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Veranstaltungsberichte

Brasilianische Bürgermeister besuchen Berlin, Düsseldorf und Essen

von Carmen Leimann-López
Zwischen dem 11. und 17. Dezember 2022 veranstaltete die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) ein Besuchsprogramm für brasilianische Bürgermeister in Deutschland. Daran nahmen Mandatsträger aus verschiedenen Regionen des Landes teil. Ziel der Reise war es das Verständnis für die föderalen Strukturen Deutschlands zu fördern, einen kommunalpolitischen Austausch auf Augenhöhe anzuregen und ein Netzwerk unter den Teilnehmenden aufzubauen.

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Die einwöchige Besuchsreise führte die Gruppe nach Berlin und Nordrhein-Westfalen. Dort fanden Gespräche mit den Leitern verschiedener Abteilungen der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie mit der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU statt. Des Weiteren wurden Termine in der deutsch-brasilianischen Parlamentariergruppe des Bundestags wahrgenommen sowie im Landtag von Berlin und Landkreistag von NRW. Auch der Besuch des Ruhrgebiets sowie des Stadtwerks Essen waren Teil des Programms. Darüber hinaus fanden Gespräche über Gesundheitspolitik, Digitalisierung, Bildung und Umweltschutz statt. Die erste Bürgermeisterin von Essen, Julia Jacob, und der Oberbürgermeister von Düsseldorf, Dr. Stephan Keller, empfingen ihre Amtskollegen in den jeweiligen Rathäusern. Die Delegation wurde von Mitgliedern des KAS-Projektpartners Oficina Municipal, ein brasilianisches Bildungswerk für Kommunalpolitiker und interessierte Bürger, dem Tourismussekretär der Stadt Rio de Janeiro und einer Vertreterin des Auslandsbüros Brasilien begleitet.

Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Herausforderungen denen sich Kommunen in föderalen Systemen wie Deutschland und Brasilien stellen müssen. Hierzu zählen die kommunenübergreifende Zusammenarbeit in Grundsatzfragen wie Transport, Wasser- und Energieversorgung sowie Abfallwirtschaft, aber auch Fragen der Finanzierung von Regierungsvorhaben sowie das Verhältnis der Städte und Gemeinden zu den Bundesländern bzw. Bundesstaaten und zur Bundes-/Nationalregierung. Dabei wurden die Unterschieden zwischen präsidentiellen und parlamentarischen Demokratien deutlich. So haben die Kommunen in Deutschland mehr institutionelle Zugänge zu höheren Regierungsebenen, wohingegen die brasilianischen Gemeinden oft auf die Unterstützung der staatlichen und föderalen Abgeordneten angewiesen sind. Zudem existiert das Konzept der Landkreise in Brasilien nicht. Die Prinzipien der kommunalen Selbstverwaltung, Subsidiarität und Konvexität kamen mehrmals zur Sprache. Im Bereich der Digitalisierung stellte sich heraus, dass Brasilien bereits sehr fortgeschritten ist, was die digitale Abwicklung von Behördengängen, Beratung von Bürgern mithilfe künstlicher Intelligenz, den Ausbau der 5G-Netze, Gesichtserkennung durch Überwachungskameras und elektronischen Zahlungsmitteln sowie im Verwalten von Gesundheitsakten und Medikamentenbeständen ist. Mit Blick auf die Gesundheitspolitik teilen Deutschland und Brasilien die Herausforderung, die psychosozialen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie, das Ausbreiten von Krankheiten sowie den Drogenkonsum zu bekämpfen. Im Feld der Umweltpolitik sind beide Länder um den Erhalt der Artenvielfalt und Biodiversität bemüht. Die Fortschritte in diesen Bereichen sind aus den jeweiligen Nachhaltigkeitsberichten und Maßnahmen für den Umweltschutz, nachhaltigen Transport und Bildungsinitiativen ersichtlich. Beim Austausch über die Bildungspolitik in Deutschland wurden die Unterschieden zwischen dem dreigliedrigen Schulsystem und der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte im Vergleich zu Brasilien deutlich, wo es Gesamtschulen gibt und die Mehrheit der Schüler Privatschulen besuchen. Beide Länder nahmen in der Vergangenheit an der PISA-Studie zur Messung der Schülerleistung teil und müssten sich im Rahmen der Covid-19-Pandemie Herausforderungen wie Fernunterricht und der Prävention von Schulabbruch stellen. Ein weiteres wichtiges Thema war die Energieversorgung durch erneuerbare Träger. Dabei kamen die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Solarenergie, aber auch Wind- und Wasserkraft und grüner Wasserstoff sowie die Kooperationspotentiale beider Länder in diesem Bereich zur Sprache. Die Reise endete mit einem Evaluierungsgespräch. Dabei wurde der Erkenntniszuwachs aller Beteiligten thematisiert, insbesondere was interkulturelle Unterschiede und das gegenseitige Verständnis für kommunalpolitische Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anbelangt.

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Kontakt Anja Czymmeck
Anja Czymmeck
Leiterin des Auslandsbüros Frankreich
anja.czymmeck@kas.de +33 1 56 69 15 00
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