Herkunft, Jugend und Umzug nach Hamburg
Über die Kindheit und Jugend von Charlotte Helmke – so ihr Geburtsname – ist wenig bekannt. Sie wurde am 24. Oktober 1905 in Bremen geboren und wuchs auf einem Bauernhof in der Umgebung auf. Von 1911 bis 1921 besuchte sie das Lyzeum Vietor in Bremen. Danach hielt sie sich längere Zeit für Sprachstudien in England und in Belgien auf. 1935 heiratete sie den Hamburger Bankkaufmann Ludwig Fera. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Offenbar hatte Charlotte Fera keinen Beruf erlernt, denn stets gab sie als ausgeübte Tätigkeit „Hausfrau“ an. Wo die Familie während des Zweiten Weltkriegs gelebt hat, ist unbekannt. Erst 1949 erfolgte der Umzug nach Hamburg.
Langjähriges Mitglied der Hamburger Bürgerschaft
Auf Drängen ihrer Schwiegermutter trat Fera 1951 in die CDU ein. Wegen der Schulprobleme ihrer Kinder engagierte sie sich ab 1953 als Deputierte in der Hamburger Schulbehörde. 1955 beteiligte sie sich an der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Hamburger Frauenverbände und zwei Jahre später gründete sie den Frauenarbeitskreis in der Hamburger CDU – die spätere Frauenvereinigung. Im gleichen Jahr wurde sie in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, der sie mehr als 35 Jahre angehören sollte. Fera, die ihre Pflichten als Abgeordnete sehr ernst nahm, wurde parteiübergreifend wegen ihrer Fairness und Sachkenntnis geschätzt. Als Alterspräsidentin eröffnete sie ab 1974 siebenmal hintereinander die Wahlperioden der Bürgerschaft. Als sie 1993 mit 87 Jahren auf die erneute Aufstellung zur Bürgerschaft verzichtete, war sie die älteste Abgeordnete in der Bundesrepublik Deutschland. Bei ihrer Verabschiedung am 9. November 1993 erklärte die Bürgerschaft, Charlotte Fera habe sich um Hamburg verdient gemacht. Außerdem wurde sie mit der Bürgermeister Stolten-Medaille der Hansestadt geehrt.
Aufstieg in der CDU-Frauenvereinigung
Von 1957 bis 1970 stand Fera an der Spitze der Frauenvereinigung der CDU Hamburg. In ihrer Amtszeit baute sie deren Organisation aus, gründete Arbeitskreise und ein Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. 1966 wurde sie zusammen mit Aenne Brauksiepe zur Vorsitzenden der Frauenvereinigung der CDU gewählt. Gemeinsam kämpften sie erfolgreich gegen die mangelnde Vertretung von Frauen im CDU-Bundesvorstand: Auf dem Bundesparteitag im Mai 1967 in Braunschweig rückte Brauksiepe in das CDU-Präsidium auf und wurde zu einer von vier stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt. Auch an der Ausarbeitung des ersten Parteiprogramms der CDU, des Berliner Programms von 1968, beteiligte sich die Frauenvereinigung aktiv mit Aussagen zur Berufstätigkeit und zur Teilzeitarbeit von Frauen. Auf dem Delegiertentag der Frauenvereinigung 1969 wurde die doppelte Führungsspitze abgeschafft und Brauksiepe zur einzigen Vorsitzenden gewählt. Als stellvertretende Vorsitze gehörte Charlotte Fera, die eine Frauenquote immer ablehnte, aber weiterhin der Führung der Frauenvereinigung an.
In internationalen Frauenverbänden
Die überzeugte Europäerin Charlotte Fera war auch in europäischen und internationalen Frauenorganisationen aktiv. Von 1967 bis 1973 führte sie als Präsidentin die Europäischen Frauen-Union (EFU), einem Zusammenschluss von christlich-demokratischen und konservativen Frauenorganisationen. In ihrer Amtszeit baute sie die Organisation der EFU aus, sorgte für eine hauptamtliche Generalsekretärin und stärkte die Arbeit der Kommissionen der EFU. An dem 1973 verabschiedeten Grundsatzprogramm der EFU hatte sie großen Anteil. Auch in der Frauensektion der Europäischen Volkspartei (EVP) gehörte Fera ab 1973 als Vizepräsidentin zur Führungsspitze. Mit fast 80 Jahren wurde sie 1983 noch zur Generalsekretärin der Weltunion Christlich-Demokratischer Frauen gewählt.
In der Senioren-Union
1985 zog sich Fera, der anlässlich ihres 80. Geburtstages das Große Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, zwar aus der internationalen Verbandsarbeit zurück, doch ans Aufhören dachte sie noch nicht. Bei der Gründung der Hamburger Senioren-Union am 12. Dezember 1988 wurde sie zur ersten Vorsitzenden gewählt. Schon viele Jahre hatte sie sich als Beauftragte der CDU Hamburg für Seniorenarbeit mit diesem Politikfeld befasst und 1983 ein Konzept für die Altenarbeit der CDU vorgelegt, worin sie die Gründung einer Senioren-Union vorgeschlagen hatte. Erst 1994, als ihre Kräfte schon nachließen, legte Charlotte Fera mit dem Vorsitz der Senioren-Union ihr letztes Amt nieder.
Am 10. Mai 1998 starb die große Hamburger Politikerin der Nachkriegszeit in einem Altersheim.
Auszeichnungen
1976 Bundesverdienstkreuz am Bande
1985 Großes Bundesverdienstkreuz
1993 Bürgermeister Stolten-Medaille der Hansestadt Hamburg
Lebenslauf
- 24. Oktober 1905 geboren in Bremen
- 1911–1921 Besuch des Lyzeum Vietor in Bremen
- 1935 Heirat mit Bankkaufmann Ludwig Fera, 4 Kinder
- 1949 Umzug nach Hamburg
- 1951 Eintritt in die CDU
- 1953–1970 Deputierte in der Hamburger Schulbehörde
- 1955 Mitgründerin der Arbeitsgemeinschaft Hamburger Frauenverbände (heute Landesfrauenrat)
- 1957–1993 MdHB
- 1959–1970 Vorsitzende der Frauenvereinigung Hamburg
- 1966–1969 Vorsitzende der Frauenvereinigung der CDU
- 1966–1971 Mitglied der Synode der Hamburger Landeskirche
- 1967–1973 Präsidentin der Europäischen Frauen-Union
- 1973 Vizepräsidentin der Frauensektion der EVP
- 1983 Generalsekretärin der Weltunion christdemokratischer Frauen
- 1988–1994 Vorsitzende der Senioren-Union Hamburg, Mitglied des Bundesvorstandes der Senioren-Union
- 10. Mai 1998 verstorben in Hamburg
Literatur
- Stubbe-da Luz, Helmut: Von der „Arbeitsgemeinschaft“ zur Großstadtpartei – 40 Jahre Christlich-Demokratische Union in Hamburg (1945–1985). Hamburg 1985.
- Süssmuth, Hans: Kleine Geschichte der CDU-Frauen-Union. Baden-Baden 1990.
- Artikel: Fera, Charlotte. In: Hamburg Lexikon. Hamburg 2010.