KAS COLOMBIA

Veranstaltungsberichte

Die große Herausforderung Amazonas

Ruta País

Am 24. November organisierte die Universidad del Rosario mit Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung KAS Kolumbien eine Diskussionsveranstaltung mit wichtigen Akteuren eines nachhaltigen Öko-Tourismus im Amazonas-Gebiet, im Rahmen des Projektes “Ruta País”; damit sollte die Kommunikation zwischen entlegenen Regionen und dem Rest des Landes gefördert werden, um dadurch einen dauerhaften Frieden, eine nachhaltige Entwicklung und die Demokratie zu unterstützen.
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Das Department Amazonas ist bekannt für seine vielfältigen natürlichen Ressourcen und seinen kulturellen Reichtum; im kolumbianischen Teil des Amazonas-Gebietes herrscht eine große Artenvielfalt in Flora und Fauna, während gleichzeitig zahlreiche indigene Gemeinschaften die Geschichte des Departments bestimmt haben. Trotzdem fehlt es an einer nachhaltigen Entwicklung in umweltpolitischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht. Die geringe industrielle Aktivität im Amazonas und seine große Biodiversität ermöglichen die Entwicklung des Tourismus und die Inklusion der Bewohner in neue Werteketten.

Vor diesem Hintergrund sollte der Dialog zwischen der Region und dem Rest des Landes gefördert werden um politische und private Initiativen zur Nutzung des touristischen Potentials des Departments zu unterstützen, während gleichzeitig die Umwelt und die Traditionen der indigenen Völker des Amazonas respektiert und langfristig ein nachhaltiges und gerechtes Einkommen der Bewohner bessere Lebensverhältnisse garantiert werden sollen; daher organisierten am 24. November die Universidad del Rosario, das Verlagshaus El Tiempo und die KAS Kolumbien einen Dialog mit verschiedenen lokalen und nationalen Akteuren im Rahmen der Seminarreihe „Ruta País“.

In seiner Eröffnungsrede dankte der Rektor der Universidad del Rosario, Alejandro Cheyne, allen Beteiligten, vor allem dem Arbeitsteam seiner Universität, der KAS, dem Generaldirektor des Verlagshauses El Tiempo, Andrés Mompotes, dem Rektor der Universidad de la Amazonía und dem Gouverneur des Departments für ihr Engagement im Projekt „Ruta País“. Er betonte, dass die Regionalisierung eines der wichtigsten Ziele sein müsse, da sie verschiedenen Akteuren im ganzen Land die Besonderheiten jeder einzelnen Region näherbringe, um daraus Lehren zu ziehen. Daher sei es für die Universität von besonderer Bedeutung gewesen, in den Amazonas vorzudringen, um die Erfahrungen der dortigen Bevölkerung mit einem nachhaltigen Tourismus und den damit verbundenen Problemen kennenzulernen sowie eine Kooperation zwischen der Akademie und der Region zu fördern.

Im Anschluss begrüßte der Rektor der Universidad de la Amazonía, Fabio Buritica die Anwesenden und dankte den Organisatoren sowie dem Vizeminister für Tourismus für seine Teilnahme als Regierungsvertreter. Er betonte das Engagement seiner Universität für einen nachhaltigen Tourismus im Amazonas und forderte die Teilnehmer auf, offen für dieses Thema zu sein.

Der Repräsentant der KAS Kolumbien, Stefan Reith lobte die gemeinsame Arbeit mit der Universidad del Rosario im Projekt “Ruta País”. Die Stiftung habe sich jahrzehntelang für die Demokratieförderung in Kolumbien eingesetzt und mit diesem Projekt sei man dem Ziel nähergekommen, weil ein landesweiter Dialog mit einzelnen Regionen geführt werden konnte und gleichzeitig Kooperationsmöglichkeiten zwischen lokalen und internationalen Akteuren geschaffen wurden. Die Fortschritte im Amazonas-Gebiet ließen die Konsolidierung eines Angebots für nachhaltigen Tourismus durchblicken, zeigten jedoch gleichzeitig die Notwendigkeit umweltpolitische Nachhaltigkeit gleichzeitig mit wirtschaftlicher und sozialer Nachhaltigkeit zu verbinden.

Der Vizeminister für Tourismus, Ricardo Galindo präsentierte anschließend das Gesetz 2068 und die nachhaltige Tourismus-Politik der Regierung “Unidos por la Naturaleza” (Gemeinsam für die Natur). Beide Initiativen wurden von der kolumbianischen Regierung entworfen und durchgeführt, um einen Gesetzesrahmen und Verwaltungsregeln für die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus im Lande zu schaffen. Das Gesetz 2068 stelle einen gesetzlichen Rahmen für das Konzept des Öko-Tourismus, touristische Attraktionen oder die Kapazität eines attraktiven Tourismus dar. Außerdem würden darin Instrumente und Methoden definiert, um die Nachhaltigkeit des touristischen Angebots zu überprüfen und den Schutz, die Förderung und Erhaltung des Öko-Tourismus in Kolumbien zu garantieren.

Der Minister betonte auch, dass das Programm “Unidos por la Naturaleza” die Wertekette des Tourismus in Kolumbien definieren solle, um den Wettbewerb, die Erhaltung der Umwelt und den verantwortungsvollen Einsatz natürlicher Ressourcen zu unterstützen und einen Mehrwert zu schaffen, der das Land von anderen Reisezielen abhebt. Dafür seien 6 Strategien, 14 Programme, 32 Einzelprojekte und 140 Aktionen definiert worden, um Kolumbien als nachhaltiges touristisches Ziel zu positionieren.

