Veranstaltungsberichte

„Chinas Karibik“

von Kristin Wesemann
Die Konrad-Adenauer-Stiftung Argentinien e.V., RACEI und CARI organisierten am 27. November 2013 einen Diskussionsabend zum Thema “Perspektiven und Tendenzen der Geopolitik in der Region Asien-Pazifik“.

Die anhaltenden Territorialstreitigkeiten im Westpazifik beschäftigen spätestens seit der Errichtung der chinesischen Luftverteidigungszone die Medien in aller Welt. Deshalb stellte diese Veranstaltung drei Staaten dieser Region vor dem Hintergrund einer aktuellen Thematik vor.

Als erstes sprach der Politikwissenschaftler Matías Battaglia über die Rolle Indonesiens. Indonesien habe die viertgrößte Einwohnerzahl der Welt, mit 240 Millionen Einwohnern. Gleichzeitig sei es das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde. Dabei sehe sich Indonesien mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Der Großteil der Bevölkerung lebe auf den Inseln Java, Sumatra und Bali, wo es auch eine starke Industrie gebe. Auf den restlichen Inseln seien allerdings kaum Firmen und Produktionsstätten vorhanden. Gerade viele junge Menschen hätten in diesen Regionen ein Problem einen guten Arbeitsplatz zu finden. Dabei sei die Bevölkerung im Durchschnitt sehr jung. Jeder Zweite sei unter 30 Jahre alt. Darum müssten regionale Projekte vorangetrieben werden um auch in wirtschaftsschwächeren Regionen Perspektiven bieten zu können. Ein bereits beschlossenes Projekt sei der Ausbau der Streitkräfte. Dabei versuche Indonesien Partnerschaften mit anderen Ländern zum Beispiel der Türkei und Südkorea einzugehen. Diese sollen mit Indonesien in unterschiedlichen Bereichen wie Marine und Drohnen bei der Aufrüstung zusammenarbeiten, so Battaglia.

Im darauffolgenden Vortrag sprach der Soziologe Miguel Tchilinguirian, Berater des Bildungsministerium, über die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Indien. Für Barack Obama sei Indien eine der wichtigsten Partner des 21. Jahrhunderts. Der Grund: Amerika brauche einen starken Verbündeten in Asien - vor allem mit Blick auf die schwierige Beziehung zu China. Bei zukünftigen Konflikten spiele Indien aufgrund seiner Lage und großen Bevölkerung eine wichtige Rolle.

Über die geopolitischen Interessen Chinas sprach im Anschluss Juan Manuel Pippia, Politikwissenschaftler. Der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea sei der einzige Konflikt in der Asien-Pazifik Region, an dem China nicht direkt beteiligt sei. China betrachte jedoch die Inseln im Südchinesischen Meer als „seine Karibik“. Das Ziel der chinesischen Regierung sei es, zwei Inselketten im Westpazifik unter seine Kontrolle zu bringen, die daraufhin als Schutz von der Seeseite her fungieren sollen. Das Einzige, was derzeit den Status Quo erhalte und eine Eskalation verhindere, sei das Machtgleichgewicht zwischen China und den USA. Um dieses Gleichgewicht auch in Zukunft zu erhalten, müsste die USA allerdings ihre Militärstreitkräfte ausbauen. Für die Zukunft nannte der Politikwissenschaftler mehrere mögliche Konfliktszenarien: Als Beispiele nannte er den Konflikt mit Taiwan und den Streit mit Japan. Während China Taiwan nicht als Staat anerkenne und es noch zu seinem Staatsgebiet zähle, gehe es im aktuellen Streit mit Japan um die Kontrolle der ressourcenreichen Senkaku Inseln.

Das Thema, das im Moment in allen Medien präsent ist, interessierte die Teilnehmer merklich. Im Anschluss an die Vorträge stellten sie den Experten zahlreiche Fragen und verabschiedeten sie unter großem Applaus.

Ansprechpartner

Olaf Jacob

Olaf Jacob

Leiter des Auslandsbüros Argentinien

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