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Johannes Albers, Portraitfoto. Johannes Albers, Portraitfoto. © KAS/privat

Johannes Albers

Schriftsetzer, Christlicher Gewerkschafter, Mitbegründer der CDU, Vorsitzender der CDA March 8, 1890 Mönchengladbach March 8, 1963 Köln
by Michael Hansmann
„Sozialpolitiker aus Leidenschaft“ - so titelte das Deutsche Monatsblatt im April 1960 zum 70. Geburtstag von Johannes Albers. Politik war für Johannes Albers immer nur die Fortsetzung sozialer Hilfe mit anderen Mitteln und auf einer anderen Ebene, so Hans Katzer in seiner Würdigung zu dessen Tod.

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Diese Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Johannes Albers und ist dennoch nur eine Seite seines Lebensweges. Christlicher Gewerkschafter, Kommunalpolitiker, im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Mitbegründer der CDU und einer der Väter der Sozialausschüsse sind weitere Aspekte seines Lebens und Wirkens.

 

Herkunft und Werdegang

Geboren am 8. März 1890 in Mönchen-Gladbach als fünftes von sieben Kindern, der Vater war Zimmermann, besuchte Albers die Volksschule und absolvierte anschließend eine Lehre als Schriftsetzer und Buchdrucker. Bereits 1908 trat er dem katholischen Gesellenverein und 1909 den Christlichen Gewerkschaften bei. Die katholische Soziallehre und das christliche Gemeinschaftsleben prägten ihn maßgeblich. In Abendkursen bildete er sich weiter. So lernte er beim XII. Volkswirtschaftlichen Kursus des „Volksvereins für das katholische Deutschland“ 1912 Jakob Kaiser kennen, mit dem er jahrzehntelang befreundet war. Dort wurden ihnen u.a. von Heinrich Brauns, dem späteren Reichsminister für Arbeit, auf der Basis der christlichen Soziallehre, volkswirtschaftliche und politische Kenntnisse vermittelt. Weitere Referenten waren u. a. Adam Stegerwald und Otto Müller, die prägend für sein weiteres Leben waren.

Johannes Albers unternahm 1912 eine Wanderfahrt durch die Niederlande, Belgien, Frankreich und Österreich um seinen Horizont auch geographisch zu erweitern.

 

Christliche Gewerkschaften und Zentrum

Nach der Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg ließ er sich in Köln nieder. Am 1. Juli 1919 trat Albers die Stelle als Kartellsekretär in der Zentrale der Christlichen Gewerkschaften, die von Adam Stegerwald geführt wurden, an. Er wurde dort der Nachfolger von Jakob Kaiser. Nach dem Umzug der Zentrale nach Berlin blieb Albers in Köln, wo der rheinische Landesverband weiterhin residierte. Kaiser kam 1924 als Landesgeschäftsführer wieder zurück nach Köln und arbeitete dort mit Albers zusammen. Es ist das Verdienst beider, dass Köln in den Jahren der Weimarer Republik ein wichtiges Zentrum der christlich-sozialen Bewegung blieb.

Als Abgeordneter des Zentrums war er von 1924 bis 1933 Mitglied des Stadtrates, von 1927 bis zur Auflösung des Zentrums war er stellvertretender Parteivorsitzender in Köln. Konsequent setzte er sich für die Förderung der christlichen Genossenschaften ein. In der Stadtverwaltung und den städtischen Betrieben waren etwa ein Drittel der Beschäftigen Mitglieder der Christlichen Gewerkschaften. 1924 wurde Albers Vorstandsmitglied der Konsumgenossenschaft „Eintracht“ und 1926 der „Wohnungs-Genossenschaft Köln 1896“, beide den Christlichen Gewerkschaften zugehörig. In Fragen der Besetzung von Stellen in städtischen Betrieben monierte er gegenüber Konrad Adenauer die Bevorzugung sozialdemokratischer Bewerber vor Bewerbern, die aus den Christlichen Gewerkschaften stammten. Gegenüber Adenauer setzte er sich ebenfalls für die Einstellung Arbeitsloser aus den Christlichen Gewerkschaften ein. Dieses Thema blieb ein Reibungspunkt beider Politiker, da Adenauer die Christlichen Gewerkschaften teilweise kritisch betrachtete. Beide standen sich aber in Fragen der Bildungspolitik nahe und schätzten sich. So brachte Albers 1927 den Antrag auf Einrichtung eines „Abendgymnasiums“, das gerade Lernenden aus der Arbeiterschaft zugute kommen sollte, in den Rat der Stadt Köln ein.

