Veranstaltungsberichte

Programm für eine ökologisch-soziale Marktwirtschaft?

von Tina Mercep

Politische Impulse der Umwelt- und Sozialenenzyklika „Laodato Si“

Am 18 Juni 2015 veröffentlichte Papst Franziskus die Umwelt- und Sozialenenzyklika „Laudato Si“ - Über die Sorge für das gemeinsame Haus. In seinem Werk fordert der Papst die internationale Gemeinschaft zu einem neuen Handeln für die Umwelt auf. Anlässlich des herannahenden Klimagipfels stellte Herr Dr. Belafi von der Deutschen Bischofskonferenz die Enzyklika vor und diskutierte anschließend mit unseren anderen Referenten die sich daraus ergebenen Impulse für die Politik.

Am 18 Juni 2015 veröffentlichte Papst Franziskus die Umwelt- und Sozialenenzyklika „Laudato Si“ - Über die Sorge für das gemeinsame Haus.

In seinem Werk fordert der Papst die internationale Gemeinschaft zu einem neuen Handeln für die Umwelt auf. Anlässlich des herannahenden Klimagipfels stellte Herr Dr. Belafi von der Deutschen Bischofskonferenz die Enzyklika vor und diskutierte anschließend mit unseren anderen Referenten die sich daraus ergebenen Impulse für die Politik.

Die neue Enzyklika von Papst Franziskus ist bewusst auf ein internationales wie politisches Ereignis ausgerichtet: Die Weltklimakonferenz im Dezember 2015 in Paris. Schon im Vorfeld hatte sich der Papst auf internationaler Ebene engagiert, zuletzt im Rahmen eines Besuchs bei den Vereinten Nationen. Dort hatte er die Weltgemeinschaft zum Kampf gegen Umweltzerstörung und Armut aufgefordert.

Wie begründet sich das Engagement der Kirche in der Sozial- und Umweltpolitik? Die katholische Soziallehre nimmt Ihren Auftakt im Jahr 1891. Sie wurde von Papst Leo XIII. mit seiner Schrift über die Problematik der sozialen Gerechtigkeit begründet. Die so genannte Enzyklika „Rerum Novarum“ gilt als Mutter aller Sozialenzykliken, da sie bereits erste Postulate einer sozialen Marktwirtschaft erkennen lässt. In weiteren Enzykliken, darunter die von Pius XI. und die von Johannes Paul II. wird die Grundidee einer Verbindung von Freiheit und sozialer Gerechtigkeit weiter ausgebaut. Die beiden Eckpfeiler Freiheit und soziale Gerechtigkeit sollen die ethische Grundlage für eine Wirt-schaftsgesellschaft bilden. Hieraus ergibt sich der gesellschaftliche und auch diakonische Auftrag der Kirche. Gemäß der katholischen Soziallehre solle die Wirtschaft stets auf das Gemeinwohl ausgerichtet sein.

In seiner Enzyklika richtet sich Papst Franziskus nicht nur an die Christen sondern an jeden Menschen, „der auf diesem Planeten wohnt“. Angesichts der drohenden Umweltkatastrophen durch die Erderwärmung appellierte der Papst zu weltweitem Handeln. Besonders für die Christen besitzt der Schutz der Schöpfung hohen Stellenwert. „Macht Euch die Erde untertan!“ Diese Phrase aus dem Alten Testament solle nicht als Freibrief zur Ausbeutung der Erde verstanden werden, so Papst Franziskus. Dementgegen betont er die Hochachtung vor der Natur. Dr. Belafi machte darauf aufmerksam, dass die Enzyklika auch eine optimistische Botschaft verkündet. Sofern sich die Menschen als Familie und die Erde als gemeinsames Haus verstehen, könne der Kampf gegen die Erderwärmung erfolgreich bestritten werden. Die Einbindung aller Akteure ist somit unerlässlich für den Erhalt unseres Planeten.

Gérard Kiefer, der Umweltbeauftragte der Diözese Luxemburg, begrüßte den Appell von Papst Franziskus zu einem internationalen Dialog. Seiner Auffassung nach können durch den Austausch aller Akteure neue Leitlinien für Dialog und Aktion gesetzt sowie Ideologien vorgebeugt werden. Zudem kann die Enzyklika eine Inspiration für die Politik sein.

Das Manifest hebt weiterhin hervor, dass der Klimawandel menschengemacht ist, forciert durch das hohe Konsumniveau der reichen Industrieländer. Für sie entstehe zudem eine ökologische Schuld, angesichts des überproportionalen Verbrauchs von Ressourcen. Das verschwenderische Konsumverhalten wie die Ausbeutung des Planeten gehe zu Lasten der Ärmsten der Welt. Deswegen fordert der Papst die Einschränkung des Konsums sowie eine Rezession der Wirtschaft.

Seiner Ansicht nach ist der vorherrschende Wunsch nach permanenter Gewinnmaximierung eine Verzerrung des Wirtschaftsbegriffs. Zum einen wird dabei die Ausrichtung auf das Gemeinwohl vernachlässigt, zum anderen sei grenzenloses Wachstum schlichtweg nicht möglich, da Ressourcen nur begrenzt verfügbar sind. Hierbei wendet sich der Papst konkret gegen die Leugner des Klimawandels. Dr. Belafi verwies da-rauf, dass dieses Statement ein Novum der katholischen Kirche sei – vor allem im Hinblick auf viele Klimawandelskeptiker in Nordamerika.

Doch nicht nur die Industrieländer stehen im Fokus der Aufmerksamkeit. Dr. Belafi erklärte außerdem, dass die Enzyklika dazu aufrufe, dass jeder Einzelne seinen Lebensstil ändern solle. Im Sinne einer ökologischen Umkehr könne jeder seinen Beitrag zu einem bewussteren Konsum und einem stärkeren Umweltbewusstsein leisten. Schließlich entstehe ein Gesamtbild einer ganzheitlichen Ökologie, die sich auf die Gesellschaft, den Menschen und die Natur beziehe.