Event Reports

History didn’t end in Africa

by Holger Dix

Fachkonferenz in der Villa La Collina in Cadenabbia

Die Entwicklung des afrikanischen Kontinents seit dem Fall der Berliner Mauer war das Thema einer Fachkonferenz vom 20.-23.7.2014 in der Villa La Collina in Cadenabbia, zu der die Konrad-Adenauer-Stiftung und die südafrikanische Brenthurst Foundation eingeladen hatten. Vertreter von Regierungen, der EU, Think Tanks, Universitäten, Unternehmen, Banken und Diplomaten aus acht afrikanischen Staaten sowie aus China, Costa Rica, Großbritannien, Indien und der USA verfolgten insbesondere die Frage, welche Auswirkungen das Ende des Kalten Krieges auf die Ideologiediskussion in Afrika hatte.

Zu den Hauptrednern zählte der ehemalige südafrikanische Staatspräsident Kgalema Motlanthe, der den Weg Südafrikas aus der Apartheid zur Demokratie aufzeigte und die herausragende Bedeutung wirtschaftspolitischer Konzepte für die Stabilisierung des Landes herausstellte. Die Frage, welche Ideologien Afrikas Zukunft bestimmen werden, wurde von den Teilnehmern sehr entschieden beantwortet. Insgesamt hätten Ideologien in Afrika an Bedeutung verloren. Die Diskussion um Lösungen für die Probleme des Kontinents sei pragmatischer geworden, wie man auch an der Definition der wichtigsten Hindernisse für die Entwicklung erkennt. Dazu wurde ein Mangel an Leadership, an wirtschaftlicher Produktivität und an Innovationskraft gezählt.

Eine ernsthafte Alternative zur Demokratie als politischem System gebe es nicht, wenn-gleich es in einer Reihe von Staaten Sympathien für staatszentrierte Gesellschaftsmodelle gebe, die unter den Begriffen „Beijing-Konsensus“ und – in der afrikanischen Variante – als „Kigali-Konsensus“ diskutiert werden. Ausführlich besprochen wurde in diesem Zusammenhang die Rolle Chinas und die Frage, ob China politisch und wirtschaftlich ein Vorbild für afrikanische Staaten sein könnte. Die Teilnehmer aus China selbst waren skeptisch und verwiesen auf die Einzigartigkeit des dort andauernden Reformprozesses. Auch für die afrikanischen Teilnehmer war China kein politisches oder wirtschaftliches Modell, das man einfach kopieren könne oder solle. Und selbst innerhalb des Kontinents müssten Lösungen in einem Land nicht zwingend auf andere Länder übertragbar sein. Ausführlich besprochen wurde die Frage, ob afrikanische Länder sich als Produzent von Billigprodukten etablieren sollten, weil China diesen Platz nun nach und nach räume. Die Frage blieb zwar unbeantwortet, aber nicht unkommentiert: Die Welt wäre sicher nicht schlechter, wenn künftig „Happy Meals“ ohne Plastikspielzeug angeboten würden. Bemerkenswert sei, dass die Landkarte Afrikas in den vergangenen Jahrzehnten nahezu unverändert geblieben ist und die Demokratie sich seit dem Mauerfall auf dem Vormarsch befinde, wenngleich es hier zuletzt auch einige schlechte Nachrichten gab. Erkennbar sei ebenfalls, wie die afrikanischen Länder ihr Schicksal zunehmend als Ergebnis von Entscheidungen sehen, die sie selber treffen und verantworten müssen. Der früher übliche Verweis auf externe Gründe für Entwicklungsprobleme – einschließlich der Kritik an der Entwicklungszusammenarbeit – verliere demgegenüber an Bedeutung.

Was kann man aus den Erfahrungen der anderen lernen? Erfolgreiche Entwicklungsländer haben nicht auf ihre Rohstoffe gesetzt, sie haben sich Schritt-für-Schritt reformiert und nicht nach möglichst hohem, sondern nach einem möglichst stabilen Wachstum mit möglichst geringen Ausschlägen nach unten gestrebt. Von Brasilien könne man zum Beispiel lernen, wie man Erfolge der Vorgängerregierung mitnehme und absichere. Und von Indien lerne man derzeit eher wenig. Die Veranstaltung endete mit einem Appell an Deutschland: Deutschland müsste sich in Afrika noch stärker engagieren und Afrika in der Regierung zur Chefsache machen.