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Der Afrika-EU-Gipfel in Tripolis

Nuria Grigoriadis, Andrea Kolb

Was wird erwartet?

Der dritte Afrika-EU-Gipfel findet vom 29. bis 30. November in Tripolis, Libyen unter dem Thema „Wachstum, Investitionen und Arbeitsplatzförderung“ statt.

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Hier das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die Gemeinsame Strategie Afrika-EU (Joint Africa-EU Strategy – JAES) ist ein Rahmenwerk, das acht Themen-Partnerschaften umfasst. Zielsetzungen werden in einem Aktionsplan für jeweils drei Jahre festgehalten.
  • Auf dem letzten Gipfel in Lissabon 2007 hat die Gemeinsame Strategie Afrika-EU innovative institutionelle Verbindungen geschaffen, die zu den größten bisherigen Errungenschaften gezählt werden können.
  • Auch ein gemeinsamer Dialog in vielen Bereichen, besonders zu Themen wie Konflikt, Sicherheit und Klimawandel, ist für viele schon jetzt ein bedeutendes Ergebnis.
  • Die Ziele für den kommenden dritten Gipfel in Tripolis sind weit gefasst, denn es geht um die Beurteilung des Fortschritts in den acht Partnerschaften, deren Vertiefung und die Festlegung von Prioritäten für die kommenden Jahre.
  • Die größte Hoffnung setzen die europäischen Regierungen auf eine gemeinsame Position zur Umweltpolitik, um geschlossen beim Klimagipfel in Cancun und in der UN aufzutreten.
  • Nach den ersten drei Jahren der JAES stehen die EU und Afrika noch vor vielen Herausforderungen. Es ist mehr Partizipation, Eigenverantwortung und politisches Engagement von allen Akteuren erforderlich.
  • Auf europäischer Seite müssen Lösungen für den Umgang mit Chinas Präsenz in Afrika und für die Verhandlungen zu den EPAs (Economic Partnership Agreements) gefunden werden. Ebenso ist von europäischer Seite mehr Kohärenz im Umgang mit den 53 verschiedenen afrikanischen Ländern gefragt.
  • Das sehr ambitiöse Projekt, das einen Rahmen für Aktionen darstellt, braucht Zeit um sich zu entwickeln. Dennoch sind viele Beteiligte, vor allem die Zivilgesellschaft, unzufrieden mit den nur schleichenden Fortschritten.

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Kurz nach dem UN-Millenniumsgipfel in New York 2010 und unmittelbar vor dem Umweltgipfel in Cancun Anfang Dezember, findet vom 29. bis 30. November in Libyen der dritte Afrika-EU-Gipfel statt. Wie schon vor drei Jahren in Lissabon trifft sich fast die gesamte Staatsführung des Afrikanischen Kontinents und der Europäischen Union. Der diesjährige Gipfel in Tripolis findet unter dem Thema „Wachstum, Investitionen und Arbeitsplatzförderung“ statt, ein bewusst gesetzter Schwerpunkt in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise. Mit der Ausrichtung des Gipfels auf den Wirtschaftssektor wollen die Beteiligten versuchen, Antworten zur Finanzkrise zu finden. Hierbei sollen konkrete Ergebnisse, die einen Gewinn auf beiden Seiten erzeugen, ausgearbeitet werden. Dazu gehören zum Beispiel „Capacity Building“-Bemühungen, eine Agenda zur regionalen Integration, die Verbesserung des afrikanisch-europäischen Unternehmens- und Investitionsklimas und Anreize für Private Public Partnership (PPPs).

Die Gemeinsame Strategie Afrika-EU

Die Gemeinsame Strategie Afrika-EU (Joint Africa-EU Strategy – JAES) ist ein Rahmenwerk, das Bereiche vorgibt, in denen Aktionspläne für jeweils drei Jahre mit Zielen und Aktionen festgelegt werden. JAES ist kein rein politischer Rahmen, Akteure aller gesellschaftlichen Ebenen sind an der Strategie beteiligt, und auch die Themen betreffen weit mehr als politische, wie zum Beispiel Wissenschaft, Technik und der Weltraum. Zu vielen Bereichen, die die JAES umfasst, gab es schon vorher Abkommen oder Kooperationen. JAES führt also alte und neue Aspekte zusammen, die unter den Partnern abgestimmt werden sollen. Es bietet für afrikanische wie auch europäische Länder eine Möglichkeit, enger zusammen zu wachsen und eine besser koordinierte Politik gegenüber dem anderen jeweiligen Kontinent zu schaffen. Diese neue Strategie ist einmalig in ihrer Art und Größe auf der Welt. Der Zusammenschluss von 27 Europäischen und 53 Afrikanischen Ländern macht eine Bevölkerung von circa 1,6 Milliarden Menschen aus und stellt ein Drittel der UN-Mitgliedsstaaten.

