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Deutschland kann Vorbild für ein friedliches Miteinander der Religionen sein

Bundespräsident a.D. Wulff zu Gast beim Muskauer Schlossgespräch

Bundespräsident a.D. Christian Wulff sieht in Deutschland ein Vorbild für ein friedliches Miteinander der Religionen. Voraussetzung sei, dass sich alle an dieselben Regeln des Grundgesetzes halten.

In Anlehnung an seinen berühmten Satz - „Der Islam gehört zu Deutschland“ - sagte er: „Wenn es uns gelingt, dass der Islam mit Pluralismus, mit der Gleichstellung der Frau und mit Toleranz, mit verschiedenen Gläubigen verschiedener Religionen friedlich zusammenleben kann, dann ist das ein Beispiel für die Welt.“ Wenn man hier vernünftig mit Minderheiten umgehe, könne man selbiges umso glaubhafter auch von anderen einfordern. Er erinnerte zum Beispiel an die Situation der Christen in der Türkei.

Wulff, der bei einer Neuauflage des Muskauer Schlossgesprächs zu den aktuellen Krisen dieser Tage befragt wurde, äußerte sich auch zur russischen Expansionspolitik. Er warb für einen intensiven Dialog, um einander die verschiedenen Sichtweisen besser zu verstehen. Aufgrund einer gewissen Seelenverwandtschaft würden sich Russen und Deutsche eigentlich mögen. Härte wiederum müsse man dort zeigen, wo Russland die Universalität der Menschenrechte nicht akzeptiere und einfach Grenzen verschoben werden. „Hier sind die Russen gerade ein echter Problemfall“ so Wulff. Die Weltgemeinschaft sei nun gefordert, ganz klar zu sagen „bis hier hin und nicht weiter“. Zudem müsse dafür Sorge getragen werden, dass die Ukraine souverän über ihre weitere Zukunft entscheiden könne.

Wulff räumte basierend auf seinen eigenen Erfahrungen als Bundespräsident allerdings ein, dass das Thema Menschenrechte international immer dann zum Zielkonflikt werde, wenn ökonomische Interessen ins Spiel kämen. So seien Probleme in China schon ob der schieren Größe des Landes und der massiven wirtschaftlichen Verflechtungen eher nicht angesprochen worden oder wenn, dann nur mit leisen Tönen.

Gut zweieinhalb Jahre nach einem Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten, nahm Wulff auch sehr offen Stellung zu den Ereignissen rund um die damalige „Affäre“. Er kritisierte insbesondere die Rolle der Medien. Diese hätten unfair agiert und seien zu mächtig geworden. Es habe belegen können, dass er Opfer einer Kampagne geworden sei. „Die Presse hat aufgrund meiner Islamfreundlichkeit an meiner Absetzung gearbeitet“, so Wulff. Manch ein Chefredakteur habe schwere Schuld auf sich geladen. „Für die muss es schrecklich sein, dass ich weiterlebe“, so Wulff unter warmen Applaus.

Heute gehe es ihm wieder gut, weil er sich nicht mehr mit persönlichen Fragen auseinandersetzen muss, sondern wieder mit den Themen auseinandersetzen könne, die ihm am Herzen liegen, wie etwa dem Einsatz für Minderheiten. Zweimal in der Woche arbeite er von Berlin aus, vernachlässige aber auch seine Kanzlei in Hamburg nicht. Zudem mache es ihm große Freude, sich stärker um seine Kinder kümmern zu können. Mit Blick aus dem Fenster auf den Schlosspark sagte Wulff: „Ich habe viele Fahrradtouren mit Parteifreunden gemacht, habe aber festgestellt, dass es mit den Kindern mehr Fun macht“.

Wulff kündigte an, sich auch weiterhin zu Wort zu melden, sich für die Menschen einzusetzen und einzumischen. Und: Er werde auch wieder auf Mailboxen sprechen. Nur bei einem bestimmten Journalisten nicht. Wulff: „Das war ein Fehler, den ich nie mehr machen werde.“

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