Herkunft, politisches Engagement und Zeit des Nationalsozialismus
Zur Welt kam Margarete (auch Margareta) Gröwel am 14. August 1899 als Tochter eines Lehrers in Hamburg. Nach dem Besuch katholischer Schulen in Hamburg und Erfurt absolvierte sie erfolgreich die Ausbildung zur Lehrerin und war an einer katholischen Schule im Hamburger Stadtteil Sankt Georg tätig.
1921 trat sie in die Zentrumspartei ein und engagierte sich zudem im Windthorstbund. In der Zentrumspartei lernte sie die 25 Jahre ältere Hedwig Fuchs kennen, die seit 1922 Vorsitzende des Frauenbeirats des Zentrums im Landesverband Hamburg war und 1929/30 kurzzeitig dem Reichstag als Abgeordnete angehörte. Fuchs förderte die junge Frau, in der sie eine Art Ziehtochter sah.
1924 wurde Gröwel Mitglied im Verein der katholischen deutschen Lehrerinnen (VkdL) und übernahm bald den Vorsitz der Hamburger Zweigstelle des Vereins. 1931 begann sie parallel zum Schuldienst ein Studium der Völkerkunde, austronesischen Sprachen, Germanistik und Anglistik an der Hamburger Universität, wo sie 1936 mit einer Arbeit zum Thema „Haltung und Erziehung des Kindes bei den nordamerikanischen Indianern“ zum Dr. phil. promoviert wurde.
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 setzte den VkdL politisch unter Druck, der Nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB) wurde zur Einheitsorganisation für alle Lehrerkräfte. 1936 kam es zu einem Unvereinbarkeitsbeschluss, der eine Doppelmitgliedschaft in beiden Organisationen unmöglich machte. Margarete Gröwel entschied sich – im Gegensatz zur großen Mehrheit der VdkL-Mitglieder – zur Mitgliedschaft im NSLB, wahrscheinlich in der Hoffnung, eine Stelle im höheren staatlichen Schuldienst zu erhalten, was ihr 1939 auch gelang. Gleichwohl blieb sie unter Beobachtung der Gestapo aufgrund ihrer Kontakte zu ehemaligen Mitgliedern der Zentrumspartei. Im Rahmen der „Aktion Gewitter“ im Anschluss an das Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler wurde sie verhaftet und am 22. August 1944 für fünf Tage im Konzentrationslager Fuhlsbüttel wegen „staatsgefährlicher Haltung“ inhaftiert.
Engagement in der CDU und der Frauenarbeitsgemeinschaft
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitete Margarete Gröwel zunächst in der Bibliothek des Hamburger Museums für Völkerkunde. 1945 gehörte sie in ihrer Heimatstadt zum Gründungskreis der Christlich-Demokratischen Partei (CDP), die sich 1946 in Christlich Demokratische Union (CDU) umbenannte. Bis 1953 gehörte sie auch dem Landesvorstand der Partei an.
Von 1946 bis 1952 war sie zudem Mitglied im Vorstand des Frauenausschusses der CDU Hamburg. Auf dem zweiten Parteitag der CDU in der britischen Zone, der am 28./29. August 1948 in Recklinghausen stattfand, wurde sie auf Vorschlag der Frauenarbeitsgemeinschaft in den Vorstand aufgenommen.
Am 1. Mai 1948 kam es erstmals zu einem Zusammenschluss der regionalen Frauenausschüsse, als sich im Frankfurter Hotel Monopol die Frauenarbeitsgemeinschaft von CDU und CSU gründete. Zu den Teilnehmerinnen zählten neben Margarete Gröwel Helene Weber, Luise Rehling, Christine Teusch, Maria Probst und Stephy Roeger. Sie vertraten die CDU‑Landesverbände und Frauenausschüsse der amerikanischen, britischen und französischen Besatzungszonen.
