Asset-Herausgeber

BSF
Veranstaltungsberichte

The Power to Shape The Future

von Juro Avgustinović

Bled Strategic Forum 2026

Das Bled Strategic Forum (BSF) versammelte auch in diesem Jahr politische Entscheidungsträger, Experten, Wirtschaftsvertreter sowie Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft, um über zentrale Herausforderungen zu diskutieren, die die Zukunft Europas und der Welt prägen. Im Mittelpunkt des Forums standen die Veränderungen der globalen Machtverhältnisse, Fragen der Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit sowie die Frage, ob Europa in einer zunehmend komplexen und multipolaren Welt seine Zukunft aktiv gestalten kann.

Asset-Herausgeber

Das diesjährige Forum fand vor dem Hintergrund großer geopolitischer Unsicherheit und eines sich wandelnden internationalen Systems statt. Wirtschaftliche und technologische Stärke, Sicherheit, der Zugang zu Ressourcen und Resilienz werden zunehmend zu entscheidenden Quellen globalen Einflusses. Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage, ob die EU in der Lage ist, ihre Werte und Interessen zu schützen und zugleich die notwendigen Kapazitäten für eine stärkere Rolle auf der globalen Bühne aufzubauen.

Eine der wichtigsten Botschaften des diesjährigen Forums ging aus der Diskussion der vier Ministerpräsidenten: Sloweniens, Janez Janša, Kroatiens, Andrej Plenković, Tschechiens, Andrej Babiš, und Ungarns, Péter Magyar, hervor. Obwohl sie unterschiedliche Auffassungen über die Zukunft der EU, das Verhältnis zwischen den europäischen Institutionen und den Mitgliedstaaten sowie den Umgang Europas mit den neuen globalen Herausforderungen vertraten, waren sie sich darin einig, dass die Staaten Mitteleuropas heute über einen zunehmend größeren politischen und wirtschaftlichen Einfluss verfügen.

Der slowenische Ministerpräsident Janez Janša wies darauf hin, dass sich die Stellung Europas in der Welt verändert habe. Er betonte, dass es vor rund zwanzig Jahren kaum vorstellbar gewesen sei, dass über große globale Fragen diskutiert und entschieden werde, ohne dass die EU daran beteiligt sei. Heute hingegen müsse Europa um seinen Platz am Tisch kämpfen. Als einen der Gründe dafür nannte er auch eigene Fehler der EU.

Der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenković legte den Schwerpunkt auf jene Bereiche, in denen Europa seine eigenen Kapazitäten stärken müsse, insbesondere in den Bereichen Verteidigung, Wettbewerbsfähigkeit und Energiesicherheit. Besondere Bedeutung maß er der Verringerung der europäischen Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen und dem Ausbau eigener Energiequellen bei. Die Energiesicherheit bezeichnete er als eine der zentralen Fragen für die Zukunft der europäischen Wirtschaft. Plenković wies darauf hin, dass zahlreiche Krisen der vergangenen Jahre – von Migration und dem Brexit über die Pandemie und den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bis hin zu den Konflikten im Nahen Osten – das Funktionieren der EU zusätzlich erschwert hätten. Daher müsse stärker auf die Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten gesetzt und nach dem gesucht werden, was sie miteinander verbindet, anstatt die bestehenden Unterschiede weiter zu betonen. Er hob zudem die Bedeutung eines stärkeren politischen Handelns des Europäischen Rates hervor. Seiner Ansicht nach sollten die europäischen Institutionen gestärkt werden, zugleich müssten zentrale Entscheidungen jedoch mit der politischen Legitimität demokratisch gewählter Staats- und Regierungschefs verbunden bleiben. Er warnte außerdem davor, dass die europäische Stimme in einigen internationalen Krisen weniger deutlich wahrgenommen werde als die Stimme großer Mitgliedstaaten. Dies unterstreiche zusätzlich die Notwendigkeit stärkerer gemeinsamer europäischer Institutionen.

Die gemeinsame Botschaft der Diskussion lautete, dass die mitteleuropäischen Staaten ihre Interessen besser koordinieren und die zunehmende wirtschaftliche und politische Bedeutung der Region stärker nutzen sollten. Kroatien kommt dabei eine wichtige Rolle bei der Verbindung Mittel- und Südosteuropas zu, insbesondere aufgrund seiner Energieinfrastruktur und seiner strategischen Lage an der Adria. Die Diskussion in Bled zeigte zudem, dass europäische Sicherheit heute weit mehr umfasst als ausschließlich militärische Aspekte. Energieunabhängigkeit, eine starke Wirtschaft, technologische Entwicklung, sichere Lieferketten, Investitionen in Innovation und Bildung sind gleichermaßen von zentraler Bedeutung für die Sicherheit und Zukunft Europas.

