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Hommage für einen herausragenden Künstler

z Juliane Liebers

Christo geehrt

Christo bedankte sich herzlich für die ihm erwiesene Ehre und die große Unterstützung und harte Arbeit seiner vielen Freunde und Helfer.

„Es gibt zweifellosviele herausragende Künstler, jedoch nurwenige,die dazu auch etwas wie eine eigene Gattung kreiert haben.“Christo sei einer dieserKünstler-Persönlichkeiten, die es im besonderen Maße zu würdigen gilt, betonte derVorsitzendeder Konrad-Adenauer-Stiftung und Präsident des Deutschen Bundestages a.D., Prof. Dr. Norbert Lammert.

Seit nun mehr zwei Jahrzehnten ehrtdieKonrad-Adenauer-Stiftungherausragende Künstler aus Literatur, Musik, Malerei, Architektur, Tanz und Filmund feiert in diesem JahrChristo als einen der signifikantesten, bildenden Künstler unserer Zeit.

EinbulgarischerKünstler,geboren im Jahr1935, der Weltkriege, Unterdrückung,die Teilung der Welt,Flucht und Migration miterlebt hat und der, wie er selbst sagt, ohneden Kalten Kriegweder in den Westen gegangen, noch ein Künstler geworden wäre.In den 1950ern studierte eranderKunstakademie in Sofia. Nachdem er nach Wiengereist war sowieüberdieSchweiz nach Paris gelangte, heiratete er 1959seine Jeanne-Claude.„Sie habeneines der berühmtesten und einflussreichsten Künstler Duosaller Zeiten gebildet“, so Lammert.

Bereits seit den 1960ern sei Christomit seiner Verhüllungskunst in Europa, den USA und sogar Australien aufgefallen und sorgte somit für großes internationales Aufsehen.„Jedes einzelnedieserProjekte hatte seinen eigenen Zauber, seine eigene Magie.“ Seine Kunstprojekte seienzu Marksteinen und bemerkenswerten Akzenten in der Kunstgeschichte geworden,bestärkteder Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Eines seiner vielen herausragenden Projekte war die Verhüllung des Reichstages gemeinsam mit seiner 2009 verstorbenen Lebensgefährtin und Wegbegleiterin Jeanne-Claude.Ein Projekt,das nach besonders langem Anlauf mit besonders großem Erfolg in Berlin realisiertworden sei.Wenn es so etwas wie eine Ikonographie des deutschen Parlamentarismusgäbe, dann stünden die Frankfurter Paulskirchesowiedas Reichstagsgebäude für dessen historische und allgegenwärtige Versinnbildlichung, erklärte Lammert.

Gerade deshalbseidieses Verhüllungsprojekt ein herausragendes Ereignis der Berliner Stadtgeschichte.„Ein bemerkenswerter Punkt in einer ohnehin komplizierten deutschen Parlamentsgeschichtesowieeinebemerkenswerte Auseinandersetzungüber das Verhältnis von Politik und Kunst undden angemessenen Umgang mit nationalen Symbolen.„Eine seltene Gelegenheit, das eine mit dem anderen zu verbinden“, so Lammert.

Der verhüllte Reichstag war ein Kunstprojekt des Künstlerehepaares Christo und Jeanne-Claude. Im Rahmen des Projektes, dessen Realisierung von 1971 bis 1995 dauerte, wurde das Reichstagsgebäude in Berlin vom 24. Juni bis zum 7. Juli 1995 vollständig mit aluminiumbedampftem Polypropylengewebe verhüllt.

„Der temporäre Charakter unserer Werke ist eine Kampfansage an den naiven Hochmut der Menschen, die glauben, man könne Unsterbliches schaffen.Er ist ein Symbol für die Vergänglichkeit“, zitierte der Vorsitzende lobend Christo. Denn seine Werke seien dennoch in erstaunlich lebhaftersowienachhaltiger Erinnerung geblieben.

In seiner LaudatiozeigtesichderPräsident des Deutschen Bundestages, Dr. Wolfgang Schäuble, beeindruckt von einer Arbeitsumgebung,die der Rohstoff fürChristosvielleicht sogar spektakulärstes Werkgewesen sei.Diese schimmernde Hüllesei in unser Gedächtniseingebrannt undmit der Geschichte desOrtesinnig verbunden, betonte Schäuble. Das Reichstagsgebäude nehmeinder deutschen Demokratiegeschichteeinen besonderen Platz ein.Christo und Jeanne-Claudesei es verdankt,dassesnunauch in der Kunstgeschichteeinen ganz besonderen Platzeinnehme.

„Schönheit ist politisch", zitierteSchäubledie Literaturnobelpreisträgerinsowie Literaturpreisträgerin der Konrad-Adenauer-Stiftung,Herta Müller.Sie entdecktedie Schönheitund Vielfältigkeitder Sprache. So konnte die Wirklichkeiteine andere Farbe erleben. Sie verfälschteihre Umweltnicht, sondernlernteihren Blick auf das Außergewöhnliche zu lenken,um das Gewöhnliche in Zeiten von Diktatur und Unterdrückungzu ertragen, so Schäuble.

Auch Christoverinnerlichteschon zu Studienzeitendas Motivdes Verhängensund begannMotive zu verhüllen.„Er verbarg das Gewöhnliche und machteso das Außergewöhnliche sichtbar.“ Christo bezogsich immer wieder auf diepolitische Spaltung der Weltund ebnete so eine Parallele zu HertaMüller.Schäuble lobte Christo, erverfälsche nicht, sondern lenke den Blick und vertraue dem Betrachter. Der verhüllte Reichstag habedie Bedeutung, die wirihm gebenwollen„und das haben sie auchmich persönlich gelehrt“, ehrte Schäuble diesen herausragenden Künstler.Denn wie Christo einst sagte, seien wir frei zu sehen, was wir sehen wollen.

„Meine ursprüngliche Ablehnung,das geschichtsträchtige Gebäude zu einem Kunstwerk zu machen,war ein Irrtum.“ Schäuble sah die Würdedieserhistorischen Architekturbedroht.Doch wurde eszu einemunglaublich ästhetischen Vergnügen,erkannteSchäuble. So eindrucksvoll das Werk,so eindrucksvoll auchbeideSchöpfer Jeanne-Claude und Christo, lobte der Bundestagspräsident. „Diese Hommage gilt ihnen beiden, denn diese Kunstwerke sind ihrer beider Schöpfung.“Christos Kunst schärfeunsere Sinne. Sie verbergeeine besondere Technik,dieÄsthetik,Geschichte und Demokratie verbindet.„Schöner und freier kann Kunstnicht wirken.“

Der Leiter Kultur der Konrad-Adenauer-Stiftung,Dr. Hans-Jörg Clement, zitierteAlbert Einsteins„Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“DieArbeit von Christo und Jean Claude seien Feste der Fantasie und der absoluten Grenzenlosigkeit.„Collagen undAssemblagender Idee von Freiheit,changierend zwischenGigantonomieund bescheidener poetischer Geste“, bewunderte Clement.Christo setzeZerstörung und Vergänglichkeit als ästhetische Maßstäbe.„Wasbleibt, ist die Erinnerung in unseren Köpfen undvielleicht auch in unseren Herzen.“


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