Am 14. August 1949 zog Margarete Gröwel als gemeinsame Kandidatin von CDU und FDP in den Deutschen Bundestag ein, wo sie den Hamburger Wahlkreis II (Eppendorf und Langenhorn) bis 1953 vertrat. Sie übernahm den Vorsitz des Büchereiausschusses des Parlaments und legte damit den Grundstein für die Bibliothek des Deutschen Bundestags. Im Parlament engagierte sie sich in Fragen der Frauen-, Bildungs- und Kulturpolitik, ergriff aber auch in der Plenardebatte am 5. Dezember 1952 zum Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) das Wort. Der Plan der Bundesregierung, nur sieben Jahre nach Kriegsende im Rahmen einer europäischen Armee Soldaten zu bewaffnen, führte zu heftigen Kontroversen. Laut Plenarprotokoll beteiligten sich insgesamt 44 Redner und lediglich drei Rednerinnen an der Debatte – als erste kam Margarete Gröwel zu Wort. Sie warb um eine Zustimmung zur EVG und argumentierte:
„Wir spüren es doch, wie sinnlos ein waffenloses Deutschland ist! Mit seinen ungeschützten Grenzen kann es doch nicht existieren in einer Welt, in der Gewalt vor Recht geht. […] Es geht gar nicht darum, ob neutral oder nicht neutral, sondern es geht in diesem Augenblick aus schließlich um die Entscheidung: Ost oder West. […] Frieden ist mühselige Arbeit, ist Kompromiß zwischen tausend Unzulänglichkeiten. Unzulänglichkeiten haben diese Verträge, und doch werden wir ja sagen.“
1950 wurde sie auf dem ersten Bundesparteitag der CDU in Goslar in den Bundesvorstand der CDU gewählt. Am 22./23. September 1951 konstituierte sich in Königswinter unter der Leitung von Margarete Gröwel der „Bundesfrauenausschuss der CDU“, es kam damit zu einer organisatorischen Trennung von den Frauen in der CSU. Margarete Gröwel sah es als Aufgabe des Bundesfrauenausschusses an, „einen regen Gedankenaustausch der Landesfrauenausschüsse zu erreichen, eine feste Organisation zu schaffen und die Unterrichtung über die politischen Fragen zu übernehmen“. Der Vorsitz wurde lange Jahre konfessionell paritätisch besetzt.
Auf dem 4. Bundesparteitag der CDU, der vom 18. bis 22. April 1953 in Hamburg stattfand, wurde angekündigt, dass „Fräulein Dr. Gröwel […] das Amt eines Konsuls der deutschen Bundesrepublik im Staate Texas in den Vereinigten Staaten von Nordamerika“ übernehmen und daher ihre Ämter in der CDU niederlegen werde. Sie schied zum Ende der Legislaturperiode aus dem Bundestag aus. Margarete Gröwel wurde damit als erste Frau im deutschen Konsulardienst tätig. Im Anschluss an ihre Tätigkeit in Houston war sie von 1962 bis 1964 als Konsulin in Lüttich (Belgien) tätig. Im Jahr ihres Amtsantritts als Konsulin in Texas heiratete sie den österreichischen Ingenieur Maximilian Sztollar und führte danach den Doppelnamen Sztollar-Gröwel.
1965 wurde Margarete Gröwel mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet.
Am 20. Januar 1979 ist sie in Salzburg verstorben.
Lebenslauf
- 14. August 1899 Geburt in Hamburg
- 1921 Eintritt in die Deutsche Zentrumspartei
- 1936–1945 Mitgliedschaft im Nationalsozialistischen Lehrerbund
- 1945 Mitgründerin der CDP in Hamburg
- 1946–1952 Mitglied im Vorstand des Frauenausschusses der CDU Hamburg
- 1949–1953 MdB
- 1953–1962 Konsulin in Houston/Texas
- 1962–1964 Konsulin in Lüttich/Belgien
- 20. Januar 1979 verstorben in Salzburg
Veröffentlichungen
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Haltung und Erziehung des Kindes bei den nordamerikanischen Indianern. Hamburg 1937 (Dissertation, Universität Hamburg 1936).
Literatur
- Stubbe da Luz, Helmut: Margareta Gröwel (1899–1979). Bundestagsabgeordnete aus Hamburg. In: Buchstab, Günter/Kaff, Brigitte/Kleinmann, Hans-Otto (Hg.): Christliche Demokraten gegen Hitler. Aus Verfolgung und Widerstand zur Union. Herausgegeben im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung. Freiburg/Breisgau 2004, S. 227–231.
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Bake, Rita/Heinsohn, Kirsten: „Man meint aber unter Menschenrechten nichts anderes als Männerrechte“. Zur Geschichte der Hamburger Frauenbewegung und Frauenpolitik vom 19. Jahrhundert bis zur Neuen Hamburger Frauenbewegung Ende der 1960er Jahre. Herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung. Hamburg 2012.
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Weis, Natalie: Margarete Gröwel (1899–1979), CDU. In: Deutscher Bundestag (Hg.): Der nächste Redner ist eine Dame. Die Frauen im ersten Deutschen Bundestag. 4. Auflage Berlin 2024, S. 136–139.