Veranstaltungsberichte

„Argentinien kann das Unmögliche wahr werden lassen“

von Kristin Wesemann

Diskussionsforum über die ökonomischen Herausforderungen 2014/15

Wie sieht es mit der wirtschaftlichen Lage Argentiniens in den nächsten Jahren aus? Was ist zu tun, um den Startschuss für den richtigen Kurs zu geben? Am 29. November luden die Konrad-Adenauer-Stiftung Argentinien e.V., die Fundación Pensar und PRO (Propuesta Republicana) zu einer Konferenz ein, um über die Ideen des Föderalismus zu diskutieren und die wirtschaftlichen Herausforderungen Argentiniens für die Jahre 2014/15 zu erörtern.

Humberto Schiavoni, Parteipräsident von PRO und Dr. Kristin Wesemann, Leiterin der Konrad-Adenauer-Stiftung Argentinien e.V., eröffneten die Veranstaltung. Beide gratulierten PRO für die gewonnenen Sitze im Parlament bei den Wahlen im Oktober und bezeichneten die Partei als Hoffnungsträger des Landes. „Die Provinzen haben unterschiedliche Interessen und Ziele. Föderalismus ist unerlässlich für die Entwicklung Argentiniens“, betonte die Leiterin der Konrad-Adenauer-Stiftung in Argentinien. Schiavoni und Wesemann wünschten PRO weiterhin viel Erfolg mit seinen Vorhaben und freuten sich über die erfolgreiche Zusammenarbeit.

„Argentinien kann das Unmögliche wahr werden lassen. Die Aufgabe zu bewältigen, liegt nicht an einem Politiker, sondern an Land und Leuten“, mit diesen Worten eröffnete Mauricio Macri, Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2015, seinen Vortrag. Die Leute würden eine Veränderung anstreben und sich gemeinsam weiter entwickeln wollen, um Argentinien eine bessere Zukunft zu ermöglichen. „Argentinier wollen auch ein Teil der globalen Welt sein“, sprach der Bürgermeister von Buenos Aires. „Es ist wichtig, zu reflektieren und die Vergangenheit zu analysieren, um herauszufinden, was man verbessern muss. Wichtiger aber ist es, in die Zukunft zu blicken. PRO ist dabei eine bessere Zukunft für Argentinien aufzubauen“, erklärte der Bürgermeister.

„Argentinien muss nachhaltig mit seinen Energieressourcen umgehen. Das liegt in der Hand der Regierung. Die wirtschaftlichen Herausforderungen für Argentinien sind nicht neu, es gab sie schon davor“, so Pablo Rojo, der Ökonom und ehemaliger Vorsitzender der Banco Hipotecario. Rojo nannte drei zentrale Herausforderungen, mit denen das Land in den kommenden zwei Jahren zu kämpfen habe. Die Energiekrise, das dürftige Infrastruktursystem und die Industrialisierung. Die Probleme seien vergleichbar mit der Situation Argentiniens 1958. „Argentinien ist sehr vielfältig und hat jegliche Voraussetzungen. Nicht nur der Industriesektor ist wichtig für das Land, sondern auch die Agrarwirtschaft“, erklärte der Wirtschaftsexperte. „Die Entwicklung Argentiniens hängt von einem Konstrukt von Faktoren ab, die voneinander abhängig sind und zusammenspielen. Die Sicherheit muss verbessert, die Infrastruktur ausgebaut und Arbeitskräfte mobilisiert werden. Auch die Finanzpolitik ist ein unabdingbarer Faktor“, erklärte der Experte. „Argentinien hat in den vergangenen 30 Jahren einen radikalen politischen Wandel erlebt. Trotz der bevorstehenden Herausforderungen für das Land können wir ein Teil der Veränderung sein und die Zukunft beeinflussen“, mit diesen Worten schloss Rojo seinen Vortrag ab.

Federico Sturzenegger, Vorsitzender der Banco Ciudad und ab dem 10. Dezember Kongressabgeordneter für PRO, knüpfte an den Vortrag von Rojo an. „Der Staat hat mehr Ausgaben als Einnahmen. Die Staatsausgaben müssen dringend gesenkt werden, sonst droht ein Anstieg der Staatsverschuldung. Der Staat muss mehr Steuern einnehmen, um die Staatsausgaben zu kompensieren. Mit der Kreditvergabe darf man nicht weiterhin so leichtfertig umgehen, dies könnte sonst in einer Wirtschaftskrise enden, wie in manchen Ländern in Europa“, erörterte Sturzenegger. Die Privatisierung von Unternehmen sei für die Leute von Nachteil, weil die Preise steigen. Jedoch gäbe es keine Möglichkeit, dass die Preise gleich bleiben würden. „2015 könnte ein Jahr der Revolution, der Veränderungen werden“ - mit diesen hoffnungsvollen Worten beendete der Kongressabgeordnete seinen Vortrag.

„Was ist die Rolle Argentiniens in der Welt? Mit welchen Ländern sollte man versuchen, die Beziehungen auszubauen und mehr Kooperation anzustreben?“ - mit dieser Frage begann Rogelio Frigerio, ab dem 10. Dezember neuer Vorsitzender der Banco Ciudad, seinen Vortrag und gab dem Publikum einen Denkanstoß. In den letzten 15 Jahren habe Argentinien eine neue industrielle Revolution erlebt. Außerdem habe der primäre Sektor einen Aufschwung erlebt und Solarenergie und andere erneuerbare Energien hätten einen wichtigeren Status in der Energiepolitik erreicht. Patagonien verfüge über immense Öl- und Mineralvorkommen. Neben den zu erwähnenden positiven wirtschaftlichen Aspekten würde es aber Verbesserungspotential in der Finanzpolitik des Landes geben. „Argentinien ist das einzige Land auf der Welt, dem es an ausländischer Währung mangelt. Das ist ein großes Problem für das Land und wenn man die Situation nicht signifikant ändert, wird sich Argentinien in einer verzwickten Lage sehen. Die Leute brauchen Zugang zu Dollar“ - mit dieser Feststellung schloss Frigerio seinen Vortrag ab.

Die Begeisterung des Publikums zeigt sich durch einen tosenden Applaus am Ende der Veranstaltung, mit dem die Vortragenden und der Bürgermeister Macri honoriert wurden.