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The Challenge of Complexity: How to Convey Israel to the German Public

Anlässlich des Erscheinens des "Länderbericht Israel" von Frau Dr. Gisela Dachs organisierte KAS Israel gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung und dem DAAD Center for German Studies einen Rundtisch zum Thema „The Challenge of Complexity: How to Convey Israel to the German Public“, um die Publikation zu präsentieren und ihre komplexe Bedeutung in der Praxis zu kontextualisieren.

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In seinem Grußwort betonte Dr. Michael Borchard die Partnerschaft der KAS mit der Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) und dem Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD). Julia Klöckner, stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU, sprach von der Wichtigkeit der deutsch-israelischen Beziehungen, aber auch von der Diskrepanz in der gegenseitigen Wahrnehmung Israels und Deutschlands. Einseitige Berichterstattung solle das Bild Israels in Deutschland nicht unausgewogen prägen, weshalb dem Länderbericht übergeordnete Bedeutung zukäme. Dr. Christian Thauer, Repräsentant des DAAD, hob zudem die wirtschaftliche Vernetzung der beiden Länder hervor.

Jutta Klaeren und Hildegard Bremer stellten die Arbeit der Bundeszentrale für Politische Bildung vor. Als Herausgeber einer Vielzahl jährlicher Publikationen hat es sich die bpb zur Aufgabe gemacht, bei Bürgerinnen und Bürgern das Bewusstsein für politische Partizipation und Demokratie zu festigen, und erfüllt diese Aufgabe mithilfe von digitalen und Printveröffentlichungen sowie Bildungsreisen. Wie Frau Klaeren herausstellte, sind die deutsch-israelischen Beziehungen jedoch auch von Differenzen geprägt. Diese seien ein natürliches Resultat pluralistischer Gesellschaften und sollen unter anderem anhand des Länderberichtes sichtbar und verständlich gemacht werden.

Die Autorin des Länderberichtes, Dr. Gisela Dachs, zeigte den Wandel in Kommunikation und Information auf. Der "Länderbericht Israel" stelle einen direkten Kontrast zu der immer schneller, kompakter und kurzlebiger gewordenen Internetkommunikation dar. Allerdings bedarf es eines umfassenden Werkes, um die Lebenswirklichkeit und den Alltag von Israelis in seinen komplexen Strukturen greifbar zu machen. Ein besonderes Augenmerk richtete Frau Dr. Dachs auf die Bilder, die den Text auf einer weitaus mehrdeutigeren Ebene ergänzen. Ihnen kommt aufgrund des großen Interpretations- und Verständnispotentials eine eigene Rolle zu.

Zu Beginn des anschließenden Rundtisches betonte Moderator Dr. Michael Borchard die kulturelle Kluft zwischen Jung und Alt in beiden Gesellschaften, die sich jedoch fundamental unterscheidet: während die deutsche Jugend tendenziell post-nationalistisch, post-militaristisch und post-religiös sei, sei bei der israelischen Jugend das Gegenteil zu beobachten. Dr. Borchard stellte fest, dass sich damit beide Gesellschaften auseinander anstatt aufeinander zu bewegen.

Dr. Raef Zreik trug als Autor den Artikel „Das Verschwinden von der Landschaft: Gedanken zum öffentlichen Raum der Palästinenser in Israel“ zum "Länderbericht Israel" (S.228-242) bei. Öffentlicher Raum, der eigentlich von selbstverständlicher Bedeutung für einen Staat sei und entschieden zur Konstruktion einer gemeinsamen Identität beitrage, sei für Palästinenser in Israel nicht vorhanden. Da das physische Vorhandensein die Bildung eines Gemeinschaftsbewusstseins bereits nicht begünstige, könne darüber hinaus - aufgrund der israelischen räumlichen Dominanz - auch ein abstraktes Identitätsgefühl nicht gebildet werden. Dieser Verlust sei fatal für die palästinensische Bevölkerung, so Dr. Zreik. Er unterstrich, dass der Diskurs über den Nahostkonflikt in Deutschland beide Seiten ausgewogen beleuchten müsse. Der Verlust von Komplexität führe zu einer vorschnellen Stigmatisierung von Gut und Böse, die auch in intellektuellen Kreisen eine Bedrohung darstelle.

Prof. Dr. Moshe Zimmermann, Autor der Artikel „Sport in Israel“ (S.243-250) und „Das deutsch-israelische Verhältnis“ (S.615-642), antwortete auf die Frage nach der Bedeutung von Sport in der Vermittlung Israels an das deutsche Publikum, dass durch diesen eine breite Öffentlichkeit angesprochen und erreicht werden könne. Sport polarisiere und könne gleichzeitig auch eine Bühne für Debatten über Nationalismus und Rassismus bieten.

Bezüglich der Abgrenzung von angemessener Kritik gegenüber Israel und Antisemitismus unterschied Prof. Dr. Zimmermann eine pauschale, faktenignorierende Haltung gegen Juden von legitimer Kritik am Staat Israel. Allerdings stellte er fest, dass viel zu häufig Vorurteile mit politischer Kritik verschleiert würden, was einen sekundären, versteckten Antisemitismus hervorgebracht habe. Zugleich betonte er hingegen, dass Israel das Argument des Antisemitismus zu häufig gebrauche, um berechtige Kritik zu diffamieren.

Anita Haviv-Horiner stellte die Wichtigkeit von Meinungsfreiheit im Dialog in den Vordergrund. Sie verwies im Hinblick auf die Shoa darauf, dass bestimmte Themen zwischen Israelis ganz anders diskutiert würden, als im Austausch zwischen Israelis und Deutschen. Wie auch in ihrem Buch „Heimat? – Vielleicht. Kinder von Holocaustüberlebenden zwischen Deutschland und Israel“(2013) dargestellt, ist „Heimat“ ein vielschichtiges Konzept, insbesondere für jene, die zwischen Kulturen stehen und leben, wie es bei Israelis häufig der Fall ist.

Zum Abschluss der Diskussion waren sich die Teilnehmer einig, dass der "Länderbericht Israel" Informationen in ihrer Komplexität kontextualisiert zur Verfügung stelle, um einen echten Dialog über und zwischen den Kulturen zu ermöglichen. Die israelische Kultur solle für Deutsche „übersetzt“ werden, so Frau Dr. Dachs. Sie erklärte, dass eine fundierte Analyse der vernetzten Strukturen ein tieferes Verständnis erzeuge und damit auch zunehmendes Interesse wecken könne. Dr. Zreik betonte die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Israelis und Deutschen, die in Zukunft eine wesentliche Herausforderung im deutsch-israelischen Verhältnis darstellten. Hinzu kommt, dass beide Gesellschaften sich in unterschiedliche Richtungen bewegten, woraus ein abnehmendes Interesse am jeweiligen Gegenüber resultiere, wie Dr. Zimmermann abschließend wiederholte. Dieser Entwicklung soll der Länderbericht auf deutscher Seite entgegen wirken.

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Julia Kloeckner Laenderbericht Israel
Gisela Dach Laenderbericht Israel
Rundisch Laenderbericht Israel

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