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Brasilianische Reaktionen auf die Griechenland-Krise

von Friedrich Christian Matthäus
Das Thema Griechenland wird in Brasilien medial zwar dargestellt, aber inhaltlich nur wenig diskutiert und interpretiert. Brasilien schaut 2015 zunehmend nach innen.

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Generell ist die Griechenland-Krise ein Thema, das die brasilianische Gesellschaft nur bedingt interessiert. Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen und damit auch innenpolitischen Krise, positioniert sich auch die Regierung nicht ausführlich.

Nicht zuletzt der aktuelle Korruptionsskandal „Petrolão“ involviert sowohl hochrangige Politi-ker als auch Spitzenmanager der wichtigsten brasilianischen Unternehmen. Auch Präsidentin Dilma Rousseff und ihr Amtsvorgänger Lula da Silva stehen im Verdacht, von den nepotistischen Verstrickungen zwischen der politischen und wirtschaftlichen Elite des Landes gewusst zu haben.

Unter diesen Voraussetzungen ist eine klare Positionierung und eine interventive Außenpolitik derzeit auf der Regierungsagenda nicht vorgesehen, auch nicht bezüglich der Griechenlandkrise. Die regierende Arbeiterpartei PT von Präsidentin Dilma Rousseff veröffentlichte am Folgetag des griechischen Referendums einen Vermerk mit Hinweisen auf etwaige Freude über den Ausgang des Plebiszits. So wurde unter anderem von einem „Triumph“ über den „finanziellen Terrorismus“ der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds gesprochen und von „tiefem Respekt und Bewunderung“ des griechischen Volkes, der „Wiege der Demokratie“, welches sich gegen den „wilden Kapitalismus“ aufgelehnt habe.

Offizielle Kommentare in den großen Tageszeitungen unterstreichen diese Tendenz. So erschien am 16. Juli 2015 ein Kommentar in der Folha de S. Paulo, in der die europäische Währungszone als Klassenprojekt der Besserverdienenden dargestellt wurde. Das Argumentationsmuster kommt dem der Europäischen Linken nahe. Eine negative Darstellung der Bundesrepublik Deutschland lässt sich hieraus jedoch nicht ableiten; die negative Berichterstattung bezieht sich auf die kapitalistische Wirtschaftsweise und die sie repräsentierende politische wie wirtschaftliche Elite. Insgesamt konzentrieren sich die brasilianischen Medien auf die bloße Beschreibung der Griechenland-Einigung sowie die Aufzählung der Reformen. Die zu erwartenden Folgen für die Europäische Integration werden nicht tiefgründig thematisiert, ebenso wenig wie das künftige Verhältnis zwischen Brasilien und der Europäischen Union. In der Zivilgesellschaft wird das Thema wenig debattiert. In den Sozialen Medien, welche in Brasilien international betrachtet überdurchschnittlich viel benutzt werden, nehmen die Beiträge zu den verwendeten Hashtags einen zu vernachlässigenden Anteil an.

Die Partei PSDB ließ keine offizielle Stellungnahme verlauten. Sie konzentriert sich wie jeher auf innenpolitische Themen, ihre einzige scharf artikulierte außenpolitische Kritik betrifft Venezuela. Im persönlichen Gespräch mit dem KAS-Auslandsmitarbeiter in Brasilien zeigte der PSDB-Parteivorsitzende Aécio Neves jedoch jüngst Verständnis für die Forderungen und Auflagen der Euro-Gruppe gegenüber Griechenland.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Thema Griechenland in Brasilien medial zwar dargestellt, aber inhaltlich nur wenig diskutiert und interpretiert wird. Brasilien schaut 2015 zunehmend nach innen.

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Franziska Hübner

Franziska Hübner bild

Referentin Stabsstelle Evaluierung

Franziska.Huebner@kas.de +49 30 26996-3513
Brazil on the Greek Crisis KAS Brasilien

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