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Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Veranstaltungsberichte

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Zum zweiten Mal in diesem Jahr lud das Frederik van Zyl Slabbert Institut (FVZSI) an der Stellenbosch Universität (SUN) in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) am 26. März 2018 in seiner Discourse Café Reihe zu einer Podiumsdiskussion zum Thema "Intersectional Leadership: Considering South Africa's Deaf Community" ein. Ziel der Veranstaltung war es, die Situation behinderter Studenten, insbesondere gehörloser Studenten an südafrikanischen Universitäten zu diskutieren. Die Veranstaltung fand auf dem SUN-Campus statt und wurde von zwei Gebärdensprachdolmetschern begleitet.

Als Gastredner nahmen Modiegi Njeyiyana (erste gehörlose Dozentin an der SUN), Ilze Aaron und Imran Bodalaji (zwei gehörlose SUN- Studenten) sowie Marcia Lyner-Cleophas (Behindertenbeauftragte an der SUN) teil. Charné Pretorius, Assistentin am Frederik van Zyl Slabbert Institute und selbst noch Studentin, moderierte die Veranstaltung.

Die Podiumsteilnehmer teilten mit dem Publikum, darunter Studierende und Lehrbeauftragte, ihre persönlichen Erfahrungen als Gehörlose. Die Betroffenen waren sich darüber einig, dass insbesondere die Kommunikation mit hörenden Menschen oft schwierig und umständlich sei. Oft diene das Handy dazu, Nachrichten zu übermitteln, die im Normalfall in direkter Kommunikation ausgetauscht würden. Das sei zwar praktisch aber aus zwischenmenschlicher Sicht gesehen eher unpersönlich, so die Gastredner. Auch das Leben und Lernen an der Universität sei nicht leicht. Frau Njeyiyana machte beispielsweise während ihres Studiums die Erfahrung, dass sie ein wesentlich höheres Arbeitspensum zu meistern hatte als ihre hörenden Kommilitonen, um bei den Vorlesungen mithalten zu können. Zudem habe sie sich auf jede Vorlesung im Vorfeld intensiv vorbereiten müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren, so Frau Njeyiyana weiter.

Das bestimmende und immer wiederkehrende Thema in der Diskussion war Bildung. Der Zugang zu Bildung sei die größte Herausforderung für Menschen mit Behinderungen. Auch wenn sich im Falle der Stellenbosch Universität bereits vieles verbessert habe, beispielsweise durch die Einrichtung einer „Disability Unit“ oder der Beschäftigung von Gebärdensprachdolmetschern, bleibe noch viel zu tun. Die Gastredner stellten fest, dass vor allem der mangelnde Zugang zu Bildung für gehörlose Kinder ein großes Problem darstelle. Besonders während der Zeit der Apartheid wurden gehörlose Menschen aller Bevölkerungsgruppen marginalisiert.

Ein weiteres Thema waren gängige Vorurteile gegenüber Gehörlosen. Durch mangelnden Kontakt und Unwissen existieren hier immer noch viele falsche Annahmen. Für Frau Njeyiyama war es daher wichtig zu betonen, dass die Gehörlosigkeit ein Teil der Identität betroffener Menschen sei. Gehörlose Menschen müssten also nicht in irgendeiner Art und Weise „repariert“ oder „vervollständigt“ werden, sondern nur so angenommen werden, wie sie sind.

Kontakt

AbbildungChristina Teichmann
Programmbeauftragte (Büro Kapstadt)
Tel. +27 21 422 3844
Christina.Teichmann(akas.de


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