Spanien und die Lateinamerikapolitik der Europäischen Union - Auslandsbüro Chile
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Einzeltitel
Spanien und die Lateinamerikapolitik der Europäischen Union
von
Dr. Helmut Wittelsbürger, M.A. Claudia Geier
das Fallbeispiel Chile
In seinem Selbstverständnis begreift sich Spanien gerne als Teil der „iberoamerikanischen Gemeinschaft“. In offiziellen Verlautbarungen taucht der Begriff Lateinamerika nicht auf, da er den europäischen Teil dieser Gemeinschaft nicht mit einschließen würde. Aufgrund seiner besonderen Beziehungen zu den Ländern Südamerikas nimmt Spanien in der Lateinamerika Politik der Europäischen Union eine Sonderrolle ein. Diese herausragende Stellung basiert auf engen historischen und kulturellen Identitäten, wobei das entscheidende Element die gemeinsame Sprache ist.Bei seinem EU-Beitritt 1986 versucht Spanien, durch zahlreiche Initiativen in den europäischen Institutionen, Lateinamerika stärker in den Fokus der Außenpolitik der Union zu rücken. Auch setzte das Land eine Klausel im Beitrittsvertrag durch, durch die sich die Europäischen Gemeinschaften zur Intensivierung ihrer Beziehungen zu den Ländern Südamerikas verpflichteten. Die Gemeinschaft legte sich vertraglich darauf fest, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Lateinamerika sowie die regionalen Integrationsbemühungen nach Kräften zu unterstützen.Spanien übernahm damit von Anfang an die Rolle des Anwalts lateinamerikanischer Interessen in der EU. Das Land begreift sich als Brücke zwischen Europa und dem Subkontinent und beansprucht – allerdings mit abnehmender Tendenz im Zuge der spanischen Europäisierung – die Führungsrolle bei einer gemeinsamen europäischen Lateinamerikapolitik. Das jüngste Beispiel ist das Assoziationsabkommen zwischen der EU und Chile.