Der erste Aktionsplan der Gemeinsamen Strategie Afrika-EU hat acht Partnerschaften geschaffen: (1) Frieden und Sicherheit; (2) Gute Regierungsführung und Menschenrechte; (3) Handel, regionale Integration und Infrastruktur; (4) Millenniumsentwicklungsziele; (5) Energie; (6) Klimawandel; (7) Migration, Mobilität und Beschäftigung; und (8) Wissenschaft, Forschung und Technologie. Auch Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichstellung, Umwelt, Entwicklung, Landwirtschaft, Nahrungssicherheit und Wasser sind als Unterthemen vertreten. Kein anderes Kooperationsabkommen kann so eine breite und variierte Auswahl von Themen vorweisen, die auf allen Ebenen, lokal, national, regional, kontinental und global ansetzen. Es gibt aber auch Kritiker, die gerade diesen Ansatz als zu holistisch und komplex bewerten. Nach den ersten drei Jahren hat die Praxis gezeigt, dass sich nur schrittweise Erfolge zeigen und es besser ist, sich auf Schlüsselprojekte zu konzentrieren und in manchen Partnerschaften sogar auch Stillstand akzeptiert werden muss.

Der Gipfel 2007 in Lissabon - Neue Strukturen für Zusammenarbeit

Nach dem ersten Gipfel 2000 in Kairo konnte der zweite Gipfel erst 2007 in Lissabon stattfinden, anstatt wie geplant 2003, da sich die europäischen Länder nicht einigen konnten, wie sie im Fall Simbabwes vorgehen sollten. Nachdem die deutsche Bundeskanzlerin sich durchgesetzt hatte, und der Gipfel 2007 trotz der Präsenz von Mugabe erfolgte, schickte Großbritannien aus Protest nur einen Stellvertreter. Auf dem Gipfel in Lissabon hat die Gemeinsame Strategie Afrika-EU innovative institutionelle Verbindungen geschaffen, die zu den größten bisherigen Errungenschaften gezählt werden können. Zum Beispiel sind die Implementierung einer EU-Delegation zur AU in Addis Abeba (2008) und einer korrespondierenden AU-Repräsentation zur EU in Brüssel erste erfolgreiche Schritte der JAES.

Auf europäischer Seite soll der sich noch im Aufbau befindliche Europäische Auswärtige Dienst zur weiteren Kooperation mit den afrikanischen Partnern dienen. Dazu kommt eine genaue Arbeitsteilung auf verschiedenen Ebenen. Die dreijährig stattfindenden Gipfel auf Regierungsebene dienen der politischen Führung des gesamten Projektes. Hinzu kommen zweimal im Jahr die sektorspezifischen Ministertreffen und die ministeriellen Troikatreffen, um den politische Dialog aufrecht zu erhalten, zu prüfen und zu kontrollieren. Hierbei werden auch auf Eingaben aus dem Panafrikanischen und dem Europäischen Parlament, dem Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EESC) und dem Wirtschafts-, Sozial- und Kulturrat der AU (ECOSOCC) sowie aus der afrikanischen und europäischen Zivilgesellschaft geachtet.

Neben den Ministertreffen gibt es ein jährliches Treffen zur Nachprüfung des Fortschritts von obersten Beamten der EU-Troika und der erweiterten AU-Troika. Als „Implementierungsmotor“ gelten die ständig bestehenden gemeinsamen Expertengruppen. Für jede der acht Partnerschaften existiert eine Expertengruppe, bei deren zweimal jährlich stattfindenen Treffen die Zivilgesellschaft und internationale Partner beteiligt sind. In den Expertengruppen gibt es jeweils ein kontinentales Implementierungsteam, das dafür sorgt, beschlossene Aktionen in die Tat umzusetzen.

