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Europa zum Hinsehen aufgefordert

Die aus dem Irak Vertriebenen brauchen schnelle Hilfe

Die Lage der Christen im Irak ist dramatisch, doch gerade in Europa ist nur wenig darüber bekannt. Aus diesem Grund hat sich die Konrad-Adenauer-Stiftung diesem Thema mit einer Diskussionsveranstaltung zugewandt.

Für das Podium konnten neben Arnold Vaatz MdB vom Bundesvorstand der CDU und Dr. Otmar Oehring von missio e.V. auch zwei Sprecher aus den Nachbarländern des Iraks gewonnen werden. Oberin Marie-Claude Naddaf, Mitglied im Orden der Schwestern vom Guten Hirten aus Damaskus, und Monsignore François Yakan, Chaldäischer Patriarchalvikar aus Istanbul und Mitbegründer des assyro-chaldäischen Wohltätigkeitsverein KASDER, haben in ihrer täglichen Arbeit mit flüchtigen Christen aus dem Irak zu tun. Sie richteten eindringliche Appelle an das große Auditorium, das sich aus Politikern, Kirchenvertretern, Menschenrechtlern und Verwandten von Betroffenen zusammensetzte.


Experten sprechen von der größten Flüchtlingskrise im Mittleren Osten seit 50 Jahren, und dennoch hat das Schicksal der irakischen Flüchtlinge bei der Weltgemeinschaft bisher kaum Aufmerksamkeit gefunden. Die UN-Flüchtlingskommission (UNHCR) weist schon lange auf dieses Krisengebiet hin. In einem UNHCR-Bericht vom vergangenen Jahr belegt der Irak sowohl bei der Zahl der Flüchtlinge als auch bei der Zahl der Binnenvertriebenen den zweiten Platz weltweit. Demnach sind 1,45 Mio. Iraker auf der Flucht und 1,83 Mio. Menschen innerhalb des Landes von ihrem ursprünglichen Wohnort vertrieben worden.

Unter diesen Flüchtlingen befinden sich viele Angehörige von religiösen Minderheiten, die vor dem islamistischen Terror fliehen. Besonders betroffen sind die irakischen Christen. Von 2003 bis 2007 hat sich ihre Zahl im Irak schätzungsweise von 1,2 Mio. auf unter 600.000 halbiert. Vor allem im Süden des Landes und in Bagdad sind sie Anfeindungen und Gewalttaten ausgesetzt. Doch auch im vergleichsweise sicheren kurdischen Norden des Landes haben die vielen Heimatlosen kaum eine Perspektive. Viele Experten schließen aus, dass diese Flüchtlinge in absehbarer Zeit an ihre Wohnorte zurückkehren können, manche befürchten sogar das Ende des Jahrtausende alten christlichen Gemeinden im Irak.

Quellen: UNHCR, Hanns-Seidel-Stiftung, missio e.V.



Oberin Naddaf beschrieb in ihrem Vortrag, wie irakische Christen ohne Orientierung und Perspektive in Syrien ankommen. Dort bekommen sie den Status eines „Gastes“, dürfen nicht arbeiten und sind seit einiger Zeit auch gezwungen, ihr Visum alle drei Monate verlängern zu lassen. Dieses Prozedere sei nicht nur gefährlich, sondern auch mit hohen Kosten verbunden und biete den Flüchtlingen keine Aussicht auf dauerhaften Schutz, so Naddaf. „Ich will einen Appell an die Brüder und Schwestern in Europa richten. Wird nur zugeschaut in Europa? Wer übernimmt Verantwortung? Sind Sie bereit, Flüchtige in Deutschland aufzunehmen?“ Mit diesen Worten forderte die Oberin Solidarität und christliche Barmherzigkeit ein.

  
Marie-Claude Naddaf
  

Arnold Vaatz MdB hält die Aufnahme von Flüchtlingen in Europa als „Ultima Ratio“ für sinnvoll. „Es kann aber nicht das Ziel sein, das Fundament der christlichen Gemeinden im Irak aufzugeben.“ Man dürfe den Verursachern nicht das Gefühl geben, mit der religiösen Säuberung erfolgreich zu sein und ihre Ziele zu erreichen. Die Urheber des Christen-Hasses zu bestimmen sei schwierig, da es in den verschiedenen Regionen des Irak zahlreiche lokale Machthaber gebe. Kriminelle, wirtschaftliche und religiöse Beweggründe tragen in ihrer Gesamtheit zur prekären Situation der Christen im Irak bei. Die Auswirkungen seien jedoch schrecklich: Verstümmelungen, Folter, Vergewaltigungen und Morde an Christen seien an der Tagesordnung. Den dadurch in Not geratenen Menschen zu helfen sei eine große Herausforderung für Europa, und es sei höchste Zeit, darüber zu sprechen.

