Veranstaltungsberichte

Wahlkampf im Norden

Unaufgeregt und unspektakulär

Aus Anlass der Landtagswahl in Schleswig-Holstein hatte die KAS junge Politiker aus Polen, Litauen und Island eingeladen, die letzten Tage der Kampagne mitzuerleben und Gespräche mit Medienvertretern und Experten zu führen.

Dabei besuchten Sie die Abschlussveranstaltung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Tornesch/Pinneberg und führten ein Gespräch in der Landesgeschäftsstelle der CDU. Um zu sehen, wie junge Wähler angesprochen werden, besuchte die Delegation am Samstagabend die Eckernförder Diskothek K 7, gemeinsam mit dem Spitzenkandidaten der CDU, Jost de Jager und zahlreichen Vertretern der Jungen Union. Der Auftritt im K 7 hat in Schleswig-Holstein Tradition, schon Gerhard Stoltenberg zeigte sich dort, ebenso der derzeitige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Dies wäre in Polen nicht denkbar, Politik und Freizeit werden strikt getrennt.

Insgesamt verlief der Wahlkampf im "hohen Norden" eher unaufgeregt und unspektakulär, harte Angriffe auf den politischen Gegner würden von der Bevölkerung nicht gutgeheißen. Bei den Werbemitteln standen Plakate an erster Stelle. Diese bewegen zwar niemanden, sich für eine Partei zu entscheiden, man kann jedoch auch nicht auf sie verzichten, so die Einschätzung von Professor Krause von der Universität Kiel. Bei allen Parteien war politische Prominenz aus Berlin (und NRW) angereist, um in den letzen Tagen Präsenz zu zeigen. Während die Großveranstaltungen zur Mobilisierung der eigenen Basis dienten, versuchten die Parteien im persönlichen Gespräch in der Fußgängerzone oder an der Haustür die Wähler direkt anzusprechen. Wie schon in vorausgegangenen Wahlkämpfen nutzten die Grünen mit ihrer 3-Tage-Wach-Aktion das Internet, um rund um die Uhr Fragen zu beantworten und Kandidaten per Video zu präsentieren.

Dominierendes Thema bei den Gesprächen mit Journalisten und Experten war das Aufkommen der Piratenpartei, die auch im Stadtbild mit zahlreichen Aktionen präsent waren, stets begleitet von den Medien. Für die polnischen Gäste war der Erfolg einer neuen, unkonventionellen Partei nicht unbekannt. Bei der letzten Parlamentswahl wurde die Partei des Populisten Janusz Palikot, die sich selbst als antiklerikal und ultraliberal bezeichnete und mit "Spaßaktionen" auf sich aufmerksam machte, auf Anhieb drittstärkste Partei.