Veranstaltungsberichte

Mitarbeiterkonferenz Lateinamerika in Buenos Aires, Argentinien

von Hans-Hartwig Blomeier
In der Woche vom 15. bis zum 21. März 2009 fand die Mitarbeiterkonferenz Lateinamerika der Konrad-Adenauer-Stiftung in Buenos Aires statt.

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Teilnehmer waren von Seiten des Vorstandes Ministerpräsident a.D. Prof. Dr. Bernhard Vogel und Staatsminister a.D. Anton Pfeifer, von Seiten der Geschäftsleitung Dr. Gerhard Wahlers (stellv. Generalsekretär), aus dem INT Hans-Hartwig Blomeier, Reinhard Willig, Walter Glos, Norbert Eschborn und Felix Dinessen sowie aus dem DLZ Markus Rosenberger. Es nahmen ferner 16 Auslandsmitarbeiter aus 12 Ländern Lateinamerikas inkl. 4 Regionalprogramme sowie der Vertreter der KAS aus Washington teil. Externe Referenten waren Hanns-Eberhard Schleyer (ZDH) und Juan Luis Bour (FIEL-Argentinien) sowie Dr. Ducklau (BMZ).

Ausgehend von einer Grundsatzdiskussion über die Bedeutung der Region Lateinamerika für die internationale Arbeit der KAS, bei der deutlich wurde, dass in der Region die Demokratie so wie wir sie verstehen zunehmend in Frage gestellt wird und demzufolge die Systemfrage (Demokratie oder populistisches Caudillo-System) vor dem Hintergrund der ungelösten sozialen Probleme in den Vordergrund rückt, muss die KAS mit ihren Partnern hier eindeutig Position beziehen.

Diese Partner sind in Lateinamerika vorhanden und müssen intensiv eingebunden werden. Förderung und Forderung lautet dabei das Prinzip, wenn mit diesen Partnern auf Augenhöhe kooperiert werden soll.

Im Rahmen der Ordnungspolitischen Diskussion war festzustellen, dass die Demokratiefähigkeit in Lateinamerika engstens an die Fähigkeit gekoppelt ist eine sozial gerechte Wirtschafts- und Sozialordnung und v.a. eine effiziente Armutsbekämpfung zu gewährleisten. Armut wird aber in der Region immer mehr in der Dimension der Exklusion gesehen, also nicht mehr nur auf materieller Ebene. Die Exklusion von Sozialleistungen (Gesundheit, Erziehung) und die fehlende politische Partizipation marginalisierter Bevölkerungsschichten sind Punkte, der politisch angegangen werden müssen. Hier müssen Konzepte und auch Überzeugungen geändert werden, wodurch dieser Aspekt auch eng an die Frage der Verantwortung der Eliten gebunden ist.

Bei den außen- und sicherheitspolitischen Herausforderungen wurde deutlich, dass

die Grenzen zwischen Außen,- Sicherheits- und Entwicklungspolitik dabei nicht mehr bestehen, hier ist vernetztes Denken und Handeln gefragt. Die zunehmende Präsenz Chinas, Russlands und auch des Iran in Lateinamerika stellen außen- und sicherheitspolitische Herasuforderungen dar, die weit über eine Diskussion des „Phänomens Hugo Chavez“ hinausgehen. Diese Präsenz ist für Europa und die USA eine Tatsache die zeigt, dass die Diskussion über Lateinamerika auch aus dieser Perspektive intensiviert werden muss. Aber auch die Drogenproblematik und die damit verbundenen Sicherheitsrisiken (in Kolumbien und verstärkt in Mexiko) stellen Problemfelder dar, die auch Europa und Deutschland betreffen.

Dabei verfügt die KAS in Lateinamerika heute mehr noch als in anderen Regionen über ein hochrangiges Netzwerk an Kontakten in Politik und Gesellschaft, welches für diese auch globalen Fragen intensiver als bisher genutzt werden kann und muss.

Die aktuellen Projektstrukturen und diese Netzwerke sind ferner auch ein Grund dafür, warum gerade in Lateinamerika innovative Projektansätze eingeführt werden können, die auch Modellcharakter für andere Regionen hatten und haben. Dies war bei den regionalen Sektorprogrammen Medien und Rechtsstaat so und gilt heute für SOPLA (Soziale Ordnungspolitik). Mit PPI (politische Partizipation der indígenas) ist zudem ein gezielt auf die Region zugeschnittenes Sektorprogramm eingeführt worden.

Auch das Verwaltungs- und Dokumentmanagementsystem PASTIS wird als Pilot in Lateinamerika eingeführt, weil hier die Strukturen im Partnerbereich und auch in den Büros am ehesten ein Implementierung zulassen.

Bei der Umsetzung dieser und anderer Themenschwerpunkte der KAS-Arbeit in Lateinamerika spielt die Frage nach den notwendigen und geeigneten Partnern eine zentrale Rolle.

Das Partnerprinzip ist in der KAS nach wie vor ein Markenzeichen, muss aber den aktuellen Herausforderungen angepasst werden.

Die hochrangige Präsenz aus Vorstand, Geschäftsführung und INT einerseits und die bemerkenswerte Mischung bei den Auslandsmitarbeitern aus jungen Nachwuchskräften und langjährigen erfahrenen Kollegen haben diese Konferenz zu einem wichtigen Meilenstein bei der Weiterentwicklung der Lateinamerikastrategie der Konrad-Adenauer-Stiftung gemacht, auf den nun die weitere Arbeit aufbauen kann.

Bericht zum Besuch des Vorsitzenden der KAS, Prof. Dr. Bernhard Vogel in Buenos Aires: >>