KAS COLOMBIA

Veranstaltungsberichte

Best practice-Beispiele und Empfehlungen für eine nachhaltige urbane Transportpolitik in Kolumbien

Am 25. November fand die Präsentation der Publikation “Buenas prácticas y recomendaciones para una política de transporte urbano sostenible en Colombia” (Best practice-Beispiele und Empfehlungen für eine nachhaltige urbane Transportpolitik in Kolumbien) statt., die vom Zentrum für Nachhaltige Entwicklungsstudien CEID und der Konrad-Adenauer-Stiftung KAS Kolumbien mit Unterstützung der Organisation „Basura Cero Global“ organisiert wurde.

In Lateinamerika lebt ein Grossteil der Bevölkerung in Städten. Als urbane Zentren mit wirtschaftlicher, touristischer, kultureller und industrieller Aktivität, sind die Grossstädte auch die grössten Produzenten von Emissionen, die den Treibhauseffekt verstärken und negative Folgen für Umwelt und Gesundheit der Bewohner mit sich bringen. Daher gilt der Transportsektor als Hauptschuldiger für die Umweltverschmutzung und eine Transformation ist dringend notwendig, um die Lebensqualität in den lateinamerikanischen Metropolen zu verbessern. Vor diesem Hintergrund haben CEID, die KAS Kolumbien und die Organisation “Basura Cero Global” (Null Abfälle Global) die Publikation “Buenas prácticas y recomendaciones para una política de transporte urbano sostenible en Colombia: herramientas para mejorar la calidad de aire en las ciudades y mitigar el cambio climático” (etwa: Best practice-Beispiele und Empfehlungen für eine nachhaltige urbane Transportpolitik in Kolumbien: Instrumente zur Verbesserung der Luftqualität in den Stätden und zur Bekämpfung des Klimawandels), herusgegeben; damit soll unter anderem dazu beigetragen werden, das Thema nachhaltige Mobilität in die politische Agenda aufzunehmen und einige Empfehlungen für Entscheidungsträger auf lokaler, departamentaler und nationaler Ebne zu präsentieren. 

In seinen Eröffnungsworten betonte der Direktor des CEID, Gilberto Rincón, dass es für seine Organisation von grosser Bedeutung sei, eine Publikation zu präsentieren, die das Ergebnis einer monatelangen Arbeit seines Forschungsteams in Zusammenarbeit mit der KAS Kolumbien darstelle. Ausserdem solle auf das Bedürfnis der Regierung und anderer Interessenten reagiert werden, Richtlinien und Aktionspläne für politische Strategien sowie einen gesetzlichen Rahmen zu erstellen und entsprechende Institutionen zu schaffen, die für einen nachhaltigen urbanen Transport in Kolumbien zuständig seien und sowohl der Umwelt als auch den Bürgern zugute kommen sollen. In der Publikation werde die Rolle des urbanen Transports in einem Transformationsprozess beschrieben, der zu mehr nachhaltigen Modellen führen sollen; gleichzeitig seien Beispiele aus anderen Ländern aufgeführt, ebenso wie Initiativen und Geschäftsmodelle des Privatsektors zusammen mit entsprechenden Empfehlungen. Abschliessend forderte Rincón die Teilnehmer auf, das Buch aufmerksam zu lesen und sich auch über die übrigen Vorschläge des Studienzentrums zu informieren. 

Die Projektkoordinatorin der KAS Kolumbien, Andrea Valdelamar begrüsste die Teilnehmer und betonte, dass die KAS in erster Linie für die Konsolidierung der Demokratie in Kolumbien arbeite; ausserdem habe man mit Informations- und Beratungsmassnahmen für verschiedene Akteure zur weltweiten Debatte über den Klimawandel beigetragen und damit auch auf die Bedeutung einer Inklusion dieser Themen in die politische Agenda hingewiesen. Die vorliegende Publikation, die in Zusammenarbeit mit dem CEID erarbeitet wurde, enthalte Empfehlungen für “public policies” und die Beteiligung der Bürger an einer nachhaltigen Umweltpolitik in Kooperation mit anderen Sektoren. In dem Buch seien Instrumente für politische Strategien enthalten, um gleichzeitig mehr Menschen anzuregen, Lösungen für Kolumbien und andere Länder vorzuschlagen. 

