Veranstaltungsberichte

Journalistentreffen und Vorstellung des Buches “Journalismus verstehen“ („Cómo entender al periodismo“) von W. Donsbach

Auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung trafen sich am Mittwoch, den 20. Mai 2015, ausgewählte Journalisten, um sich zu den aktuellen Herausforderungen und Perspektiven des Journalismus auszutauschen.

Die Diskussionsrunde, die an der Universidad Austral stattfand, schnitt vorwiegend Themen an, die Wolfgang Donsbach in der neu erschienenen Publikation „Journalismus verstehen“ („Cómo entender al periodismo“) behandelt. Das Buch stellt eine Auswahl der Werke des Kommunikationswissenschaftlers Wolfang Donsbach dar, das der Journalismusprofessor Fernando Ruiz und die Konrad-Adenauer-Stiftung herausgegeben haben.

Neben Journalisten aus Print- und online-Medien nahmen auch zahlreiche Professoren der Kommunikations-und Medienwissenschaften sowie Lehrbeauftragte von Journalismus-Lehrgängen an der Veranstaltung teil.

Eine der Schlüsselfragen lautete: „Wie gelingt es, sich an den schleichenden Bedeutungsverlust des Journalistenberufes anzupassen?“. Die eindeutige Antwort der Anwesenden: Nur guter, unabhängiger Journalismus kann sich auch in der digitalisierten Welt der Nachrichten behaupten. Qualitätsjournalismus umfasse nicht nur die Fähigkeit, Fakten von Gerüchten unterscheiden sowie stets tiefgehende und detaillierte Recherchen betreiben zu können, sondern auch die Interessenlandschaft der Menschen aufzuzeigen. Leser und Hörer müssten ihre Fragen, Interessen und Meinungen in den Medien wiederfinden und gesellschaftliche Diskussionen mitverfolgen können – nur so erfüllen die Medien ihre Rolle in einer pluralistischen Gesellschaft und bleiben Ausdruck von Demokratie und Meinungsfreiheit.

Journalisten, so die Teilnehmer des Gesprächsforums, müssten eine Reihe an Fähigkeiten und Fertigkeiten mitbringen, um ihrer Rolle in der Demokratie gerecht zu werden und ihre Leser mit qualitativ hochwertigem Journalismus zu überzeugen. Dazu zählten unter anderem ausgeprägte Kenntnisse der Sprache und Kultur des jeweiligen Landes sowie eine adäquate, journalistische Ausbildung.

Neben der primären Herausforderung, der Krise des Journalistenberufs, handelte die Diskussion von Schwierigkeiten, denen sich die Journalisten von heute stellen müssen - dabei stachen insbesondere der Überfluss an Informationen sowie der fehlende Qualitätsanspruch in der kontemporären Nachrichtenkultur hervor. Der sprunghafte Anstieg an Online-Nachrichten, die gratis und für jedermann und zu jeder Tageszeit zugänglich sind, ging auch mit einer erhöhten Anzahl an unzureichend recherchierten Meldungen einher, die heutzutage aufgrund der Digitalisierung eine weitaus größere Reichweite haben als jemals zuvor. Unter diesen Umständen sei der Journalismus heute umso mehr gefragt, mit Qualität anstatt mit Quantität die Leser für sich zu überzeugen. Neben den bereits erwähnten ausgeprägten Sprach-, Kultur- und Landeskenntnissen sowie einer exzellenten Journalistenausbildung seien auch ausgezeichnete Methodenkenntnisse und ein professionelles Auftreten von herausragender Bedeutung, um die Professionalität im Journalistenberuf zu sichern.

Die Teilnehmer der Diskussionsrunde waren sich über die Notwendigkeit eines Richtungswechsels im Berufsfeld des Journalismus einig, um sich an die neuen Gegebenheiten, darunter insbesondere der Digitalisierung von Informationen und der gestiegenen Bedeutung sozialer Medien, anzupassen.

Abschließend fassten die Teilnehmer die Ergebnisse der Diskussionsrunde zusammen und hoben einzelne Handlungsempfehlungen hervor, die dazu beitragen könnten, die derzeitigen Herausforderungen des Journalismusberufs erfolgreich zu konfrontieren: die Debattenkultur stärken, sich den neuen Aufgaben mit einer offenen Einstellung annehmen sowie sich immer wieder vor Augen führen, dass ein Journalist den Interessen und Sorgen der Bevölkerung in einer Demokratie eine Stimme verleihen und nicht zuletzt immer auch die Regierenden kritisch begleiten soll.