Veranstaltungsberichte

Ausbilderworkshop: Politischer Humanismus und Menschenwürde

von Martin Friedek
Vom 15. bis zum 17. April 2011 organisierte die PAN-Jugendorganisation Acción Juvenil Nacional zusammen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung einen Ausbilderworkshop in Aguascalientes. Über 300 jugendliche Führungsnachwuchskräfte aus allen 31 Bundesstaaten und aus dem Hauptstadtdistrikt vertieften ihre Kenntisse zum Thema „Politischer Humanismus und Menschenwürde in der politischen Führungsarbeit“. Erfahrene und renommierte Dozenten unterrichteten die jungen Nachwuchführungskräfte in Kommunikation, Inhalt, Geschichte und Umsetzung des Themas in der praktischen Politik.

Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung ging der Vorsitzende des Partido Acción Nacional (PAN), Gustavo Madero Muñoz, auf die wichtige Rolle der Jugend im gegenwärtigen Transitionsprozess Mexikos ein. Das Land habe in den vergangenen zehn Jahren bei der Beseitigung der Folgen der Einparteienherrschaft der PRI erst die halbe Wegstrecke zurückgelegt. „Wir sind dabei, die Korruption, die Herrschaft der Partikularinteressen und der Ungleichheit zu bekämpfen, die das Land das vergangene Jahrhundert hindurch erstarren ließen. Er betonte die Fortschritte im Bereich des Gesundheitswesens, des Infrastrukturausbaus und der Transparenz, die in den vergangenen Jahren für die Bürger erreicht worden seien. Er hob hervor, dass die junge Generation der entscheidende Motor für die notwendigen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen sei. Die Jugend könne einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, das Gemeinwesen mitzugestalten. PAN und Acción Juvenil arbeiteten dafür, dass sich die Politik besser an den Bedürfnissen der Bürger und der Garantie ihrer Menschenwürde im Sinne des politischen Humanismus orientiere.

Jorge López Martín, Parteichef der PAN im Bundesstaat Aguascalientes und Rubén Camarillo Ortega, Senator und Nationaler Wahlbeauftragter der PAN, unterstrichen, dass es in den Händen des politischen Nachwuchses liege, das Erbe der Gründungsväter der PAN fortzuführen. Deren grundlegende Doktrin und Antrieb seien stets der Einsatz für Pluralismus, Menschenrechte, demokratische Werte und das Gemeinwesen gewesen.

Jhonatan García Uribe, der Bundesvorsitzende von Acción Juvenil, forderte die Jugendlichen auf, sich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen in Mexiko politisch einzusetzen, ohne dabei den persönlichen Nutzen in den Mittelpunkt zu stellen. Sie sollten sich stattdessen in ihrem persönlichen Umfeld für ihre Mitmenschen und für eine menschenwürdige Politik einsetzen. Zu diskutieren und umzusetzen sei, auf welche Art und Weise der Respekt vor der Menschenwürde in Wirtschaft und Gesellschaft verbessert werden könne. Das Ziel des politischen Handelns sei es, die Lebensgrundlagen der Mitmenschen zu verbessern und das Gemeinwesen zu stärken.

Aus dem Sekretariat der PAN für gesellschaftliche Rückbindung der Parteiarbeit sprach Liliana Rojero Luévano. Sie hob hervor, dass die direkte Ansprache der Bürger entscheidend dafür sei, um diese von der Demokratie und den demokratischen Grundwerten zu überzeugen. Die Nachwuchsführungskräfte sollten die Politik persönlich gestalten, nah bei den Menschen sein, auf die Bürger eingehen und geschlossen zusammenarbeiten.

Der Geschäftsführer der PAN- Stiftung Rafael Preciado Hernández (FRPH), Dr. Gerardo Aranda, ging in seinem Grundlagenvortrag auf die Vorteile von Demokratien im Vergleich zu autoritären politischen Systemen ein. Dabei zeigte er besonders die Defizite Mexikos auf, die das Land auf dem Weg zu einer stabilen Demokratie noch bewältigen müsse. Die große Ungleichheit zwischen Arm und Reich, die ein Erbe der früheren „Privilegiertenherrschaft der PRI“ sei, beschränkten die individuellen Freiheiten vieler Mitbürger. Diese könnten so teilweise nicht den in der Demokratie notwendigen Respekt vor den Freiheitsrechten entwickeln. Bisher konnte in Mexiko noch keine transparente Wirtschaftsordnung im Sinne einer Sozialen Marktwirtschaft etabliert werden, die den Bürgern den freien Zugang zum Markt biete und ihnen persönliche und unternehmerische Entfaltungsfreiheit gewähre. Mexiko brauche jedoch die "aktive Partizipation von Bürgern in Wirtschaft und Gesellschaft - und nicht nur passive Bewohner“. Die Stärke und der Reifegrad einer Demokratie zeigten sich dabei besonders in der Unterstützung der Schwachen und der Benachteiligten. Er verwies auf die Bildung als Fundament jeglicher politischen und gesellschaftlichen Partizipation. Bildung müsse vor allem als „Ausbildung der Kunst des Denkens“ verstanden werden.

Der Stellvertretende Geschäftsführer der Stiftung, Dr. Salvador Abascal, erläuterte ausgehend von einem humanistischen Grundverständnis, welche Eigenschaften beim politischen Nachwuchs gefördert werden müssen, um sie zu guten Führungspersönlichkeiten reifen zu lassen.

