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„Wer weiß, wie dem demografischen Wandel erfolgreich zu begegnen ist, den beglückwünsche ich“, sagte Angela Merkel schon im August 2006 im Rahmen der Bundespressekonferenz. Heute, zehn Jahre später, hat sich an der Dringlichkeit der Herausforderungen, die der demografische Wandel mit sich bringt, nichts geändert.

Liebe Leserinnen und Leser,

„wer weiß, wie dem demografischen Wandel erfolgreich zu begegnen ist, den beglückwünsche ich“, sagte Angela Merkel schon im August 2006 im Rahmen der Bundespressekonferenz. Heute, zehn Jahre später, hat sich an der Dringlichkeit der Herausforderungen, die der demografische Wandel mit sich bringt, nichts geändert. Im Gegenteil, während die Weltbevölkerung kontinuierlich wächst, sinken und altern sowohl der deutsche als auch der europäische Anteil daran immer weiter. Das wird über kurz oder lang zu einem erheblichen Bedeutungsverlust führen, prognostiziert Meinhard Miegel in seinem Zwischenruf für diese Ausgabe. Sich auf Zuwanderung einzustellen und sie zum eigenen Vorteil zu nutzen, daran führt für Miegel kein Weg vorbei, wenn Deutschland und Europa auch in Zukunft eine wichtige Rolle auf der Weltbühne spielen wollen.

Enormen Herausforderungen durch demografische Verschiebungen sieht sich aber nicht nur Europa gegenüber. Am rasantesten altert derzeit die japanische Bevölkerung. Die daraus resultierenden finanziellen und politischen Probleme werden durch die angespannte Wirtschaftslage weiter verschärft, wie Akim Enomoto und Hannes Bublitz in ihrem Beitrag zu berichten wissen. Nur ein komplettes Umdenken bei der Einwanderungspolitik und echte Fortschritte bei der Geschlechtergleichstellung können das Land vor der vollständigen Vergreisung bewahren, so die Autoren.

Dass die alternde Gesellschaft längst nicht mehr nur ein Problem klassischer Industrienationen ist, verdeutlicht Karl-Dieter Hoffmann in seinem Beitrag zu Lateinamerika. Als erste Region der sogenannten Dritten Welt vollzieht Lateinamerika einen ähnlichen demografischen Wandel wie Europa und Nordamerika – allerdings in erheblich kürzerer Zeit. Besonders problematisch sind die Folgen der rapiden Alterung für das lateinamerikanische Rentensystem, denn bislang haben nur wenige Anspruch auf Alterssicherung aus einer regulären Renten- oder Pensionskasse.

Gänzlich anderer Natur sind die demografischen Herausforderungen in Israel, wo die durchschnittliche Geburtenrate zwar höher liegt als in jedem anderen westlichen Land, aber sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Bevölkerungsgruppen verteilt ist. Eine besonders rasante Zunahme verzeichnen die ultraorthodoxe jüdische Gemeinde und die arabische Minderheit. Anna Jandrey und Eva Keeren Caro zeigen in ihrem Beitrag, wie die zunehmende Verschiebung der Gewichte zwischen Mehrheit und Minderheiten nicht nur innenpolitische und religiöse Spannungen befeuert, sondern letztlich auch zu einer Gefahr für die jüdisch-säkulare Verfasstheit des israelischen Staates werden kann.

Geradezu dramatisch ist die Bevölkerungsentwicklung auf dem afrikanischen Kontinent. Wie Serge Michailof in seinem Beitrag zur Region südlich der Sahara ausführt, wird auf die explosionsartige Zunahme der Bevölkerung im 20. Jahrhundert aller Voraussicht nach im 21. Jahrhundert eine zweite Bevölkerungsexplosion folgen. Bereits kleinste klimatische Veränderungen reichen unter diesen Bedingungen aus, um Versorgungsengpässe und Hungersnöte gigantischen Ausmaßes zu erzeugen und große Migrationsbewegungen vor allem innerhalb Afrikas, aber auch Richtung Europa in Gang zu setzen.

Ein ähnliches Szenario ist auch für Nordafrika und den Nahen Osten denkbar. Wesentlicher Antrieb für Migration ist hier der Umstand, dass die Entwicklung des Arbeitsmarktes mit der rasch wachsenden Zahl zunehmend besser ausgebildeter Arbeitskräfte nicht mithalten kann. Solange dieses Missverhältnis vorherrscht, werden, wie Reiner Klingholz und Ruth Müller in ihrem Beitrag zeigen, die politische Instabilität und damit auch die Zahl der Flüchtlinge aus der Region weiter zunehmen.

So verschieden die demografischen Gegebenheiten in den jeweiligen Weltregionen sind, so wenig lassen sich die Folgen des demografischen Wandels auf die einzelnen Regionen begrenzen. Vielmehr zeigen alle Beiträge dieser Ausgabe, wie stark die Welt auch in dieser Hinsicht vernetzt und auf Kooperation angewiesen ist. Vor diesem Hintergrund sind heute mehr denn je diejenigen gefordert, die darüber nachdenken, wie dem demografischen Wandel erfolgreich zu begegnen ist.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.
Ihr Dr. Gerhard Wahlers

Dr. Gerhard Wahlers ist Herausgeber der Auslandsinformationen (Ai), stellvertretender Generalsekretär und Leiter der Hauptabteilung Euro­päische und Internationale Zusammenarbeit der Konrad­-Adenauer-Stiftung.

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