Veranstaltungsberichte

Demokratie und bürgerschaftliche Partizipation

Schulungsseminar für junge Führungskräfte in Mexiko

In Kooperation mit dem Instituto Mexicano de la Juventud führte die KAS an vier Wochenenden ein Schulungsseminar für junge Führungskräfte aus politischen und gesellschaftlichen Organisationen aus ganz Mexiko durch. Dabei wurden die Teilnehmer nicht nur in den Bereichen Politikanalyse, politische Kultur, Jugendpolitik und soziale Marktwirtschaft aus- bzw. weitergebildet, sondern entwickelten auch selbständig Projekte.

In Kooperation mit dem Instituto Mexicano de la Juventud (IMJ) führte die KAS ein Schulungsseminar an vier verschiedenen Wochenenden für junge Führungskräfte aus ganz Mexico durch. Als Thema wurde „Demokratie und bürgerschaftliche Partizipation“ gewählt. In einem vierzehntägigem Abstand vom 21. April bis 04. Juni 2006 fanden vier Blockseminare mit unterschiedlichen Modulen statt. Die Zielgruppe waren junge Mexikaner zwischen 18 und 29 Jahren, die sich im Politik- oder Sozialbereich engagieren und den Raum der bürgerschaftlichen Partizipation mitgestalten. Wichtig für die KAS war die pluralistische Ausrichtung des Kurses, da insbesondere im Wahljahr darauf geachtet wird, dass das Ausland keinen Einfluss auf die Wahlen nimmt, indem eine bestimmte Partei bevorzugt wird. Ohne diese überparteiliche Ausrichtung des Seminars hätte dies sowohl dem IMJ als auch der KAS leicht unterstellt werden können.

Ziel des Programmes war die Ausbildung junger Menschen zu Führungskräften in einer stabilen Demokratie, die einen starken Sinn für soziale Verantwortlichkeit und effizientes Handeln unter Berücksichtigung des sozialen und politischen Hintergrunds Mexikos und Lateinamerikas besitzen. Dahinter steckt der Gedanke, dass der Ideenaustausch unter Jugendlichen, insbesondere aus den verschiedenen Regionen Mexikos, wesentlich zur Entwicklung der Demokratie beiträgt, ebenso wie die Förderung dieser engagierten jungen Fürhrungskräfte.

Die Auswahl der Teilnehmer erfolgte über eine öffentliche Ausschreibung des Programms, woraufhin sich 160 Jugendliche bewarben. Angefordert wurden ein Lebenslauf, der den professionellen und sozialen Hintergrund der Teilnehmer schilderte, sowie die Erarbeitung eines sozialen Projektes, welches über die Dauer des Programms weiter entwickelt wurde. Das hierzu gebildete Kommitee, bestehend aus Vertretern der KAS und des IMJ, wählte 32 Jugendliche aus. Bei der Auswahl wurde vorallem darauf geachtet, dass zum einen alle Regionen Mexikos vertreten waren und sich der Teilnehmerkreis nicht nur auf ein Gebiet konzentrierte. Zum anderen wurde auf eine Balance zwischen der Anzahl von Männern und Frauen geachtet. Insgesamt repräsentierten die Teilnehmer 19 Bundesstaaten, sowie die drei großen Parteien PAN, PRI und PRD. Im Durchschnitt waren die Teilnehmer 24 Jahre alt und hatten einen universitären Abschluss. Inhaltlich wurden zwei Arten von Modulen unterschieden: Zum einen gab es thematische Module, beispielsweise zum politischen System Mexikos, zum anderen wurden Methodenmodule angeboten, wie das Thema Konfliktregulierung.

Am jeweils ersten Tag der vier Blockseminare stellten Analysten, die den jeweiligen Parteien nahestehen, jeweils die politischen Plattformen einer Partei, der PAN, PRI und PRD, sowie das Programm der Parteien vor.

