Nr. 3 | August 2026 - Iraks bewaffnete Gruppen und die Grenzen seiner regionalen Diplomatie
Hamzeh Hadad
Unter der Führung des neu ernannten Premierministers Ali al-Zaidi hat die irakische Regierung versprochen, dass bis zum 30. September 2026 jede paramilitärische Einheit im Land entwaffnet oder in den Staat integriert wird und keine bewaffnete Gruppe außerhalb staatlicher Kontrolle operieren wird. Das Versprechen dreht sich nicht nur um Waffen, sondern ist ein Versuch, die irakische Regierung als alleinigen Akteur der irakischen Außenpolitik zu etablieren, gerade zu einem Zeitpunkt, an dem bewaffnete Gruppen aus Irak die Nachbarländer Jordanien, Syrien, Kuwait und Saudi-Arabien angegriffen und als Reaktion darauf koordinierte amerikanische und saudische Luftangriffe auf irakischem Territorium ausgelöst haben.
Im dritten Artikel der Jordan and its Neighbourhood-Reihe argumentiert Hamzeh Hadad, dass die Milizen nur ein Kapitel einer viel längeren Geschichte sind. Die arabische Skepsis gegenüber Irak begann nicht mit den Milizen des sog. Islamischen Widerstands im Irak oder mit dem Krieg zwischen Iran, den Vereinigten Staaten und Israel. Sie reicht zurück bis zur Invasion Kuwaits und der späteren Angst, dass ein demokratischer und schiitisch dominierter Irak die Monarchien der Region gefährden würde.
Der Artikelzeichnet nach, wie schwierig die Rückkehr des Irak in die arabische Staatengemeinschaft von Anfang an gewesen ist – von der Wiedereröffnung der saudischen Botschaft unter Haider al-Abadi über die darauf folgenden Investitionen aus den Golfstaaten bis hin zum Arabian Gulf Cup in Basra – und zeigt, wie viel von diesen Fortschritten durch den Krieg aufs Spiel gesetzt wurde. Sie stellt das Spektrum der bewaffneten Gruppen im Irak dar, wobei sie zwischen jenen unterscheidet, die zur Abgabe ihrer Waffen bereit sind, und jenen, deren Loyalitäten eine Integration erheblich erschweren. Zugleich geht sie der Frage nach, was eine Demobilisierung realistischerweise erreichen könnte.
Hadad weist außerdem auf, wo die Zusammenarbeit weiterhin möglich ist, insbesondere im Energiebereich, u.a. durcheine Beschleunigung des Basra-Aqaba-Pipeline-Projekts, die Öffnung von Exportrouten jenseits der Straße von Hormus und das gestiegene Gewicht des Irak in der OPEC nach dem Abzug der Vereinigten Arabischen Emirate.
Auf Grundlage von Feldforschung im Irak argumentiert der Artikel abschließend, dass die Einhaltung der Frist im September weniger entscheidend ist als die Richtung, die Bagdad danach einschlägt.