Verbindlichkeit und Verantwortung gegenüber den Mitmenschen sowie die Berufung zum Dienst am Nächsten sollten die Hauptantriebskräfte für politisches Handeln sein. Dabei stelle die Bildung den Schlüssel dafür dar, das eigene moralische Bewusstsein auszubilden und damit die eigenen Entscheidungen zu prüfen.

Die Fraktionsvorsitzende der PAN im Abgeordnetenhaus, Josefina Vázquez Mota, ermutigte die Teilnehmer, das „ganze Mexiko“ kennenzulernen. Nicht nur die Verortung im eigenen Viertel und der eigenen Stadt sei wichtig. Um politische Veränderungen herbeizuführen und die Menschen für die Politik zu begeistern, sei es entscheidend, die Armut, die Ungerechtigkeit und die Bedürfnisse der Menschen in allen Teilen Mexikos zu kennen und deren Erfahrungen in der Politik zu berücksichtigen. Die Teilnehmer sollten den Zugang zu dieser ganzheitlichen Sichtweise über die „wiedergewonnene Liebe zu Mexiko“ suchen.

Im Rahmen des Frühstücksgesprächs am Samstagmorgen hob Arbeitsminister Javier Lozano Alarcón die Bedeutung von Transparenz und Ehrlichkeit in politischen Entscheidungsprozessen hervor. Die Vorbildwirkung von Entscheidungsträgern im Allgemeinen, und der zukünftigen Führungskräfte im Speziellen, sei maßgeblich für die Stärkung der mexikanischen Demokratie.

Die Teilnehmer durchliefen im Laufe des Samstags Workshops, die mehrschichtige Ausbildungsinhalte umfassten:

Ehemalige Koordinatoren für Aus- und Weiterbildung von Acción Juvenil aus verschiedenen Bundesstaaten vertieften das Wissen der Jugendlichen über die Geschichte der PAN sowie die Grundlagen zur persönlichen Identität und dem politischem Humanismus. Im Themenblock Rhetorik und Emotionen wurde auf die Bedeutung der zwischenmenschlichen Kommunikation im politischen Dialog eingegangen.

Die Lehreinheiten der Stiftung Rafael Preciado Hernández vermittelten den zukünftigen Ausbildern umfangreiche Lern- und Lehrtechniken. Sie sollen durch das Erlernte in ihrer politischen Bildungsarbeit mit der heterogenen Zusammensetzung von Seminargruppen umgehen und den Einzelnen dabei bestmöglichst fördern können.

Finanzminister Ernesto Cordero Arroyo wurde per Videokonferenz live vom G20-Gipfel in Washington zugeschaltet. Er stellte heraus, dass sich die wirtschaftliche Situation der mexikanischen Bevölkerung in den vergangenen zwei bis drei Jahren erholt hat. Insgesamt seien die Folgen der Krise gegenwärtig weniger deutlich spürbar als in anderen Wirtschaftsnationen. Jedoch blieben die zukünftigen Herausforderungen zu Reformen der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes groß. Auf die Frage einer Teilnehmerin aus Aguascalientes, wie er die Fortschritte bei den Reformen für eine sozialere Marktwirtschaft einschätze, antwortete er, dass es die Aufgabe der PAN sei, den Menschen in den Mittelpunkt des wirtschaftlichen Handelns zu stellen. Die Wirtschaft sei kein Selbstzweck. Sie sei jedoch das Mittel, für die Bürgern selbstbestimmte Erwerbs- und Entfaltungsmöglichkeiten zu schaffen. Auch wenn die PAN dies anstrebe, habe Mexiko auf dem Weg zu einer sozialeren Marktwirtschaft noch viele Herausforderungen zu meistern.

Der ehemalige Vorsitzende von Acción Juvenil Nacional, Saúl Ruiz Arriaga, ging auf die strukturelle Verbindung und die Bedeutung der Jugendorganisation Acción Juvenil für die gesamte PAN und für Mexiko ein. Es liege in der Verantwortung der politischen Bildung, "mündige Bürger zu formen und keine passive Wähler". Dies beinhalte neben der Kenntnis des Landes und seiner Kultur vor allem die aktive Arbeit für Mexikos Zukunft.

Zum Frühstücksgespräch am Sonntagmorgen erinnerte Sozialminister Heriberto Félix Guerra die Teilnehmer daran, dass Authentizität und Ehrlichkeit die wichtigsten Säulen einer glaubhaften und langfristig erfolgreichen Politikgestaltung seien.

Bildungsminister Alsonso Lujambio Irazábal ermutigte die Jugendlichen, für Freiheit und Menschenwürde einzutreten. Diese beiden Anliegen seien auch die Gründe für seinen Eintritt in die PAN gewesen. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine prosperierende Zukunft Mexikos sei es, die Talente und Fähigkeiten der jungen, politisch motivierten Menschen bestmöglich zu fördern.

Zum Ende der dreitägigen Veranstaltung wiesen die Teilnehmer ihre gewonnenen Kenntnisse und Fähigkeiten in einer Abschlussklausur nach. Die Prüflinge, die das Examen erfolgreich bestanden haben, sind befähigt, den „politischen Humanismus und die Menschenwürde in der politischen Führungsarbeit“ selbständig in Bildungsveranstaltungen der Acción Juvenil zu behandeln.