Der weltweite Verlust der Biodiversität schreitet in beispielloser Geschwindigkeit voran und bedroht zentrale ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Grundlagen. Die Natur ist vielerorts stark degradiert, zentrale Ökosystemleistungen wie Bestäubung, Bodenfruchtbarkeit, Wasserregulierung oder Küstenschutz geraten zunehmend unter Druck. Der Weltbiodiversitätsrat IPBES nennt fünf Haupttreiber des Verlusts: veränderte Land- und Meeresnutzung, direkte Ausbeutung von Organismen, Klimawandel, Umweltverschmutzung sowie invasive Arten – allesamt eng mit wirtschaftlicher Aktivität verknüpft.
Die Analyse zeigt, dass Biodiversitäts- und Klimakrise untrennbar miteinander verbunden sind: Der Klimawandel verstärkt andere Belastungsfaktoren, während intakte Ökosysteme zugleich wichtige Beiträge zur Klimaanpassung und Kohlenstoffspeicherung leisten. Eine wirksame Antwort erfordert daher ein integriertes Vorgehen in Politik, Wirtschaft und Finanzsektor.
Ökonomisch betrachtet, ist mehr als die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts direkt oder indirekt von funktionierenden Ökosystemen abhängig. Besonders betroffen sind Landwirtschaft, Bauwirtschaft, Nahrungsmittelproduktion und pharmazeutische Industrie. Naturzerstörung erhöht finanzielle Risiken, gefährdet Geschäftsmodelle und belastet Lieferketten. Investoren reagieren zunehmend mit Initiativen wie Nature Action 100 oder SPRING, die die Unternehmen zur Analyse von Naturabhängigkeiten und zu konkreten Maßnahmen drängen.
Politisch setzt der Globale Biodiversitätsrahmen von Kunming-Montreal (Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework, GBF) seit 2022 zentrale Leitplanken – darunter das Ziel, 30 Prozent der Land- und Meeresflächen bis 2030 zu schützen. Die EU adressiert den Biodiversitätsrückgang mit Instrumenten wie der Biodiversitätsstrategie 2030, der Wiederherstellungsverordnung, der Entwaldungsverordnung, der Chemikalienstrategie und dem Zero-Pollution-Plan. In Deutschland bildet die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt 2030 den Rahmen für umfangreiche Maßnahmen.
Unternehmen können durch sogenannte doppelte Wesentlichkeit, wissenschaftsbasiertes Monitoring, Renaturierungspläne und lokale Multi-Stakeholder-Ansätze wirksam Biodiversitätsrisiken adressieren, wie Fallstudien etwa zu Aktivitäten der Firmen Suntory oder Holcim zeigen.
Biodiversitätsverlust ist damit keine reine Umweltfrage, sondern eine wirtschaftliche, soziale und sicherheitspolitische Herausforderung. Die Trendwende gelingt nur durch koordiniertes Handeln von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und lokalen Gemeinschaften – als gemeinsame Verantwortung gegenüber künftigen Generationen.
Lesen Sie den gesamten Monitor: „Alarmierender Rückgang der Biodiversität“ aus unserer Reihe Monitor Nachhaltigkeit hier als PDF.
Temas
Sobre esta serie
Las publicaciones del Monitor Sostenibilidad forman parte de nuestra serie de publicaciones Monitor. La serie Monitor ofrece una visión clara de un tema clave desde la perspectiva de los expertos de la KAS y lo sitúa en un contexto político y social mediante algunos «puntos clave».