freiwilligenarbeit und direkten Kontakt zu den Bürgern legen.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Woche war, dass erfolgreiche Wahlkämpfe trotz der erheblichen Unterschiede zwischen dem deutschen und dem amerikanischen politischen System letztlich auf lokaler Organisation beruhen. Die Finanzierung amerikanischer Wahlkämpfe bewegt sich zwar in einer Größenordnung, die in Deutschland kaum vorstellbar ist. Gleichzeitig zeigte sich jedoch in nahezu allen Gesprächen, wie wichtig erfolgreiche „grass-root work“, Freiwilligennetzwerke, Bürgerengagement und der direkte Kontakt zu Wählerinnen und Wählern nach wie vor sind.
Für die CDU-Delegation bot die Reise damit eine Gelegenheit, amerikanische Wahlkämpfe unmittelbar vor dem Wahltag aus nächster Nähe zu beobachten. Unabhängig vom endgültigen Wahlergebnis lieferte das Programm wertvolle Einblicke darin, wie politische Unterstützung aufgebaut, Wähler mobilisiert und gesellschaftliches Engagement in einem zunehmend wettbewerbsorientierten politischen Umfeld gefördert werden können.