Auf dem Forum wurde daher auch darüber diskutiert, wie Europa seine Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit stärken, eine stabile Versorgung mit Energie und strategisch wichtigen Gütern gewährleisten sowie seine wirtschaftliche und technologische Wettbewerbsfähigkeit erhöhen kann. Weitere Themen waren die Zukunft europäischer Bündnisse, die EU-Erweiterung, regionale Zusammenarbeit und wirtschaftliche Diplomatie sowie die Frage, wie kleinere und mittlere Staaten durch gemeinsames Handeln größeren Einfluss gewinnen können.

Ein weiteres wichtiges Thema war die Zukunft der internationalen Ordnung. Wer wird die sich rasch verändernde Welt gestalten? Welche Formen von Macht werden künftig entscheidend sein? Und wie können demokratische Staaten ihren Einfluss in einer Welt bewahren, die zunehmend von Großmächten geprägt wird?

Das KAS-Auslandsbüro Kroatien-Slowenien war an der Organisation und Vorbereitung des Panels „Can Europe Become a Strategic Power? From Regulation to Geopolitical Action?“ beteiligt. Im Mittelpunkt stand dabei die wichtige Frage, ob Europa den Schritt von seiner bisherigen Rolle als Regulierer hin zu einem starken geopolitischen Akteur vollziehen kann. Diese Fragestellung knüpfte unmittelbar an die zentralen Themen des diesjährigen BSF an. Europa sieht sich gleichzeitig mit sicherheitspolitischen, wirtschaftlichen und technologischen Herausforderungen konfrontiert. Ihr Einfluss wird davon abhängen, wie erfolgreich sie Wirtschaft, Verteidigung, Technologie, Energie und politische Entscheidungsprozesse miteinander verbinden kann. Die Beteiligung der KAS an der Vorbereitung des Panels leistete einen wichtigen Beitrag zur Diskussion darüber, wie Europa auf die neue geopolitische Realität reagieren kann.

Das Bled Strategic Forum 2026 befasste sich somit nicht nur mit aktuellen internationalen Krisen, sondern auch mit der Frage, welches Europa wir in Zukunft wollen, ein Europa, das lediglich auf Veränderungen reagiert, oder ein Europa, das über ausreichend Stärke und Kapazitäten verfügt, um diese Veränderungen selbst aktiv mitzugestalten. Eine der zentralen Botschaften des Forums lautet, dass Europa Sicherheit, Energie, Technologie und Wirtschaft nicht länger isoliert voneinander betrachten kann. Die Stärkung der eigenen Resilienz und strategischen Handlungsfähigkeit ist entscheidend für die Wahrung des europäischen Einflusses. Gleichzeitig bleibt eine starke Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten und der NATO von zentraler Bedeutung.

Für Kroatien und Slowenien stellt das Forum eine wichtige Gelegenheit dar, die Rolle Mitteleuropas bei der Gestaltung europäischer Politik zu stärken und die regionale Zusammenarbeit weiterzuentwickeln. In einer Welt, in der internationale Beziehungen zunehmend von konkreten Interessen geprägt sind, wird die Vernetzung von Staaten, Institutionen und Volkswirtschaften zu einer wichtigen Quelle von Einfluss. Das Bled Strategic Forum sendet in diesem Jahr eine klare Botschaft: Die Zukunft Europas wird davon abhängen, wie erfolgreich die europäischen Staaten zusammenarbeiten, ihre Interessen schützen und ihre eigenen Kapazitäten stärken, um die Zukunft aktiv mitzugestalten.

Asset-Herausgeber

Kontakt Dr. Norbert Eschborn
Dr. Norbert Eschborn
Leiter Auslandsbüro Kroatien und Slowenien
norbert.eschborn@kas.de +385 1 4882 650 +385 1 4882 656
Kontakt

Marko Prusina

Marko Prusina
Projektkoordinator
marko.prusina@kas.de +385 1 4882 658 +385 1 4882-656

comment-portlet

Asset-Herausgeber