1931 beendete er seine Tätigkeit als Sekretär bei den Christlichen Gewerkschaften und wurde zum Direktor des städtischen Versicherungsamtes in Köln berufen.

 

Leben und Widerstand im Nationalsozialismus

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten veränderte sich seine Lebenssituation deutlich. Albers, der die Bedrohung durch die Nationalsozialisten früh erkannte, legte sein Mandat als Abgeordneter des Zentrums in Köln nieder, blieb aber bis zur Auflösung der Partei stellvertretender Vorsitzender. Seiner Position als Direktor des städtischen Versicherungsamtes wurde er durch die Nationalsozialisten enthoben und entlassen. Im selben Jahr wurde Albers aber als Geschäftsführer der städtischen Betriebskrankenkasse eingestellt.

An unregelmäßig stattfindenden Gesprächsrunden, wie dem „freien Kreis katholischer Männer“ und der sogenannten „Kaffeerunde“, deren Teilnehmer, wie Leo Schwering, Laurentius Siemer, Wilhelm Hamacher und Johannes Hoffmann zumeist katholisch waren, nahm er teil.

1934 schloss er sich einer kirchlichen Widerstandsgruppe an, die Otto Müller, der Verbandspräses der Katholischen Arbeiterbewegung (KAB) leitete.

An der Arbeit dieses Widerstandskreises, der sich im Ketteler-Haus der Katholischen Arbeitnehmerbewegung in Köln traf, beteiligte er sich aktiv. Dort trafen sich neben Mitgliedern der KAB, christliche Gewerkschafter und ehemalige Zentrumspolitiker. Es gab Verbindungen zum Widerstand des 20. Juli, hier zu Jakob Kaiser und zum Kreisauer Kreis durch Alfred Delp. Es wurden Vorbereitungen im Zusammenhang mit dem geplanten Sturz des Nazi-Regimes getätigt und Pläne für die Zeit danach erwogen. Gerade in den Wochen und Monaten vor dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 traf sich Albers regelmäßig mit den Mitgliedern des Widerstandskreises aus dem Ketteler-Haus. So lag die Führung auf geistigem Gebiet bei Prälat Otto Müller sowie Laurentius Siemer und Eberhard Welty, beide Dominikaner. Sie lieferten die theoretische Begründung des Widerstandsrechts und einer Neuordnung der Gesellschaft. Die eigentliche Politik wurde im Verborgenen, u.a. durch Johannes Albers und Jakob Kaiser, getragen. Albers, der als zuverlässig und diskret galt, wurde unter seinen Freunden als geeignet für schwere Aufgaben angesehen. Als Mann der Tat schützte er die Bedrängten und half. Er selber war mehrfach durch die Gestapo in Köln verhört worden, die aus seinen Befragungen aber keinen Nutzen ziehen konnte.

Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Albers im Zuge der Verfolgung der Beteiligten und des Umfeldes im Oktober 1944 verhaftet und über mehrere Stationen nach Berlin überführt. Im April 1945 verurteilte ihn der Volksgerichtshof zu drei Jahren Gefängnis. Nach seiner Befreiung während der Kämpfe um Berlin und anschließender kurzzeitiger Gefangennahme durch die sowjetische Armee schlug er sich bis Juni 1945 nach Köln durch.

 

Mitbegründer der CDU und der Sozialausschüsse

Dort versuchte er an seine Arbeit von 1933 anzuknüpfen, widmete sich aber zunächst der sozialen Not in der völlig zerstörten Stadt. Im Kolping-Haus in der Breitestraße richtete er ein Büro für Hilfsbedürftige ein. Das „Büro Albers“ entwickelte sich dann schnell zur Anlaufstelle für christliche Gewerkschafter und wurde zum Koordinierungsbüro zur Gründung der CDU. Albers, geprägt durch Widerstand und Verfolgung, schloß sich den Bestrebungen von Leo Schwering und Peter Josef Schaeven an, eine christliche Partei zu gründen, die von beiden Konfessionen getragen wurde. Auf den Treffen der Programmkommission im Kloster Walberberg war er an der Erarbeitung der Kölner Leitsätze beteiligt und trat dort u.a. für den christlichen Sozialismus ein. In diesem Sinne arbeitete er auch am „Ahlener Programm“ von 1947 mit. Albers übernahm bereits im November 1945 den Vorsitz der Kölner CDU, den er bis 1962 innehatte, zudem war er als stellvertretender Vorsitzender der CDU im Rheinland ein Rückhalt Adenauers bei den christlichen Arbeitern.