Der Sekretär für Landwirtschaft, Umwelt und Produktivität des Departments Amazonas, Jhon Freddy Valencia Do Santos, betonte, dass der Tourismus im Amazonas mehreren Transformationsprozessen unterworfen war, die es den Lokalverwaltungen und der Zivilgesellschaft ermöglichten, zu definieren welchen Tourismus man fördern wolle und die Art und Weise in der man eine Beziehung zwischen Wirtschaftsentwicklung, Umweltschutz und indigenen Traditionen herstellen wolle.

Es folgte das erste Panel zum Thema “Die Bedeutung eines nachhaltigen Tourismus: Herausforderungen, Vorschläge und Kompromisse”; dabei sollte ein Dialog zwischen indigenen Führern, Unternehmern, dem öffentlichen Sektor und der Akademie ermöglicht werden. Teilnehmer waren Rafael Clavijo von “Mundo Amazónico”; die Unternehmerin aus Puerto Nariño, Lilia Java; José Ayarcuani von der Asociación Painu sowie Johan Alexander Mota Vásquez von der indigenen Tourismus-Organisation „Jofo Ananeko Amazonas“; moderiert wurde das Panel von der Direktorin für Soziale Sicherheit der Universidad del Rosario, Claudia Dulce Romero

Als wichtigste Probleme des Tourismus im Amazonas wurden genannt: (a) die geringe Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu anderen Departments des Landes; (b) fehlende Internetverbindungen erschweren die Verbreitung von touristischen Angeboten oder die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen; (c) mangelnder Zugang zur Grundversorgung mit öffentlichen Diensten oder ärztlicher Versorgung und (d) Probleme beim Zugang zu Krediten, weil die Banken keine Rücksicht auf die sozialen, kulturellen oder wirtschaftlichen Besonderheiten im kolumbianischen Amazonas-Gebiet nehmen.

Am zweiten Panel mit dem Titel “Nachhaltiger Tourismus mit sozialen Gemeinschaftsinteressen” nahmen teil die Expertin für Kultur und Kunstgewerbe, Flor Safirekudo; die Unternehmerin aus Leticia, Mariela Veloza sowie der Student der Universidad de la Amazonía, Andrés Fernando Zambrano Cardona; moderiert wurde das Panel von der Direktorin für Regionalisierung der Universidad del Rosario, Gabriela Casanova. Die erste Frage, die an die Teilnehmer gerichtet wurde, bezog sich auf die Stärken des Departments und die Rolle der Zivilgesellschaft in den letzten Jahren bei der Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus.

Man betonte das Potential des Departments für einen Tourismus mit sozialen Gemeinschaftsinteressen, bei dem die indigenen Gemeinschaften mit einbezogen werden sollten. Auch sei eine organisierte Zusammenarbeit kleiner Unternehmer zu beobachten, die sich in Kooperativen und indigenen Organisationen zusammenschließen; dadurch konnte ein kollaborativer Tourismus-Markt gefördert werden, in dem jedes Unternehmen und jede Initiative für nachhaltigen, ökologischen oder kulturellen Tourismus sich auf ein bestimmtes Angebot spezialisieren konnte. 

Trotzdem bleibe noch viel zu tun, damit die indigenen Gemeinschaften und die Zivilgesellschaft im Amazonas durch eine entsprechende Schulung über ethnischen Fragen und Umweltprobleme das natürliche und kulturelle Potential ihres Departments erkennen und erhalten lernen und sich langfristig mit nachhaltigen und rentablen Geschäftsmodellen vertraut machten. Problematisch seien Anträge an die kolumbianische Regierung zur Finanzierung von wirtschaftlichen Aktivitäten im Department Amazonas, bis die Dienstleister in der Tourismus-Branche sich selbst unterhalten können. 

Im letzten Panel über die Rolle der Institutionen bei der Unterstützung des Tourismus in der Amazonas-Region sollten verschiedene Perspektiven zuständiger Behörden bei der Förderung eines ökologischen und nachhaltigen Tourismus untersucht werden. Das Panel wurde von der Dekanin der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universidad del Rosario, Carolina Pardo moderiert; Teilnehmer waren die Tourismus-Sekretärin des Departments Amazonas, Milena Mayorca; der Präsident der Handelskammer Amazonas, David Useche Romero; Jonathan Orjuela von der Tourismus-Direktion der Hauptstadt Leticia und der stellvertretende Direktor des Berufsbildungsinstituts SENA der Region Amazonas, Arturo Arango Santos.

Die Vertreter der einzelnen Institutionen konnten ihre Perspektive des Tourismus im Department Amazonas präsentieren und gleichzeitig entsprechende Programme und Projekte vorstellen. Die Funktionäre gingen dabei auf die mangelnde Infrastruktur im Amazonas ein und die fehlende Koordination zwischen national geltenden Normen und der Verabschiedung von lokalen Budgets, wodurch Teile der Tourismus-Branche nicht ordnungsgemäß finanziert werden konnten.

Abschließend erklärte man sein Engagement für die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus in der Region und bat die Regierung um Unterstützung zur Verbesserung und Organisation bürokratischer Prozesse, die eine Durchsetzung nationaler Entscheidungen behindern könnten. Weiterhin forderte man eine Verbesserung der gesetzlichen Regelungen im Bereich Umwelt-Tourismus, um dadurch einen Aktionsrahmen und klare Vorschriften für Dienstleister im Department festzulegen. Zum Abschluss dankten die Veranstalter dem Publikum, den Experten und allen beteiligten Organisationen für ihre Teilnahme und ihren Einsatz für die wirtschaftliche Entwicklung des Amazonas-Gebietes.  

Kontakt

María Paula León

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