Am 22. April präsentierte Jaime Duarte Martínez, Escuela Nacional de Estudios Profesionales Acatlán, das Thema „Herausforderungen für Jugendliche im 21. Jahrhundert“. Daraufhin folgte der erste Teil des Moduls Projektgestaltung, in dem zum einen theoretisch erarbeitet wurde, was Projekte sind und wie diese realisiert werden können. Zum anderen wurden hierbei auch die Projekte der Teilnehmer weiter vertieft und erarbeitet. Am Nachmittag referierte Dr. Luis Ignacio Román, ITESO Gudalajara, zum Thema „Soziales Kapital und Bürgergesellschaft“. Im Mittelpunkt standen hierbei die Themen der sozialen Polarisierung, Meinungspluralismus und Bürgergesellschaft und Korporativismus. Den Abschluss des ersten Blockseminars am 23. April bildete das Referat von Dr. Rüdiger Soltwedel, Universität Kiel, mit dem Thema „Soziale Marktwirtschaft in Deutschland“. Er ging auf die Stärken und Schwächen des deutschen Systems ein und konzentrierte sich zudem auf die Themen Globalisierung, Anpassung an den permanenten Wandel, Führungsphilosophie, Unternehmensorganisation und Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft.

Gegenstand des zweiten Blockseminars vom 5. bis 7. Mai war zu Beginn die Rolle der Medien bei der Konstruktion der Demokratie, wozu Alejandra Noseda, Beauftragte der Nachrichtenagentur InfoRID, am 6. Mai sprach. Nachdem sie ihre Agentur vorgestellt hatte, gab sie eine kurze Einführung in die Geschichte der Massenmedien in Lateinamerika und besprach die Rolle der Medien in politischen Kampagnen, um dann mit den Themen Ethik in den Medien und Medien in der Demokratie zu schließen. Diesem Modul folgte der zweite Teil des Seminars Projektgestaltung sowie das Seminar von Juan Federico Arriola zum politischen System Mexikos. Am letzten Tag des zweiten Blockseminars beleuchtete Carlos Marcos unter dem Titel „Jugend: städtisches Engagement“ die Partizipation der Jugendlichen an der sozialen und politischen Gemeinschaft, die Herausforderungen, welche in Zukunft für die Jugendlichen bestehen, sowie Dilemmata der jugendlichen Welt und die Frage, wie man diese durchbrechen könnte. Abgerundet wurde das Programm dieses Tages durch den letzten Teil des Seminars Projektgestaltung.

Schließlich fand am 20. Mai das Modul zur Konfliktregulierung und zur Verhandlungsführung statt. Es wurde von Dr. Victoriano Borreguero Virseda geleitet. Am darauffolgenden Tag, dem 21. Mai, wurde das Thema „Jugendpolitik“ behandelt, welches Jose Antonio Perez Islas leitete. Zum Schluss dieses dritten Blockseminars gab Manfred Celis eine Anleitung zum Aufbau einer Organisation in 16 Schritten.

Der letzte Teil des Projektes fand vom 2. bis 4. Juni statt, wobei hier der Fokus auf den Werten und Verfahrensweisen einer demokratischen Kultur lag. Pablo Zuñiga von der Organization of American States, Washington führte in das Thema ein. Zur Abschlussveranstaltung am 4. Juni wurden neben der Vorstellung und Auszeichnung der besten fünf Projekte und der besten Arbeit zu den politischen Plattformen auch der beliebteste sowie der erfolgreichste Teilnehmer premiert.

Durch das Programm „Demokratie und bürgerschaftliche Partizipation“ wurden junge Führungskräfte nicht nur in den genannten Bereichen aus- und weitergebildet, so dass sie nun in ihren Gemeinden und Regionen den politischen Wandel und eine demokratische Kultur besser fördern und selbst iniziieren können, sondern die jungen Menschen erhielten auch die Möglichkeit zum Gedankenaustausch und zum besseren, gegenseitigen Kennenlernen, so dass sie auch einen Einblick erhalten haben, welche Probleme und Diskussionspunkte in den anderen Regionen Mexikos die Jugendlichen interessieren. Zudem wird die Realisation der entworfenen Projekte sowohl durch das IMJ als auch die KAS weiter verfolgt, so dass der Kontakt aufrecht erhalten bleibt und eine zukünftige Zusammenarbeit beispielswiese in der Art eines Follow-Ups angedacht ist.