Veranstaltungsberichte

Die internationale Krise und die Rolle der Bundesrepublik Deutschland

von Marten Neelsen

Expertengespräch mit Prof. Dr. Gunnar Prause und der Jungen Gruppe des CARI

Die Finanzkrise traf Europa hart. Viele Mitgliedsstaaten der Europäischen Union – insbesondere der Euro-Gruppe – sind angeschlagen, die Staatsdefizite scheinbar bodenlos. Warum stürzen manche Staaten in den Abgrund, den die Finanzkrise riss und Deutschland nicht? Der Finanzexperte Professor Prause kennt Deutschlands Geheimnis. In einem Expertengespräch mit der Jungen Gruppe des Consejo Argentino para las Relaciones Internacionales verrät er die Gründe.

Die globale Finanzkrise wütete wie ein Erbeben über die Länder der Welt. Unerwartet, von vielen Experten lange verneint, von noch mehreren bereits vorausgesehen, brachte sie die Nationen und Völkerbündnisse ins Wanken. Manche fielen in die tiefen Gräben, die sich vor ihnen auftaten. Andere schafften es noch, sich an die Kante zu klammern und sich mit politischen Maßnahmen Stück für Stück wieder hoch zu ziehen. Doch nicht alle scheinen betroffen. Länder, wie die Bundesrepublik Deutschland scheinen keine Probleme damit zu haben, auf dem instabilen Grund Halt zu finden.

Der Consejo Argentino para las Relaciones Internacionales (CARI) forscht schon seit längerer Zeit an den Ursachen und Auswirkungen der Finanz- und somit auch der Eurokrise. Jüngst veröffentlichte er mit der Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. die Publikation „Die Welt fünf Jahre nach der Krise“, in der vor allem die Agenda der G20 analysiert wird. Die Nationen erkannten, dass man angesichts der Finanzkrise nur zusammen etwas erreichen könne, weshalb die G20 auch das erste Mal tagte. Doch nicht jede Ausgangssituation war gleich. Die wirtschaftlichen Strategien, die politische Konstellation und die soziale Struktur unterscheiden sich innerhalb der Völkerbündnisse voneinander. Ist dies der Grund, warum manche Länder ins Wanken gerieten und andere verschont blieben?

Die Konrad-Adenauer Stiftung hat den deutschen Wirtschaftsexperten Prof. Dr. Prause eingeladen, um zusammen mit der Jungen Gruppe des CARI zu diskutieren, welche Rolle Deutschland in der Krise einnimmt. Prause lehrt zurzeit an der Hochschule Wismar am Fachbereich Wirtschaft und hat einen Lehrauftrag an der Universität Talinn in Estland.

In seinem Vortrag hat er zunächst die wirtschaftliche Stellung Deutschlands erläutert. Es zeigt sich, dass Deutschland eine besondere Rolle hat. „Die Bundesrepublik hat eine im Vergleich geringe Arbeitslosigkeit von etwa 6 Prozent und ist weltweite Nummer Zwei als Exportnation“, erklärt der Experte. „Und das trotz strikter Vorgaben wie Arbeitsrecht, Kündigungsschutz und hoher Abgaben an den Staat.“ Der Grund liegt für die florierende Wirtschaft liegt klar auf der Hand. Der starke Mittelstand, die Güterproduktion und die arbeitsrechtlichen Besonderheiten seien die Gründe.

„Viele deutsche Firmen sind Teil der Hidden Champions“, verrät Prause und zeigt auf ein Diagramm. „Eine Gruppe von Unternehmen, die keiner wirklich kennt, aber die Weltmarktführer in ihrer Branche sind. Eine Struktur aus Unternehmen mit je bis zu 500 Angestellten. Oft Familiengeführt, geringe Entlassungsraten und lang bestehende Vorstände. Der durchschnittlicher Geschäftsvorstand besteht zirka fünf Jahre. Bei den Hidden Champions hingegen sind es bis zu 20 Jahre. Das System ist klasse.“ Das größte Standbein der deutschen Wirtschaft sei aber vor allem auch der Technologie- und Know-How-Export. Aufsteigende Wirtschaftsmächte wie China nutzen deutsche Technologie für ihre Produktion. Als letzten Punkt beschreibt Professor Prause die Vorteile des Kurzarbeitergeldes, dass in Deutschland in der Anfangszeit der Krise eingeführt wurde. Der Staat greift Firmen bei Auftragsengpässen unter die Arme, damit die Angestellten bei steigender Auftragslage wieder arbeiten können.

Nach seinem Vortrag stand der Experte für die Fragen der Zuhörer zur Verfügung. Lebhaft diskutierten die Nachwuchskräfte das Für und Wider der Ansätze und welche Möglichkeiten für Argentinien realistisch wären. Die Junge Gruppe, bestehend aus jungen Doktoranden der Politik- oder Rechtswissenschaft und Wirtschaftern, zeigte sich bereits bei dem Expertengespräch mit Prof. Dr. Eckart Stratenschulte interessiert und wissbegierig. Die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. gibt der Jungen Gruppe mit diesen Expertengesprächen die Möglichkeit ihren Blick auf das Themengebiet Europa zu erweitern und zu vertiefen. Besonders die Frage nach dem Zusammenhalt der Europäischen Union und nach dem Stimmungsbarometer zwischen den Ländern. Schafft es das Finanz-Erdbeben doch die EU zu spalten? „Es ist natürlich nur eine Momentaufnahme“, sagt Prause bedächtig, „aber Unmut besteht natürlich. Ob die Stimmung kippt, hängt davon ab, ob die südeuropäischen Länder die Krise meistern können.“

Nach der Veranstaltung zeigt sich Prause begeistert über das Interesse der jungen Fachkräfte an der Politik auf der anderen Seite des Erdballs. „Ich freue mich die Möglichkeit, Jugendlichen einen Eindruck Europas geben zu können und natürlich auch, selbst mal über den Tellerrand schauen zu dürfen.“