Was bisher erreicht wurde

Ein gemeinsamer Dialog in vielen Bereichen, besonders zu Themen wie Konflikt, Sicherheit und Klimawandel, ist für viele allein schon jetzt eine bedeutende Errungenschaft. Einige Experten schätzen, dass es Jahre brauchen kann, um die ambitiösen Ziele zu implementieren. In der Partnerschaft Frieden und Sicherheit konnte allerdings schon eine enge Zusammenarbeit zwischen der EU und der AU erreicht werden. Für die Afrikanische Friedens- und Sicherheitsarchitektur (APSA) hält die EU eine Milliarde Euro bereit. Es gibt eine enge Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen zwischen AU, EU und UN, um Peacekeeping-Missionen leichter planen und ausführen zu können. Auf dem letzten Gipfel wurden regelmäßige Zusammentreffen zwischen den Friedens- und Sicherheitsräten der AU und EU beschlossen.

Auch in den sieben anderen Partnerschaften begann die Arbeit mit einem Dialog der Partner und der Mobilisierung der verschiedenen Akteure auf beiden Seiten. Unterschiedliche Aktivitäten wie Workshops und Studien waren die ersten Schritte, um die gesetzten Ziele in den Partnerschaften anzugehen. In Themenbereichen, die bei beiden Seiten auf großes Interesse und einvernehmen stießen, wurden verschiedene Projekte finanziert. Die afrikanische Seite war vor allem erfreut über die neue Zusammenarbeit im Bereich Wissenschaft und Weltraum.

Ausblick für den Aktionsplan 2011-2013

Die Ziele für den kommenden dritten Gipfel in Tripolis sind weit gefasst. Als erstes geht es vor allem um die Beurteilung des Fortschritts in den acht Partnerschaften, deren Vertiefung und die Festlegung von Prioritäten für die kommenden Jahre. Die Beschlüsse und Ergebnisse des Gipfels in Tripolis sollen erneut in einem Aktionsplan festgehalten werden. Dabei geht es nicht nur um eine Konsolidierung des Aktionsplans. Die Herausforderung besteht darin, das Thema des Gipfels 2010 („Wachstum, Investitionen und Arbeitsplatzförderung“) in jede der acht Partnerschaften mit einzuarbeiten und daraus Ziele zu formulieren. Die Zivilgesellschaft befürchtet hierbei, dass es ausschließlich um Wachstum und Investitionen gehen wird und hofft auf einen Schwerpunkt bei der Arbeitsplatzbeschaffung. Zusätzlich sollen neue Kooperationsbereiche, die von beiderseitigem Interesse sind wie zum Beispiel erneuerbare Energien, erschlossen werden.

Der Entwurf des zweiten Aktionsplans (2011-2013) wurde auf einem ministeriellen Troikatreffen in Malawi eine Woche vor Beginn des Gipfels bestätigt. Dort trafen die Minister die finalen Vorbereitungen für den Gipfel in Libyen. Vorschläge für den Aktionsplan 2011-2013 wurden bereits auf ministerieller Ebene im April 2010 ausgearbeitet. Dabei ging es um die Kanalisierung von Bemühungen: Bestehende Ziele wurden überprüft und bei Bedarf auch nichtfunktionierende aussortiert sowie neue Ziele aufgenommen. Bereiche, in denen die Zusammenarbeit gut verläuft, sollen noch mehr beschleunigt werden.

Eine gemeinsame Stimme für Cancun?

Die gemeinsame Kooperation der beiden Kontinente soll den Partnern Vorteile auf globaler Ebene verschaffen, in dem sie austesten, inwieweit eine gemeinsame Linie in multinationalen Organen vertreten werden kann. Der erste Testlauf wäre der Klimagipfel in Cancun. Im Vorfeld zu dem Gipfel soll eine Diskussion zur Verpflichtung von Klimafinanzierungsangeboten in Afrika geführt werden. Die EU wünscht sich, dass bei den Verhandlungen mehr Übereinstimmung erreicht werden kann als auf dem letzten Gipfel in Kopenhagen. Die größte Hoffnung setzen die europäischen Regierungen auf eine gemeinsame Position zur Umweltpolitik, um geschlossen in Cancun und in der UN aufzutreten. Dabei könnte diese Diskussion schwierig werden, denn die afrikanischen Länder fordern von den Europäischen Staaten mehr Zugeständnisse und politische Aktion, da sie die Länder der EU zu den Hauptverschmutzern zählen.

