Veranstaltungsberichte

Projekte und Finanzierung für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum

von Eva Majewski

Die Erfahrungen der KfW in Südosteuropa

Im Europabüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Brüssel, traf sich am 8. Oktober 2014 ein interessiertes Fachpublikum um Herrn Roland Siller, Mitglied des Management-Boards der KfW. Das Referat befasste sich mit Finanzierungslösungen im Sinne intelligenten und nachhaltigen Wachstums in Südosteuropa – und wie das Engagement des Privatsektors hierfür gestärkt werden könnte.

Herr Siller konstatierte zunächst, dass das Bestreben zu nachhaltigem und intelligentem Wachstum von vielen Seiten erstrebt würde. Dies drückt sich durch u.a. in den Strategien sowohl der EU (SEE 2020) als auch in anderen Wirtschaftsräumen, z.B. Asien aus. Die vergangenen Jahre seien jedoch jedoch von einigen Komplikationen gekennzeichnet gewesen. So offenbarte die Finanz- und Schuldenkrise die strukturelle Schwäche der Wirtschaft in vielen Teilen Europas, aber eben insbesondere auch im Balkan. Obwohl schon vieles unternommen wurde um diese Schwäche zu lösen, sind strukturelle Probleme immer noch vorhanden. Die Erfahrung zeige, dass die osteuropäischen Staaten, im Vergleich zu wirtschaftlich ähnlich aufgestellten Ländern, ein hohes Vertrauen in private Investoren setzen und Investitionsprojekten gegenüber offen sind.

Er bekräftigte, dass der Beitritt zur Europäischen Union, neben anderen positiven Aspekten, auch das Potenzial ausländischer Direktinvestitionen erhöht. Die EU eröffnet den Staaten einen breiten Markt mit besserer Regulierung. Des Weiteren legt die EU verstärkt ihren Fokus auf Länder der Balkanregion und bietet Zugang zu speziellen EU-Fonds (bspw. EFSE - European Fund for Southeast Europe). Die Prioritäten liegen hier insgesamt bei einem neuen Wachstumsmodell. Es geht nicht mehr nur um billigen Kapitalimport. Es geht bei intelligentem Wachstum auch um eine Investition in die menschliche Arbeitskraft: hierdurch kann langfristig Wettbewerbsfähigkeit erzeugt werden. Exorbitante Wachstums- oder Renditequoten sind kurzfristig jedoch nicht zu erwarten.

Investoren soll dies nicht abschrecken. Der Weg zu nachhaltigem Wachstum sei lang aber lohnenswert. Neben solchen Investitionen spielt auch die Ressourcenschonung eine große Rolle. Dies ist gerade für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) von großem Interesse. Für die Balkanregion, welche Herr Siller als praktisches Beispiel mit Zahlen unterlegte, nannte er eine Summe von benötigten 70 bis 100 Milliarden Euro Investitionsvolumen. Dieser Bedarf stellt eine enorme Herausforderung dar. Gerade aufgrund der Tatsache, dass die Staaten in und durch die Staats-schuldenkrise ihren Schuldenstand weiter erhöht haben und eine öffentliche Finanzierung somit schwieriger geworden ist.

„Dennoch haben wir es hier mit einer Zukunftsstrategie zutun. Es kommt darauf an die Jugend in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, sprach sich Siller aus. Er äußerte den Wunsch, dass mehr Investitionen aus dem privaten Sektor mobilisiert werden. Dazu bedarf es einer weiteren Verbesserung der Infrastruktur und der Transparenz der Regulierung.

Der Referent präsentierte einige Lösungsmöglichkeiten. Zum einen liegt ein Hauptaugenmerk auf der technischen Nutzung, Ausgestaltung und Design des Projektes. Die reine Überschwemmung der Region mit Geld führt nicht mehr zum Ziel. Hinsichtlich des Designs spielt der soziale Aspekt eine große Rolle. So sollten die Menschen vor Ort von den Auswirkungen und Vorteilen des Projektes profitieren- so könne die Akzeptanz erhöht werden.

Aus Sicht von Herrn Siller animieren die Banken die Regierungen bereits in mehr soziale Projekte zu investieren. Sozialverträgliche Programme sind jedoch nur innerhalb eines langfristig gesteckten Planes zu erreichen. Die KfW selbst sieht sich als katalytisches Element im Markt. Investitionen im privaten Sektor sind sowohl für die Banken als auch für die Regierungen von Interesse. Herr Siller appellierte sowohl an die Politik als auch an die Wirtschaft, dass in Zukunft mit Hilfe von finanziellen Instrumenten, Mittel von EU, nationalen Fonds und dem Privatsektor genutzt werden sollten.

Ein Risikoteilungsmechanismus kann die Investoren anregen. Erfolgreiches Beispiel hierfür sei der EU-Fonds für Südosteuropa (EFSE), welcher der größte Mini-Fonds der Welt ist. Der Mechanismus zeichnet sich dadurch aus, dass EU und Banken die ersten Risikoträger seien. Erst danach müsse der Privatsektor Verluste tragen.

Insgesamt sollte der Fokus jedoch vor allem auf dem richtigen Design des Projektes liegen. Zusammenfassend stellte er noch einmal fest, dass die Mobilisierung von privaten Investoren eine langfristig tragfähige Strategie darstellt. Öffentliche Investoren sollten sich zunehmend als katalytische Akteure auf dem Markt verstehen. Dies hat mit Vorrang für regionale Projekte in kleineren Ländern den Vorteil, dass solche Länder ihre geringe Größe über ein stabiles Design ausgleichen können. Die Nutzung der EU-Fonds stellt einen großen Fortschritt dar und ist zudem neben den übrigen öffentlichen Fonds ein wichtiges Instrument im finanziellen Rahmenkonstrukt des Marktes.

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Eva Majewski