  
Arnold Vaatz MdB
  

Monseigneur Yakan betonte in seiner Einführung, dass mit den Christen auch das Gleichgewicht der Religionen im Nahen Osten verschwinden würde. Auch er setzte sich dafür ein, dass die Lage der Christen im Irak in Europa stärker thematisiert wird. Dennoch will er nicht den Flüchtlingsstrom nach Europa leiten. Vielmehr ist er davon überzeugt, dass den irakischen Christen der Verbleib in ihrem Land möglich gemacht werden muss. Yakan wies darauf hin, dass neben den Christen auch noch viele andere rechtlose Minderheiten auf der Flucht aus dem Irak sind. „Wir versuchen, Flüchtlingen aller Konfessionen zu helfen“, so Yakan.

  
Monseigneur Francois Yakan
  

Dr. Otmar Oehring gliederte das Problem in seinem Einführungsvortrag in drei Teile. Zunächst betrachtete er die Lage im Irak. Er berichtete von einer islamistischen Gruppierung, die eine Fatwa aussprach, um die Christen in ihrem Einflussbereich innerhalb von 24 Stunden zur Konvertierung zu zwingen. Andernfalls drohe ihnen der Tod. So hätten die Flüchtlinge meist nicht die Zeit, um ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen. Die Aufnahmekapazität für Christen im sichereren Norden des Landes sei erschöpft. Dennoch sei es der Wunsch der Kirchen auf der ganzen Welt, die christliche Präsenz im Irak zu erhalten. Als zweiten Teil des Problems beschrieb Oehring die Lage in den Nachbarländern des Irak, die Flüchtlinge aufnehmen. Dazu zählen neben Syrien u. a. auch Jordanien und die Türkei. In diesen Ländern komme es bereits jetzt zu extremen Teuerungen für Wohnraum, die Flüchtlinge dürfen nicht arbeiten und haben oft keinen Zugang zu Schulen und Krankenhäusern. „Die Flüchtigen kommen dort nicht in einer neuen Heimat an“, betonte Oehring. Daher müsse ein Teil der Flüchtlinge in Europa aufgenommen werden: „Wir haben die Möglichkeit, ihnen einen gesicherten Flüchtlingsstatus zu gewähren.“ Um diesen Teil überschaubar zu halten, müssten aber auch die Länder unterstützt werden, die die Flüchtlinge momentan aufnehmen, um dort eine bessere Behandlung zu garantieren.

  
Dr. Otmar Oehring
  

In der regen Diskussion im Anschluss betonte Arnold Vaatz, dass die Hilfe aus Europa nicht diejenigen ermutigen darf, die die Christenverfolgung heraufbeschwören. Es sei daher zu kurz gedacht, möglichst viele Flüchtlinge nach Europa zu bringen. Monseigneur Yakan sprach über die Schwierigkeiten, die Urheber des Christen-Hasses zu bestimmen, da die Diskriminierung in dem instabilen Land unterschiedliche Quellen und Motivationen habe. Mehrfach meldeten sich in der Diskussion auch irakische Christen zu Wort, die heute in Deutschland leben und deren Freunde und Verwandte im Irak unter der Verfolgung leiden. Sie betonten, dass die Christen im Irak eine Gruppierung ohne Schutz seien und dass auch , der kurdische Norden kein geeignetes Rückzugsgebiet für die irakischen Christen darstelle. Naddaf und Yakan wiederholten in ihren Schlussworten nochmals ihre Appelle, das Schweigen in Europa über das Schicksal der irakischen Christen zu brechen. Alle an der Diskussion Beteiligten waren sich einig: Den irakischen Christen muss schnell geholfen werden. Wie diese Hilfe konkret aussehen kann muss nun Gegenstand der politischen Diskussion sein.

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