Event Reports

„Die Zwei-Staaten-Lösung ist die einzige Lösung“

by Julia Rieger

Veranstaltung 70 Jahre Israel - Vortrag und Diskussion mit dem ehemaligen israelischen Botschafter Avi Primor

Vor 70 Jahren wurde die Unabhängigkeit Israels ausgerufen. Doch die Geschichte reicht noch weiter zurück. Avi Primor unternimmt eine Zeitreise durch die Geschichte und blickt in die Zukunft: Wie können die aktuellen Konflikte gelöst werden?

Vor knapp 200 Gästen erörtert der ehemalige Botschafter seine Gedanken dazu in der International School on the Rhine in Neuss. Der Vortrag ist Auftakt für die neue Gesprächsreihe „Jüdisches Leben im Rhein-Kreis-Neuss“. Der Schulleiter Peter Soliman begrüßt zuerst die Gäste: Es gäbe durch die vielen aktuellen Ereignisse kaum einen passenderen Zeitpunkt für die Veranstaltung. Auch Simone Habig, die Leiterin des Regionalbüros Rheinland der Konrad-Adenauer-Stiftung, begrüßt das Publikum und stellt den Schirmherren der Veranstaltung, Dr. Jörg Geerlings MdL, vor. Geerlings freut sich sehr, dass der Vortrag an einem Ort stattfindet, wo viele Kinder aus unterschiedlichen Ländern zusammen lernen.

Die Templer als Vorbild

Avi Primor beginnt ganz vorne: Im frühen Palästina seien die Templer Vorbilder für die Juden gewesen, als die Türkei noch über das Gebiet herrschten. Im ersten Weltkrieg, kurz bevor die Briten das Land eroberten, hätten die türkischen Streitkräfte Jerusalem zerstören wollen, was ein deutscher Offizier verhinderte. Die jüdische Bevölkerung habe sich schon in der Zeit weiterentwickelt und vermehrt. „Das war schon vor dem Krieg so, aber durch den Nationalsozialismus hat es sich beschleunigt“, erklärt Primor. Seine Großeltern führt er als Beispiel an: Sie seien schon lange vor dem Krieg aus Russland aufgrund von Antisemitismus in die Niederlande geflohen, und nach Palästina ausgewandert.

„Es wurde auf den Straßen getanzt“

In der Nachkriegszeit habe sich der Konflikt stark verschärft. Als dann 1948 die Unabhängigkeit ausgerufen wurde, war Primor 13 Jahre alt. In der Schule habe es an dem Tag keinen Unterricht gegeben, erzählt er. Und es begann ein Krieg. „Es war der längste und schwerste, den Israel hatte. Aber wir haben ihn durchgestanden und den Staat nicht nur ausgehandelt, sondern weiterentwickelt.“ Die Palästinenser hätten viel verloren, sie hätten keinen Staat, viele seien geflüchtet oder auch von Israelis vertrieben worden.

„Die Zwei-Staaten-Lösung ist die einzige Lösung“

Für Primor ist die einzig mögliche Lösung des Konfliktes, zwei Staaten zu errichten. „Wir müssen den Palästinensern das zugestehen, was wir auch wollten: ein eigenes Land.“ Er sieht ein Problem mit der Demografie, falls die besetzten Gebiete annektiert würden. „Wenn sie eine Mehrheit im Parlament hätten, könnten sie den Staat Israel theoretisch abschaffen.“ Es sei wichtig für die Menschenrechte der Palästinenser, aber auch wichtig für Israel. „Wir müssen in Frieden und Zusammenhalt leben.“

Löst Trump den Nahostkonflikt?

Israel sei sehr stark von den USA abhängig, sagt Primor. Der derzeitige Präsident Trump sei unberechenbar, aber er tue oft das, was seine Vorgänger nicht geschafft hätten. „Wenn er eine Lösung aufzwingen will, gehen die Europäer mit und die zwei Staaten auch.“ Er blicke etwas sorgenvoll in die Zukunft, doch heute wolle er feiern: „Wir haben unglaublich viel erreicht in den 70 Jahren.“

Multilaterale Verbindungen

In der anschließenden Diskussion wird nochmal die USA angesprochen, die ihre Botschaft unter internationaler Kritik nach Israel verlegte. „Trump hat das nicht für uns getan, aber wir mussten jubeln.“ Auch der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran wird Thema: „Früher hatten wir gemeinsame Interessen und haben eng zusammengearbeitet.“ Er erzählt von einem seiner Projekte, bei dem palästinensische, israelische und jordanische Studenten gemeinsam über die Europäische Union lernen. Für Primor ist es wichtig, die Länder zu verbinden: „Eine echte Freundschaft ist die zwischen Bevölkerungen, nicht zwischen Regierungen.“

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Düsseldorf Deutschland