Die Partei sah er als Vertretung der „kleinen Leute“ an. Dies zeigte sich deutlich im Schwerpunkt seiner politischen Tätigkeit, dem Aufbau der Sozialausschüsse. Albers bezeichnete Rhein und Ruhr als Mutterland der christlich-sozialen und christlich-demokratischen Arbeitnehmerbewegung. Das „Büro Albers“ in der Breitestraße 108 war Ausgangspunkt und Keimzelle der Sozialausschüsse. Die christlich-soziale Idee sollte in die CDU und in die Einheitsgewerkschaft getragen und verankert werden. Auf der ersten Reichstagung in Herne 1947 wurde er zum Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Sozialausschüsse der CDU/CSU gewählt und Köln zum Sitz der Sozialausschüsse. 1949 gab er den Vorsitz an Jakob Kaiser ab. Nach der schweren Erkrankung Kaisers und dem Tode Karl Arnolds übernahm er 1958 erneut den Vorsitz, den er bis zu seinem Tode ausübte.

Bereits 1946 knüpfte Albers wieder an die Kontakte mit den christlichen Gewerkschaften in den Niederlanden und Belgien an, was zu einem Besuch des Vorsitzenden der katholischen Gewerkschaften und Arbeiterbewegung aus den Niederlanden, Adrianus Cornelis de Bruijn, in Köln führte.

Zusammen mit Hans Böckler war er maßgeblich an der Gründung der Einheitsgewerkschaft beteiligt. Dort versuchte er dem Übergewicht der sozialdemokratischen und kommunistischen Gewerkschafter entgenzutreten und den christlichen Vertretern mehr Gewicht zu verschaffen.

Seinen Wahlkreis für die Bundestagswahl 1957 überließ er, u.a. aus gesundheitlichen Gründen, Hans Katzer.

 

Würdigung: „Ein treuer Freund“

Für Johannes Albers waren Volkspartei und Einheitsgewerkschaft die Voraussetzung der Aussöhnung zwischen Arbeiterschaft und Gesellschaft. Ohne eine repräsentative Beteiligung der Arbeiterschaft wäre die CDU keine Volkspartei geworden. Er war einer der profiliertesten christlich-sozialen Arbeiterführer, die einen maßgeblichen Anteil an der neuen politischen und staatlichen Ordnung der jungen Bundesrepublik hatte. Solidarität war für ihn nicht nur ein Leitbild, sondern auch die Lebensform streitbarer Sozialausschüsse.

Er galt als grundgütiger Mensch mit großer Frömmigkeit und einer vorbildlichen Bescheidenheit, der seinen Standpunkt immer klar vertrat und zeitweilig auch ruppig sein konnte. An seinem 70. Geburtstag wurde er für seine Verdienste mit dem großen Bundesverdienstkreuz mit Schulterband und Stern ausgezeichnet.

Johannes Albers starb überraschend am 8. März 1963, seinem Geburtstag, in Köln und wurde am 13. März 1963 in Köln-Junkersdorf bestattet.

Sein Tod wurde von Weggefährten und Öffentlichkeit mit Bestürzung und tiefer Trauer aufgenommen.

„Er war mir ein treuer Freund, und sein ganzes Leben war getragen von Hingabe an das öffentliche Wohl“ – so würdigte Konrad Adenauer Johannes Albers auf der Trauerfeier im Kölner Gürzenich. Hans Katzer bemerkte, dass mit Johannes Albers einer der letzten großen alten Männer der christlich-sozialen Bewegung gegangen sei.

 

 

Auszeichnungen:

1960 Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband

1963 Ehrendiplom der internationalen Widerstandsbewegung

 

Familie:

Verheiratet seit 1921 mit Margareta Albers (geb. Bohlen),

eine Pflegetochter

 

 

Literatur

  • Herbert Hömig: Johannes Albers (1890-1963). In: Zeitgeschichte in Lebensbildern 5 (Hg. Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher). Mainz 1982.
  • Winfried Herbers: Johannes Albers (1890-1963). Vorsitzender der Sozialausschüsse. In: Günter Buchstab/Brigitte Kaff/Hans-Otto Kleinmann (Hg. im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung): Christliche Demokraten gegen Hitler. Aus Verfolgung und Widerstand zur Union. Freiburg im Breisgau 2004.
  • Winfried Herbers: Der Verlust der Hegemonie – Die Kölner CDU 1945/46-1964, Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte Bd. 42, Düsseldorf 2003.
  • Hans-Otto Kleinmann: Adenauer, Albers und die Anfänge der CDU-Sozialausschüsse. Unveröffentlichte Briefe (1996).
  • Hans-Otto Kleinmann,: Geschichte der CDU 1945-1982, Stuttgart 1993.

 

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