Veranstaltungsberichte

Die verborgene Stadt

Ein Projekt in der Villa 15

Der Applaus war ausgiebig als Pablo Trapero 2012 in Cannes mit seinem Film Elefante Blanco an den Start ging. Die Geschichte aus einem der größten Elendsviertel (Villa) in Buenos Aires rührte und erschreckte zugleich, verschaffte dem Slum am südlichen Ende der argentinischen Hauptstadt aber auch einen Hauch an weltweiter Aufmerksamkeit, der bis heute zu spüren ist.

Das mehr wie eine Bauruine anmutende, leerstehende Krankenhaus, welches dem Film seinen Namen gab – „Weißer Elefant“ – thront über dem Quartier und wirft seinen Schatten darauf. Was der Film erzählt, entspricht einer traurigen Wahrheit. Die Villa 15, auch „verborgene Stadt“ genannt, weil die Militärjunta zur Fußball-WM 1978 eine Mauer bauen ließ, um die unschöne Fassade der Villa zu verbergen, gehört zu den größten ihrer Art in Buenos Aires. 20.000 Menschen leben hier unter prekären Verhältnissen. Organisationen wie die Secretaría de Hábitat e Inclusión (SECHI) oder die Stiftung Sumando arbeiten seit circa zwei Jahren mit den Bewohnern der „verborgenen Stadt“ in verschiedenen Projekten zusammen. Die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. unterstützt seit diesem Jahr ebenfalls ihr Engagement. Am 1. Oktober 2014 besuchte die KAS zusammen mit ihren Kooperationspartnern die Villa 15. Belén Rimoldi, Mitarbeiterin von Sumando, berichtete von Problemen und Fortschritten bei ihrer täglichen Arbeit: „Vor zwei Jahren war das Betreten der Villa nicht möglich.“ Man sei vorangekommen und habe es geschafft, einen Zugang zu den Menschen zu finden. Sehr wichtig sei auch das aktive Einbinden der Bewohner in die Pläne zur Umgestaltung. Mitten in der Villa gelegen befindet sich ein öffentlicher Platz, der zum Kultur- und Sporttreffpunkt werden soll. Da öffentliche Plätze in Villas meist mit der Zeit verschwinden, weil der Bauplatz anderweitig genutzt wird, war Kommunikation und Überzeugungsarbeit von Nöten. Man versuchte, sich den Männern über organisierte Stammtische und den Frauen über gemeinsames Kochen anzunähern und Vertrauen zu schaffen. Kulturelle Probleme traten auf, da beispielsweise paraguayische Bewohner es vorzogen, in Guaraní zu kommunizieren. Inzwischen würden diese Projekte zur Einbindung aber sehr gut funktionieren und die Umgestaltung des Platzes hat bereits begonnen. Nach der Besichtigung des Platzes mit den Projektkoordinatoren von SECHI - Luisa Montoreano, Daniela Baro und Andrés Contraras Bernal - sowie Sol Sañudo von der Stiftung Sumando, wurde ebenfalls das Projekt „Los Chicos de la Oculta“ vorgestellt, das Kindern einen sinnvollen Zeitvertreib durch gemeinsames Spielen auf dem öffentlichen Platz bietet.

Viktoria Donie