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Genfer Depesche

PABS-Annex zum WHO-Pandemieabkommen: 5. Sitzung der zwischenstaatlichen Arbeitsgruppe im Februar 2026

von Lindgard Buder

Genfer Depesche

Die "Genfer Depesche" geht auf Vorgänge in den Genfer multilateralen Organisationen zu einem aktuellem Thema ein. In dieser Ausgabe steht die fünfte Sitzung der zwischenstaatlichen Arbeitsgruppe (Intergovernmental Working Group, IGWG) zum PABS-Annex des WHO-Pandemieabkommens im Fokus, welche vom 9. bis 14. Februar 2026 in Genf stattfand. Gemäß Artikel 12 des Pandemieabkommens soll der PABS-Annex ein multilaterales und rechtlich abgesichertes System näher ausgestalten, das den raschen, sicheren und nachvollziehbaren Austausch von Pathogenmaterialien und zugehörigen Sequenzinformationen ermöglicht und diesen Zugang untrennbar mit einem fairen und verlässlichen Vorteilsausgleich verbindet. Ob ein solches System politisch tragfähig sowie praktisch funktionsfähig sein kann, entscheidet sich vor allem an einer präzisen Bestimmung seines Anwendungsbereichs, an einer durchsetzbaren vertraglichen und institutionellen Ausgestaltung sowie an seiner Kohärenz mit bereits bestehenden internationalen Rahmenwerken.

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Vom 9. bis 14. Februar 2026 trat die zwischenstaatliche Arbeitsgruppe (Intergovernmental Working Group, IGWG) der WHO-Mitgliedstaaten zu ihrer fünften offiziellen Sitzung zusammen, um die Verhandlungen über den PABS-Annex des WHO-Pandemieabkommens fortzuführen. Gemäß Artikel 12 des Pandemieabkommens soll der PABS-Annex ein multilaterales und rechtlich abgesichertes System näher ausgestalten, das den raschen, sicheren und nachvollziehbaren Austausch von Pathogen materialien und zugehörigen Sequenzinformationen ermöglicht und diesen Zugang untrennbar mit einem fairen und verlässlichen Vorteilsausgleich verbindet. Ob ein solches System politisch tragfähig sowie praktisch funktionsfähig sein kann, entscheidet sich vor allem an einer präzisen Bestimmung seines Anwendungsbereichs, an einer durchsetzbaren vertraglichen und institutionellen Ausgestaltung sowie an seiner Kohärenz mit bereits bestehenden internationalen Rahmenwerken. Mit Blick auf die bevorstehende 79. Weltgesundheitsversammlung (WHA79) im Mai 2026 traten in der fünften Verhandlungsrunde weiterhin unterschiedliche Auffassungen darüber zutage, wie der Annex angesichts des knappen Zeitfensters weiterentwickelt werden soll. Während ein breites Bündnis von Entwicklungs- und Schwellenländern auf einer deutlich präziseren Festlegung von Pflichten, Gegenleistungen und Kontrollmechanismen beharrte, plädierten die EU und weitere Delegationen für Pragmatismus und eine Konzentration des Textes auf jene Punkte, die in der verbleibenden Zeit politisch noch konsensfähig sind. Innerhalb dieses Spannungsverhältnisses verlagerten sich die Diskussionen wiederholt auf grundlegende Strukturfragen des Instruments, insbesondere auf dessen Reichweite, die rechtliche Einbettung im Verhältnis zu nationalen ABS-Regimen, die Rolle der Industrie sowie die konkrete Ausgestaltung des Vorteilsausgleichs. Was zunächst als Rückschritt erscheinen mag, lässt sich auch als Versuch verstehen, Entscheidungen zur Struktur des Annexes unter wachsendem Zeitdruck politisch abzusichern. Zum Verständnis der Divergenzen lohnt sich ein Blick auf die strukturellen Voraussetzungen, unter denen die Staaten diese Verhandlungen führen.

 

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Kontakt Andrea Ellen Ostheimer
Andrea Ostheimer
Leiterin des Multilateralen Dialogs Genf
andrea.ostheimer@kas.de +41 79 318 9841

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Über diese Reihe

Die „Genfer Depesche“ analysiert und dokumentiert die Prozesse in Genfer multilateralen Organisationen zu aktuellen Themen. 

Andrea Ellen Ostheimer
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