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Veranstaltungsberichte

Finale Sitzung der Vortragsreihe “Bildung für Entwicklung“

Mariana Colotta über die Migrationspolitik in Lateinamerika

Am 21. Oktober fand die letzte Sitzung der Vortragsreihe „Bildung für Entwicklung“ an der Universidad del Salvador (USAL) in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung in Argentinien statt. Es sprach die Dekanin der Fakultät für Sozialwissenschaften an der Universität von Salvador, Mariana Colotta. Das Treffen endete mit einer Abschlussdebatte.

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Bei der dritten und letzten Sitzung des Seminars “Bildung für Entwicklung” führte Mariana Colotta die Teilnehmer in das Thema der Herausforderungen von Migration im lateinamerikanischen Kontext ein. Eloy Mealla, Koordinator des Expertenkreises Bildung, Ethik und Entwicklung, führte die Betrachtungen zusammen und leitete die sich anschließende Diskussion.

Migrationspolitik im Kontext Lateinamerikas

Die Politikwissenschaftlerin Mariana Colotta definierte zu Beginn ihres Vortrags zwei Arten von Migration: „Transmigration“, bei der Migranten selbstbestimmt in ihre Wahlheimat ziehen, und „traditionelle Migration“, bei der sich die Migranten auf Grund mangelnder Nachfrage nach ihrer Berufsgruppe für die Auswanderung entscheiden. Im Allgemeinen bestehe die erste Gruppe aus ausgebildeten Fachkräften. Letztere seien zumeist gering qualifiziert, verletzlich und hätten sozio-kulturelle Integrationsprobleme in den Zielländern. Colotta betonte, dass neben der Freizügigkeit auch die Situation im jeweiligen Zielland über der Erfolg von Integration entscheide. Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts habe es drei Phasen von Migration gegeben: Zunächst zwischen den Kontinenten, dann eine Entwicklung zur Binnenmigration und schließlich Migration zwischen allen Ländern.

Migrationskorridore in Südamerika fänden sich zwischen folgenden Ländern Peru/Argentinien, Paraguay/Argentinien, Bolivien/ Argentinien, Ecuador/ Kolumbien und Venezuela/ Kolumbien. Ebenso zieht es eine große Anzahl an Migranten des südamerikanischen Kontinents nach Brasilien. Zielländer vieler südamerikanischer Migranten sind die USA, Spanien, Japan und Großbritannien. In Bezug auf die Einwanderungspolitik wies Colotta darauf hin, dass es viele interkontinentale Vereinbarungen und multiregionale Absprachen gibt, etwa in der Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur, in der politischen Gemeinschaft Unasur oder in der Andengemeinschaft (Comunidad Andina). Entsprechende Arbeitskreise beschäftigen sich hier mit dem Vereinfachen der legalen Migration. Sie unterstrich auch, dass Rechtmäßigkeit, Fairness und Transparenz wesentliche Merkmale einer guten Migrationspolitik seien. Folglich müsse die Beziehung zwischen Staat, Gesellschaft, Recht und Einwanderer diese Anforderungen erfüllen. Sie erklärte, dass der Mangel an Integration sich häufig in der Unfähigkeit widerspiegele, Gewalt in der Familie zu verhindern.. Dass bedeutee, dass Migranten, die aus einem Milieu kommen, in dem häusliche Gewalt an der Tagesordnung stehe, ihre Gewohnheit nicht ändern, sofern keine Anpassung an die kulturellen Wert vor Ort, wie zum Beispiel Gewaltverzicht zum Lösen von Konflikten, stattfinde.

In Bezug auf den theoretischen Rahmen der Migrationspolitik präsentierte Colotta drei Ansätze: Erstens, die Gleichgewichtstheorie, die einen wirtschaftlichen Standpunkt beziehe und das Überangebot an Arbeitskräften der Nachfrage an Arbeitskräften gegenüberstelle und somit einen ökonomischen Standpunkt beziehe. Zweitens die historisch-soziale Perspektive, die Dependenztheorie, die den Postkolonialismus und die Gegenpole Zentrum und Peripherie umfasse. Die Dependenztheorie gehe davon aus, dass eine Abhängigkeit zwischen rohstoffreichen Nationen und Industrieländern besteht. Der Postkolonialismus besage, dass auch nach Ende des Kolonialismus dessen Strukturen weiterbestünden. Der Gegensatz Zentrum/Peripherie besage, dass Entwicklung im Zentrum stattfinde, die Peripherie hingegen benachteiligt sei, hier träten vermehrt Infrastrukturprobleme, Fachkräftemangel und ähnliches auf. Drittens nannte sie die Theorie des gegenseitigen Nutzens, die anerkenne, dass sowohl die Migranten als auch das Zielland von der Migration profitieren.

Als Problemfelder der Integration zählte sie auf: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Misstrauen, die öffentliche Meinung, die die Migranten stigmatisiere und dadurch auch die fehlerhafte Assoziation von Verbrechen mit Migranten fördere. Jenseits der legalen Migration machte Colotta außerdem auf Menschenhandel, Versklavung von illegalen Einwanderern und andere Delikte, die mit Migration in Verbindung stehen, aufmerksam.

Schließlich widmete sich die Dekanin der Reintegration von argentinischstämmigen Migranten. Im Jahr 2001, nach der letzten großen wirtschaftlichen Krise, wanderten viele argentinische Fachkräfte aus. Mit dem Programm „Raíces“ („Wurzeln“), versuchte die Regierung die Zurückgekommenen erneut in Argentinien Fuß fassen zu lassen.

Die Politikwissenschaftlerin fasste zusammen, dass Migrationspolitik ein komplexes Phänomen sei, welches nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht gemessen werden könne. Des Weiteren erinnerte sie, dass „nur politische Rahmenbedingungen nicht ausreichen. Mit dem Gesetz allein ist es nicht getan”. Daher rief sie die Institutionen auf, mit den Verbänden der Migranten zu interagieren, um die Migration und die Integration in der Empfängergesellschaft zu erleichtern und das Einwandern gesetzlich zu regeln. Darüber hinaus betone Mealla, dass die Gesellschaft nicht vergessen dürfe, welchen Mehrgewinn die Migranten für die Gesellschaft darstellen. Man soll sich nicht von Stereotypen beirren lassen.

Schlussfolgerungen und Vorschläge

Er erklärte, dass es in den vergangenen Sitzungen gelungen sei 18 verschiedene Sichtweisen auf das Thema Entwicklung zu bekommen. In Argentinien habe man auf verschiedene Art und Weise versucht, die Entwicklung voranzutreiben: durch das den Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse (1880-1930), durch das Substituieren von Importen (1945-1975) oder durch eine liberale Wirtschaftspolitik (1976-2001). Er ließ die Frage offen, ob sich Argentinien heute im Zeitalter einer Neo- oder Postentwicklung befinde. Der Ethik-Professor warnte außerdem, dass die Wahrnehmung der „Entwicklung“ abhängig von Faktoren wie dem sozialen Status oder der Lebenssituation. sei. Des Weiteren zeigt er die Beiträge und Perspektiven der Bildung für Entwicklung zwischen Völkerrecht und der Abhängigkeit von Theorie, der Befreiungstheologie und der Süd-Süd Zusammenarbeit auf. Abschließend betonte er, dass Lateinamerika zwar nicht der ärmste, aber der ungleichste Kontinent der Welt sei.

Anna Louise Julke, Leon Wisskirchen, Carmen Leimann

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EpD III-1 KAS Argentinien.
EpD III-3 KAS Argentinien.
EpD III-4 KAS Argentinien.
EpD III-2 KAS Argentinien.

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