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„Die Soziale Marktwirtschaft hat gute Chancen, gestärkt aus der Krise hervorzugehen“

Ingrid Sehrbrock spricht bei der Rednertour Soziale Marktwirtschaft

In ihrem Vortrag „Die Welt in der Krise – Welche Zukunft hat die Soziale Marktwirtschaft?“ hat die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Ingrid Sehrbrock, am 27. Oktober 2009 in Düsseldorf betont, dass die Wirtschaft für den Menschen da sein müsse und nicht der Mensch für die Wirtschaft.

Der Vortragsabend im Düsseldorfer Maxhaus wurde durch Dr. Melanie Piepenschneider, Leiterin der Hauptabteilung Politische Bildung der Konrad-Adenauer-Stiftung, eröffnet. Mit Bezug auf die Finanz- und Wirtschaftskrise erläuterte sie die Notwendigkeit von Veranstaltungen zum Thema Soziale Marktwirtschaft und stellte kurz die Aktivitäten der Stiftung zu diesem Themenbereich vor.

„Die Soziale Marktwirtschaft ist ein Erfolgsmodell“ – mit diesen Worten begann Peter Preuß, Abgeordneter des Landtages in Nordrhein-Westfalen, seine thematische Einführung in den Abend. Anschließend erläuterte er die Idee der Sozialen Marktwirtschaft und hob hervor, dass diese den Menschen und der Gesellschaft diene. Die Diskussion um die Soziale Marktwirtschaft und den damit verbundenen Wunsch nach verbindlichen Regeln findet laut Preuß nicht erst seit der Finanzkrise statt. Seiner Meinung nach benötigt die Soziale Marktwirtschaft mehr Vertrauen und vertrauensbildende Maßnahmen seitens der Politik.

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Von links: Peter Preuß, Abgeordneter des Landtages in Nordrhein-Westfalen; Dr. Melanie Piepenschneider, Leiterin der Hauptabteilung Politische Bildung der Konrad-Adenauer-Stiftung; Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende

In ihrem anschließenden Vortrag erläuterte Ingrid Sehrbrock aus ihrer Sicht die Gründe für die Wirtschafts- und Finanzkrise. Neben der Kritik an den Landesbanken und grundsätzlich fehlenden Regeln für die Finanzwelt, sieht sie einen weiteren Auslöser für die Krise in den überzogenen Erwartungen an die Freiheit der Wirtschaft und an die Liberalisierung des Arbeitsmarktes. Schon seit längerem hätten die Gewerkschaften davor gewarnt, die Arbeitnehmerschaft auf den Kostenfaktor zu reduzieren. Das Recht auf menschenwürdige Arbeit sei auch international diskutiert worden. Die „Humanisierung der Arbeitswelt“ stelle die wichtigste Aufgabe für die Gewerkschaften dar. Die Grenzen des Erträglichen in Bezug auf Rationalisierung seien erreicht, so die stellvertretende DGB-Vorsitzende.

Ingrid Sehrbrock sieht durch die Krise die Möglichkeit, die Ökonomisierung fast aller Lebensbereiche zu stoppen, wenngleich das Zeitfenster hierfür nur sehr klein sei. Eine wertorientierte Arbeitnehmerpolitik müsse wieder zum Bestandteil der Sozialen Marktwirtschaft werden. Das christlich-soziale Menschenbild, welches Menschenwürde vor Arbeit stellt, sei unbedingt schützenswert. Nur dann könne die Soziale Marktwirtschaft weiterhin als dritter Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus erfolgreich sein. Dies aber nicht als festes Gefüge, sondern als ein Prozess, der ständige Arbeit bedeute.

Sehrbrock machte darauf aufmerksam, dass in der Krise der Staat wieder gefragt sei und die lange propagierten Vorbehalte gegen staatliches Einmischen in Wirtschaftsfrage nicht mehr diskutiert würden. Der Staat müsse handeln und auch Errungenschaften wie Tarifautonomie und Arbeitnehmerschutz verteidigen. Das Kapital einer Gesellschaft sei der Mensch und wenn dieser Grundgedanke wieder Gültigkeit gewinne, dann habe die Soziale Marktwirtschaft eine gute Chance, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

In der Diskussion mit dem Publikum wurden zahlreiche Aspekte aus dem Vortrag der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden von den Zuhörern nochmals angesprochen. Insbesondere die von Sehrbrock als „Fetischismus des Wettbewerbs“ kritisierte Doktrin, alles und jedem dem Wettbewerb zu unterwerfen, fand zum Teil große Zustimmung. Ergänzend erläuterte sie, dass es Bereiche wie Bildung oder Gesundheitswesen gebe, wo übertriebener Wettbewerb den Aufgaben nicht gerecht werden könne. Peter Preuß führte auf Rückfrage aus dem Publikum aus, dass eine Stärkung der Sozialen Marktwirtschaft nur möglich sei, wenn der Staat seine Gestaltungsmöglichkeiten nutze und den Menschen in den Mittelpunkt stelle.

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Düsseldorf Deutschland