Veranstaltungsberichte

Erster Vortrag der Reihe “Bildung für Entwicklung”

Thema: „Landwirtschaftliche Familienbetriebe, Beiträge zur Stärkung von Kleinproduzenten“

Am 7. Oktober eröffnete Eloy Patricio Mealla, Professor der Universidad del Salvador (USAL) und Koordinator des Expertenkreises für Bildung, Ethik und Entwicklung, die vierte Vortragsreihe zum Thema „Bildung für Entwicklung”. Dabei geht es darum, gemeinsam politische Reformvorschläge zu erarbeiten.

Im Anschluss an eine kurze Vorstellungsrunde der Teilnehmer, Professoren, Beamte, Studenten, Sozialarbeiter und Repräsentanten verschiedener Nichtregierungsorganisationen, stellte Mealla die grundlegenden Konzepte der Bildung für Entwicklung (BfE) vor. Er stellte dar, dass man die Initiative 2011 nach einem Internationalen Kongress der USAL zum Thema „Ethisches und soziales Verantwortungsbewusstsein“ gegründet hatte. Maella hob hervor, dass „Bildung“ ein duales Konzept sei, denn Entwicklung ohne Ethik gäbe es nicht. Weiter merkte er an, dass keine einheitliche Definition von „Entwicklung“ existiere. Mealla erinnerte daran, dass Einheitlichkeit auch bedeutete, Maßnahmen an die Gegebenheiten „von Provinz zu Provinz“ anzupassen und keine Pläne für die ganze Republik zu schmieden, die nicht auf die Bedürfnisse der einzelnen Regionen zugeschnitten seien. Hinsichtlich des Aufkommens der BfE betonte er, dass in den 1950er Jahren der Fokus auf die Bereitstellung von Hilfsgütern lag, in den 60er Jahren entstanden aus diesen Aktionen die ersten institutionalisierten Nichtregierungsorganisationen für Entwicklung. In den 70er Jahren wurde stark die Nachhaltigkeit ihrer Arbeit kritisiert. Daher konzentrierte man sich in den 80/90er Jahren darauf, den Menschen mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Er lobte, dass die Entwicklungszusammenarbeit inzwischen einen festen Platz in der internationalen öffentlichen Agenda einnehme.

Landwirtschaftliche Familienbetriebe: Beiträge zur Stärkung von Kleinproduzenten

Den zweiten Teil des Abends gestaltete Carlos Vigil mit seiner Präsentation „Landwirtschaftliche Familienbetriebe: Beiträge zur Stärkung von Kleinproduzenten“, einem besonders wichtigen Thema in Argentinien Seine Forschungsarbeit realisierte er in Zusammenarbeit mit der Bischöflichen Kommission für Frieden und Gerechtigkeit. Ziel der Arbeit war es, mit unterschiedlichen Verbesserungsvorschlägen den Dialog zwischen den relevanten Akteuren zu öffnen. Vigil gab zu, dass das Thesenpapier ziemlich spät erschienen und bei weitem nicht vollständig sei. Nichtsdestotrotz konnten bereits runde Tische organisiert werden, an dem Bauernverbände, Unternehmerverbände und katholische Laien teilgenommen haben. Er zitierte eingangs einen Unternehmers:: „Jetzt verstehe ich endlich, wer die kleinen Produzenten sind.“ Im Anschluss stellte Vigil dar, dass Argentinien seit der Unabhängigkeit verschiedene Phasen der Strukturierung und Destrukturierung durchlaufen habe. Momentan befände mich sich in einem territorialen System globaler Integration.

In den vergangenen zwanzig Jahren seien 600 Dörfer in Folge der Urbanisierung verschwunden. Außerdem nahm die Zahl der Anbauflächen erheblich zu, ebenso die Ausbeutung der Böden. Ferner benutze man heute im Vergleich 870 Prozent mehr Chemikalien in der Landwirtschaft. Gleichzeitig nahm die Produktion um 64 Prozent zu, wohingegen sich die Zahl der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe halbiert habe. Vigil hob hervor, dass zwei von 100 Produzenten etwa 40 Prozent des Getreides exportierten. Ebenso befänden sich 83 Prozent der Gesamtproduktion in den Händen von 17 Prozent der Produzenten.

Danach erklärte der Experte die aktuelle Lage der kleinen Familienbetriebe. Die rechtliche Situation sei schwierig. Viele der Landwirte hätten keine Grundbesitzurkunde und die Mehrheit betreibe Existenzwirtschaft mit Vielfelderwirtschaft. Da die Einkünfte oft nicht für ihren Lebensunterhalt ausreichten, gingen sie weiteren beruflichen Tätigkeiten nach oder würden vom Staat unterstützt werden. Die meisten kleinen Betriebe befänden sich in der Pampazone und im argentinischen Norden. Vigil unterstrich, dass die Anbauart der kleinen Produzenten sehr nachhaltig sei und die Erzeugnisse außerdem für den Binnenmarkt bestimmt seien.

Abschließend wies er darauf hin, dass man nicht in die Wohlfahrtsfalle tappen dürfte, sondern einheitliche und individuelle Entwicklungsstrategien nachgehen solle. Daher sei es wichtig, langfristig stabile politische Maßnahmen zu treffen. Es sei notwendig, dass Staat, Zivilgesellschaft und Verbände zu Wort kämen und sich zur aktiven Armutsbekämpfung verpflichteten. Die Herausforderungen seien daher, die Produktion und Qualität der Produkte zu steigern, die Landwirte zu schulen und gemeinsam zu forschen, um die notwendigen Technologien zu entwickeln und die Selbstständigkeit der Kleinproduzenten aufrechtzuerhalten. Falls dies nicht gelingen sollte, würden die Familienbetriebe mittelfristig verschwinden.

Carmen Leimann

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