Die Zivilgesellschaft fordert für den nächsten Aktionsplan konkrete Antworten auf bestehende Herausforderungen. Vor allem im Bereich ländliche Entwicklung, der nach Meinung der Nichtregierungsorganisationen (NROs) sehr vernachlässigt wurde. Auch das Thema Energie sollte sich mehr auf ländliche Räume konzentrieren mit Fokus auf Energiegewinnung durch Biomasse. Beim Thema Handel missfällt vielen NROs der Fokus auf die großen Unternehmen. Sie fordern eine entwicklungsfreundlichere Strategie, vor allem auch bei den Verhandlungen zu den Economic Partnership Agreements (EPAs). Die JAES hatte Geschlechtergerechtigkeit als Querschnittsthema in den ersten Aktionsplan eingefügt, doch nach Meinung der NROs, hat das Thema so an Bedeutung verloren. In dem neuen Aktionsplan müsse Geschlechtergerechtigkeit als eigenständiger Bereich hinzugefügt werden.

Der kommende Gipfel in Tripolis

Auch dieses Jahr übernehmen die Afrikanische und die Europäische Union die Leitung des Gipfels. Auf europäischer Seite sind der Präsident des Europäischen Rats, Herman Van Rompuy, und der Kommissionspräsident José Manuel Barroso verantwortlich. Auf afrikanischer Seite ist die Kommission der Afrikanischen Union unter Leitung von Jean Ping für die Führung zuständig. Der simbabwische Präsident Mugabe war vor drei Jahren noch der Grund für große Unstimmigkeiten in den europäischen Reihen. Diesmal ist er eingeladen und wird diese Gelegenheit auch nicht verpassen, um sich auf internationaler Bühne zu präsentieren. Anders stehen die Dinge beim sudanesischen Präsidenten Al-Bashir, gegen den ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag vorliegt. Er wird nicht zu dem Gipfel anreisen. Anscheinend gibt es in dieser Angelegenheit eine Absprache zwischen der Europäischen Union und Libyen.

Einige afrikanische Länder werfen der EU vor, nicht konstant in ihrer Menschenrechtspolitik zu sein. Die europäischen Länder waren 2007 noch vehement gegen die Teilnahme von Mugabe, doch konnte Al-Bashir damals teilnehmen. Offensichtlich ist jedoch, dass Verstöße gegen Menschenrechte sich nicht nur auf diese beiden Länder beschränken. Neben dem Treffen der Regierungschefs sind viele weitere zivilgesellschaftliche Veranstaltungen geplant. Das Konzept der dynamischen und bürgernahen Partnerschaft soll so verwirklicht werden, da sich der Gipfel nicht nur auf die Regierungsebene beschränkt und von den verschiedenen Akteuren auf mehreren Ebenen kontinuierlich weiterläuft.

Die Herausforderungen

Nach den ersten drei Jahren der JAES stehen die EU und Afrika noch vor vielen Herausforderungen. Es ist mehr Partizipation, Eigenverantwortung und politisches Engagement von allen Akteuren erforderlich. Das gemeinsame Rahmenwerk schreibt der Zivilgesellschaft und dem wirtschaftlichen Sektor eine hohe Bedeutung zu. Es fehlt dennoch an Möglichkeiten für diese Akteure, sich einzubringen, vor allem langfristig nach dem Gipfel in Tripolis.

Die Schwachstelle der Gemeinsamen Strategie Afrika-EU sind die afrikanischen Institutionen. Hier werden stärkere, demokratisch legitimierte und fähige Institutionen benötigt, auf regionaler, wie auf kontinentaler Ebene. Die AU-Kommission verfügt noch nicht über die nötigen Kapazitäten, um alle Fäden der Partnerschaft zu dirigieren, und das Pan-Afrikanische Parlament ist aufgrund seiner schwachen Position praktisch unbeteiligt. Die Stärkung ist vor allem wichtig, um die Ungleichheit der Mittel beider Partner zu verringern und so das Prinzip der Verhandlungen auf Augenhöhe zu erfüllen. Die Frage ist, ob das bei so ungleichen Partnern überhaupt möglich ist. Die EU legt besonderen Wert darauf, dass trotz ungleicher Ressourcen u nd Ausstattungen, eine Partnerschaft auf gleicher Basis geschehen kann. Doch muss sich die EU weiter öffnen, um einen gleichberechtigten Dialog mit den afrikanischen Partnern zu führen. Dabei geht es auch um die Bereitschaft, auf die afrikanischen Interessen einzugehen, wie die Öffnung der Märkte oder die Abschaffung der Agrarsubventionen.

