Veranstaltungsberichte

Aufstieg durch Bildung

von Johannes Christian Koecke

Bildung ist nicht nur Bildung, sondern auch education

Der streitbare Publizist Bernhard Bueb ("Lob der Disziplin"), früherer Leiter von Salem, stellte in einem Abendvortrag in Bonn den Zusammenhang zwischen schulischer Bildung, Charakterbildung und dem "Glück der Anstrengung" her.
Bernhard Bueb, Autor zweier pädagogischer Streitschriften mit Titeln wie "Lob der Disziplin" und "Von der Pflicht zu führen", geht ein Ruf voraus, der von interessierter Seite gelenkt wird, aber auch typisch für die deutsche Bildungsdebatte ist. Sobald Begriffe wie "Disziplin", "fordern", "Anstrengung", "Verantwortung" aufgeführt werden, schnappt die Falle zu: Von da an ist man Vertreter "rückwärtsgerichteter Konzepte" und "autoritär-repressiv".

In einer Abendveranstaltung der Politischen Bildung der Konrad-Adenauer-Stiftung im Wisenschaftszentrum Bonn war für über 150 Zuhörer Gelegenheit, den Zusamenhang zu verstehen, in dem Bueb solche Begriffe gebraucht. In einem Vortrag mit dem Titel "Aufstieg durch Bildung" machte Bueb klar, was er am deutschen schulischen Bildungswesen für problematisch hält. Es geht ihm nicht um Strukturfragen und das Bildungssystem, sondern um die grundsätzliche Frage, was Schule erreichen will und wie sie dieses Ziel erreichen kann.

Bueb kritisiert, dass die deutsche Schule den rein kognitiven Transport von Bildungsinhalten in die Köpfe junger Menschen zum Ziel habe und nicht die Stärkung der Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler, die Verbesserung ihres Selbstwertgefühls. Schule denke mechanisch und funktional und vergesse dabei, dass ihr eigentliches Ziel das Glück (im umfassenden Sinne) der Kinder und Jugendlichen sei. Erst aus diesem Glück heraus könnten Sie nämlich verantwortlich handeln und die Aufgaben in der Gesellschaft übernehmen, für die sie ein Talent haben. Ziel der Bildung ist Handeln und nicht bloßes Wissen. Zu diesem Glück gehört aber Anstrengung und es gehört dazu die Einbindung von Disziplin.

An diesen Ausführungen konnte man erkennen, dass Bueb von der Reformpädagogik kommt, die sich gegen die Lernmaschinerie wendet und ganzheitlich denkt. Jugendliche brauchen Anerkennung und Respekt; der wird ihnen im gegenwärtigen Schulsystem häufig (und meist ungewollt) nicht entgegengebracht. Es braucht dazu aber auch Zeit, und so schilderte Bueb nicht nur seine Erfahrungen aus 31 Jahren Leitung der Schule Schloss Salem, sondern auch mit Reformprojekten an Hauptschulen, wo erst Aktivitaäten wie Ballett, Hiphop, Theater und Sport den lernunwilligen Schülern das Selbstwertgefühl geben, mit dem sie dannn auch ans Lernen gehen können.

Eine Strukturfrage hatte Bernhard Bueb dann aber doch damit berührt und für sich entschieden: Nur die verpflichtende Ganztagsschule kann seiner Auffassung nach Lehrern und Jugendlichen die Zeit geben, um solche Erfahrungen zu machen. Erst in einem Miteinander von Lernen, kreativer Tätigkeit und Sport entsteht Charakterbildung und "Glück". Ach ja, und eine andere Frage wurde auch gleich beantwortet: Der Bildungsföderalismus ist der Sache seiner Meinung nach nicht zuträglich, er setze die Bildungsfrage zu sehr dem parteipolitischen Streit aus und fördere die Kurzfristigkeit der Maßnahmen.

In der anschließenden Diskussion war sich das auffallend junge Publikum, das zu einem guten Teil auch aus Lehrerinnen und Lehrern bestand, weitgehend mit dem Ansatz des Vortragenden einig. Der Tenor war so erwartbar wie dringlich: "Es muss etwas passieren!".

Bernhard Bueb Odehnal