Die Migration als Phänomen, das in politischen, wirtschaftlichen, umweltpolitischen und religiösen Bedingungen verwurzelt ist, hat die soziale Geografie vieler Staaten im Rahmen der aktuellen Phase der Globalisierung verändert. Im Fall Kolumbiens hat die Migration aus Venezuela die Rolle des Landes von einem Auswanderungsland zu einem Empfängerland transformiert. Vor diesem Hintergrund muss der Journalismus in Kolumbien auf das Bedürfnis reagieren, über das Phänomen der Migration mit Verantwortung und Präzision zu berichten.
Angesichts dieser Situation, will das Projekt “Hinweise zur investigativen und erzählenden Berichterstattung über Migration”, das vom Redaktionsrat CdR mit Unterstützung der KAS Kolumbien und des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes CICR entwickelt wurde, Journalisten eine technische Orientierung an die Hand geben, um über die vielfältige Realität der Migranten in Kolumbien zu berichten. In diesem Kurs präsentierte die Ausbildungsleiterin des CdR, Victoria Alean Überlegungen zur Relevanz des Projekts mit dem Journalisten in den kolumbianischen Grenzregionen von Arauca, Valle del Cauca, Antioquia, Putumayo, Norte de Santander, La Guajira und Nariño mittels eines virtuellen Kurses geschult werden sollen, der Sitzungen mit Experten im Thema Migration umfasst. An der Diskussion nahmen außer Victoria Alean auch die juristische Beraterin des CICR, Mónica Angarita und der Workshopleiter und Experte für Entwicklung, Gino Andrey Gutiérrez teil.
Zunächst erklärte Gino Andrey Gutiérrez, dass der Kurs sich auf die venezolanischen Migranten in Kolumbien konzentrieren soll. Dabei ging er auch auf die Definitionen ein, die im Kurs geklärt werden sollen, wie zum Beispiel Migration, verschiedene Arten von Migration, Charakteristiken der Ursprungs- und Zielländer der Migranten, Gründe für eine Migration, Unterteilung der Migration je nach Dauer des Aufenthalts und ob es sich um freiwillige oder erzwungene Migration handelt, Flüchtlingsstatus, juristische Unterschiede zwischen Migranten und Flüchtlingen, Erwerb der Staatbürgerschaft, Rechte von Migranten in Kolumbien. Auch sollen die verschiedenen territorialen Kategorien in Kolumbien definiert werden, wie zum Beispiel Transitzonen oder permanenter Wohnsitz.
Mónica Angarita präsentierte die Aktivitäten des CICR in den Grenzzonen zwischen beiden Ländern, um die Migranten zu schützen und die dortige Bevölkerung über die Rechte der Migranten aufzuklären. Auch ging sie auf die Verantwortung ein, die der kolumbianische Staat gemäß den internationalen Statuten über die Menschenrechte von Migranten und Flüchtlingen übernommen habe. Weiterhin erklärte sie, welche Anpassungen in den einzelnen staatlichen Organisationen vorgenommen werden, um auf die Migration zu reagieren und gab Empfehlungen zur Gesetzesinitiative für ein Migrationsgesetz, das von der Regierung eingebracht wurde. Abschließend erwähnte sie die Verantwortung des Staates in Bezug auf Internationales Völkerrecht, Strafrecht und Arbeitsrecht für Migranten sowie den Kampf gegen Menschenhandel und Zwangsarbeit.
Im Anschluss konnten die Kursteilnehmer Fragen an die Vertreter der einzelnen Organisationen richten und ihre Erwartungen an den Kurs darlegen. Der Workshopleiter Gino Andrey Gutiérrez forderte die teilnehmenden Journalisten dazu auf, in ihren Reportagen die verschiedene Perspektiven der Migration mit einzubeziehen, um dadurch der Stigmatisierung der Migranten entgegenzuwirken. Mónica Angarita betonte die Notwendigkeit, bei der Betrachtung des Phänomens der Migration auch die Chancen miteinzubeziehen, ein neues Verhältnis zwischen der kolumbianischen Bevölkerung und den Migranten aufzubauen.
Abschließend dankte Victoria Alean im Namen des CdR allen Teilnehmern und forderte die Zuschauer auf, sich dem Projekt anzuschließen