Der Fall China

Weiterhin ist die JAES darauf konzipiert, globale Ansätze zu verfolgen, weshalb auch Beobachter anderer Länder willkommen sind. China, Brasilien und Indien sind aufgrund ihrer globalen Position auch für die Länder der JAES interessant. Die EU ist sich der Präsenz Chinas auf dem afrikanischen Kontinent bewusst. Der Handel zwischen China und afrikanischen Ländern nimmt rasant zu, und auch in der Entwicklungszusammenarbeit gibt es verschiedene Unternehmungen. Die aufstrebende Wirtschaftsmacht blieb deshalb nicht ungenannt auf dem letzten Gipfel 2007, war eingeladen und wird auch dieses Jahr eine größere Rolle spielen. Schon 2006 auf einem gemeinsamen Gipfel in Peking einigten sich die EU und China auf gemeinsame Richtlinien in der Zusammenarbeit mit dem afrikanischen Kontinent, und auch die Gemeinsame Strategie Afrika-EU hat bewusst Platz für eine Zusammenarbeit mit Drittländern bei der Verfolgung der Ziele einer Partnerschaft gelassen. Allerdings war die EU nicht zu dem China-Afrika-Gipfel 2009 in Peking eingeladen. Die Europäische Union hätte China gerne mit am Verhandlungstisch in Tripolis, jedoch blieben Versuche der EU für einen Trialog bislang ohne substantielle Konsequenzen.

Eine weitere Schwierigkeit ist, dass die JAES zu sehr von den großen Institutionen beherrscht ist. Die Afrikanische und die Europäische Union sind die treibenden Kräfte hinter den Verhandlungen, dabei geht die Eigenverantwortung der Mitgliedstaaten verloren. Afrikanische und europäische Länder bringen sich zu wenig in den Prozess ein. Nationale Regierungen werden nur aktiv, wenn eigene Interessen tangiert sind, und die Parlamente der Länder sind in der Regel nicht beteiligt.

Weitgehende Inkohärenz in der EU-Afrikastrategie

Die vielleicht größte Herausforderung ist die weitgehende Inkohärenz der Afrikastrategie der EU. Die verschiedenen Abkommen mit Nordafrika, Subsahara-Afrika und dem südlichen Afrika machen es schwierig, den Kontinent als ein Ganzes zu behandeln. Kritiker bemängeln, dass mit der Nachbarschaftspolitik zu Nordafrika einerseits, und den AKP-Partnerschaften andererseits, die EU eine Trennlinie durch den Kontinent ziehe. In der Tat schaffen die bestehenden Abkommen unterschiedliche Vorteile für die Ländergruppen, und somit werden nicht alle Länder unter JAES gleich behandelt. Brüssel würde eine Tendenz erkennen lassen, dass die Gemeinsame Strategie Afrika-EU sich nur auf Subsahara-Afrika konzentriert und so alle Länder nach AKP-Format behandelt werden. Des Weiteren vermuten Experten, dass die nicht-afrikanischen Länder der AKP-Staaten bei einer Änderung für die afrikanischen Länder ebenfalls Alternativen verlangen würden.

Die EPAs in den Verhandlungen

Die JAES möchte Afrika als Ganzes behandeln und nicht, wie bei den EPAs, die Gefahr zur Fragmentierung in sich tragen. Die afrikanischen Länder haben seit den Verhandlungen zu den EPAs 2003 ein neues Selbstbewusstsein erlangt. Neue Partner, wie China, Indien und Brasilien, die auch an dem Kontinent interessiert sind, haben den afrikanischen Ländern eine neue Verhandlungsposition eingebracht. Viele afrikanische Länder wollen ein reines Wirtschaftsabkommen ohne politische Auflagen.

Deshalb wurden die EPAs schon auf dem Gipfel in Lissabon von den afrikanischen Staatsführern abgelehnt und nicht in den Rahmen der JAES eingebunden. Die Verhandlungen laufen nun parallel zu JAES weiter, wenn auch nur schleppend. Manche Experten meinen, dass der Prozess durch die Absage der Afrikaner ganz zum Erliegen gekommen sei. Von afrikanischer Seite wird der aggressive Standpunkt der EU bei manchen Punkten, wie zum Beispiel der Nichterfüllungsklausel, sehr kritisiert. Inwieweit die EPAs in Libyen eine Rolle spielen werden, kann nur spekuliert werden. Die EU ist aber vorbereitet, die EPAs zu diskutieren, richtige Verhandlungen würden allerdings nicht in diesem Rahmen stattfinden.

