Unter dem Leitmotiv „Reshaping global health: a shared responsibility“ fand vom 18. bis 23. Mai 2026 in Genf die 79. Weltgesundheitsversammlung (WHA) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) statt. Selten trafen fachliche Gesundheitsarbeit, institutionelle Reformbestrebung und geopolitische Spannung so unmittelbar aufeinander. Aktuelle Krankheitsausbrüche, eine zunehmend angespannte Finanzierungslage, die anhaltenden Kriege und Konflikte in der Ukraine, in Gaza und im Nahen Osten, die erstmalige Abwesenheit der Vereinigten Staaten sowie Argentiniens Austrittsanzeige prägten eine arbeitsintensive Versammlung.
Neben den ausstehenden Arbeiten am PABS-Annex zum WHO-Pandemieabkommen behandelte die WHA79 eine breite technische Agenda: antimikrobielle Resistenzen, internationale Rekrutierung von Gesundheitspersonal, Schlaganfallversorgung, Arzneimittelsicherheit, Notfallversorgung, Teleradiologie, Präzisionsmedizin, Strahlenschutz und die Ökonomie einer Gesundheit für alle. Damit lag ein erheblicher Teil der inhaltlichen Arbeit in den Ausschüssen. Unterdessen zeigte sich in den Plenar- und Verfahrensdebatten, dass Fragen von Souveränität, Finanzierung, Konflikt, Zugang zu Gesundheitsinnovationen und Erregerdaten sowie der Reichweite des gesundheitspolitischen Mandats der WHO heute tief in die technische Arbeit der Organisation hineinwirken.
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Über diese Reihe
Die „Genfer Depesche“ analysiert und dokumentiert die Prozesse in Genfer multilateralen Organisationen zu aktuellen Themen.