Es folgten vier Vorträge von Experten; zunächst präsentierte die Geschäftsführerin  für Nachhaltigkeit der AB InBev Bavaria, Alicia Lozano, die Massnahmen des Unternehmens um seinen Wagenpark auf Elektorautos oder Lastwagen ohne Emissionen umzustellen. Bavaria wolle mit seinen Massnahmen zur Erhaltung der Umwelt auch andere Unternehmen dazu anregen, dem Beispiel zu folgen und mehr Methoden zum Umweltschutz kennenzulernen. Daher sei Bavaria bereit, seine Erfahrungen mit anderen Organisationen zu teilen, wie ein Fahrzeugpark auf neue Technologien umgestellt werden kann, um dadurch Vorteile für ihre Firma und die kolumbianische Bevölkerung zu erlangen und gleichzeitig die weltweiten Folgen des Klimawandels abzuschwächen. 

Den zweiten Vortrag hielt David Fidalgo, CEO von Y Mobility, einer Consulting-Firma, die andere leitende Angestellte und Unternehmer bei der Umstellung auf eine intelligente Mobilität berät. Fidalgo sprach zum Thema “Ökosysteme für eine nachhaltige Mobilität”; dabei nannte er vier unabdingbare Faktoren zur Konsolidierung von Ökosystemen, die eine nachhaltige Mobilität begünstigen. Damit eine Stadt als Ökosystem bezeichnet werden könne, das eine nachhaltige Mobilität begünstigt, müsse (a) der öffentliche Nahverkehr mit einer nachhaltigen Technologie ausgestattet werden; (b) öffentliche oder private Investitionen zur Umsetzung von Projekten oder Studien über eine Transformation der Mobilität in den Städten eingesetzt werden; (c) eine Gesetzgebung mit Bedingungen für das Geschäft mit dem öffentlichen Nahverkehr mit nachhaltigen Optionen verabschiedet werden und (d) die kulturellen Aspekte bei der Planung der Projekte berücksichtigt werden, damit diese sich den Bedürfnissen der Nutzer anpassen. Diese vier Bedingungen seien in Stätden wie London, New York, Berlín, Barcelona oder Madrid erfolgreich eingesetzt worden.

Den dritten Vortrag zum Thema “Nachhaltige Transportpolitik” hielt der Direktor des Instituts für Stadtentwicklung von Bogotá (SIDU), Diego Sánchez; er betonte, dass die Stadtverwaltung Bogotá bereits einige der Empfehlungen der Publikation des CEID umgesetzt habe. So sei in der Stadt eine Politik zur Konsolidierung einer nachhaltigen Mobilität entwickelt worden, wobei an erster Stelle die Bedürfnisse der Verkehrsteilnehmer gestanden haben. 

Die Entscheidungen der Stadtverwaltung entsprächen auch den Prinzipien der Vermeidung, Veränderung und Verbesserung, die in dem Text des CEID angesprochen werden; so werde versucht, zu vermeiden, dass die Bewohner lange Wege zurücklegen müssen und gleichzeitig würden nachhaltige  Alternativen angeboten für Personen, die zum Beipiel den Weg zur Arbeit nicht reduzieren können. Die Stadt versuche ständig, den öffentlichen Nahverkehr auf nachhaltigere Formen umzustellen und die Instrumente zur Planung gesetzlicher und wirtschaftlicher Vorschriften sowie die Information über die Entwicklung und den Einsatz neuer Technologien zu verbessern. Abschliessend präsentierte Sánchez einige Projekte der Stadtverwaltung zur Verbesserung der Mobilität und zur Reduktion der Emissionen.

Im letzten Vortrag präsentierte die Expertin für nachhaltigen Transport des Ministeriums für Umwelt und nachhaltige Entwicklung, Mayra Rancheros, einige Projekte ihres Ministeriums und erklärte die Ziele, die heute im Bereich nachhaltige Mobilität verfolgt werden, sowie künftige Massnahmen und Programme. Sie betonte, dass Kolumbien heute führend in Lateinamerika sei, als eines der Länder, das am meisten Fortschritte beim Umstieg auf Elektroautos und Fahrzeuge ohne Emissionen gemacht habe. 

Trotzdem gebe es noch viel zu tun; so sollten bis zum April 2022 mindestens 4.928 Elektrofahrzeuge in Kolumbien angemeldet sein und 202 Ladestationen im ganzen Land zur Verfügung stehen. Letztendlich müsse Kolumbien eine nationale Strategie für nachhaltigen Transport vorlegen, einige Vorschriften für Emissionen aktualisieren und die Strategie für neutralen Kohlenstoff umsetzen.

Die Direktorin von “Basura Cero Global“, Sandra Pinzón dankte Experten und Publikum für ihre Teilnahme und lud sie dazu ein, die Publikation auf der Homepage des CEID zu lesen.

Kontakt

Andrea Valdelamar

Andrea  Valdelamar bild

Projektkoordinatorin

Andrea.Valdelamar@kas.de +57 1 74309 47-206