Sollten die EPAs weiter diskutiert werden, wird es eine große Herausforderung, sie in die JAES zu integrieren. Dabei muss betont werden, dass die EPAs nur einen Teil der afrikanischen Länder betreffen, die an der Partnerschaft beteiligt sind. Fälschlicherweise wird mit der Gemeinsamen Strategie Afrika-EU oft nur Subsahara-Afrika assoziiert und die nordafrikanischen Länder vernachlässigt. Die Synergie von Nord- und Subsahara-Afrika kann große Spannungen hervorrufen, daher muss die EU in den Verhandlungen versuchen, diese Spaltung nicht noch zu vergrößern.

Kritik aus der Zivilgesellschaft

Von zivilgesellschaftlicher Seite wird bemängelt, dass der Prozess in den letzten Jahren sehr an Aufmerksamkeit verloren hat. Wurde noch viel über den Lissaboner Gipfel in Politik und Medien diskutiert, bleibt der kommende Gipfel in Tripolis praktisch unerwähnt. In der Tat ist die Kommunikation nach außen noch ein großes Problem. Alle Akteure sollten sich aktiver an einer Kommunikationsstrategie beteiligen, mit der mehr Informationen nach außen getragen werden. Hierbei spielen die Medien beider Kontinente eine große Rolle. Es muss deutlich und einfach kommuniziert werden, was auf dem Gipfel erreicht wurde, um dem eigentlichen Ziel, eine Partnerschaft mit dem Bürger im Mittelpunkt, näher zu kommen.

Weiterhin zeigen sich viele NROs enttäuscht über den langsamen Fortschritt bei den gesetzten Zielen. Ihrer Meinung nach können die Implementierungsschwierigkeiten nur durch mehr Aktion auf politischer, aber auch von zivilgesellschaftlicher Seite behoben werden. Dafür muss die Rolle der Zivilgesellschaft zunehmend gestärkt werden, vor allem die Rahmenbedingungen für ihren Handlungsspielraum. Die JAES ist speziell darauf aus, eine Zusammenarbeit über die bekannten Entwicklungsthemen hinaus zu entfalten. Allerdings befürchten die Zivilgesellschaft wie auch afrikanische Regierungen bei diesem Ansatz, dass die Entwicklungspolitik zugunsten der von der EU zielstrebig verfolgten Sicherheitsfragen vernachlässigt wird.

Der Europäische Auswärtige Dienst sammelt die Gelder für die JAES und bestimmt über die Summe, die die Entwicklungskommission zu Verfügung gestellt bekommt. Es bestehe die Gefahr, so Kritiker, dass Sicherheitsthemen und andere außenpolitische Ziele so Überhand nehmen.

Aufgrund der vielen Themen, die die neue Strategie umfasst, verläuft der Prozess schwerfällig und langsam. Dies ist bei einer so großen Anzahl an verschiedenen Akteuren und Themen nicht verwunderlich. Die Abstimmung der Länder beider Kontinente ist schwierig, da tendenziell einige Länder mehr Interesse an der Zusammenarbeit haben als andere. Die eine Gruppe bevorzugt Aktion durch eine Vielzahl gemeinsamer Projekte, die andere Gruppe besteht auf mehr Diskussion und eine Ausarbeitung einer gemeinsamen Politik. Beide Gruppen haben überzogene Vorstellungen, die den Prozess daher noch weiter verlangsamen.

Die gesamte Strategie ist ein sehr ambitiöses Projekt, das ausschließlich einen Rahmen für Aktionen gibt und deshalb Zeit braucht um sich zu entwickeln. Oft wird die gemeinsame Strategie als Projekt wahrgenommen und deshalb sind viele Gruppen unzufrieden mit dem schleichenden Fortschritt. Die Zivilgesellschaft hofft auf schnelle Ergebnisse durch das neue Instrument. Auch die afrikanischen Länder haben große Erwartungen und sehen vielmals den ersten Aktionsplan nicht ausreichend implementiert. Der zweite Aktionsplan schafft für sie eine Gelegenheit, korrektive Maßnahmen zu ergreifen. Genauso hätten die EU und deren Mitgliedstaaten gerne schnelle Ergebnisse, doch vor allem hier herrscht die Einsicht, dass die Umsetzung und Fortführung der neuen Strategie lange und beschwerlich vorangeht. Dennoch wird die JAES von afrikanischer wie EU-Seite als ein gutes Mittel angesehen, um langfristig gemeinsame Ziele zu erreichen.

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