Erster Programmtag - Infrastruktur und Mobilität
Im Mittelpunkt des ersten Programmtages standen Infrastruktur und Mobilität. Diskutiert wurde, wie grenzüberschreitende Verkehrsprojekte wirtschaftliche Entwicklung, regionale Anschlussfähigkeit und europäische Integration stärken können. Beiträge von Dr. Norbert Eschborn, Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung für Slowenien und Kroatien, Julija Humar, Dr. Kurt Fallast und Julian Holzner zeigten, dass Infrastrukturpolitik heute weit über klassische Verkehrsplanung hinausgeht. Sie ist zunehmend auch Standort-, Sicherheits- und Europapolitik.
Koralmtunnel
Besonders deutlich wurde dies beim Besuch des Koralmtunnels und der dazugehörigen Bahninfrastruktur. Als Teil der neuen Südstrecke und des Baltisch-Adriatischen Korridors verbindet der Koralmtunnel Österreich stärker mit den Adriahäfen und europäischen Wirtschaftsregionen. Die Exkursion machte sichtbar, wie europäische Infrastrukturpolitik konkret vor Ort wirkt und welche Bedeutung sie für Regionen, Unternehmen, Pendlerinnen und Pendler sowie den europäischen Güterverkehr hat.
zweiter Programmtag - Auswirkungen von geopolitischen Dynamiken auf den Alpe-Adria-Raum
Der zweite Programmtag widmete sich den geopolitischen Dynamiken und ihren Auswirkungen auf den Alpen-Adria-Raum. Michael Stellwag, Policy Advisor der Konrad-Adenauer-Stiftung Wien, Maximilian Peter, Vizebürgermeister der Stadt St. Andrä, und Ana Palcic, stellvertretende Vorsitzende von Mlada Slovenija, diskutierten unter Moderation von Sebastian Aste über die Frage, wie globale Machtverschiebungen regionale Räume verändern.
Ein zentraler Befund der Diskussion lautete:
Die internationale Ordnung ist nicht mehr primär von gemeinsamen Regeln geprägt, sondern zunehmend von Macht, Interessen und Einflusssphären. Energie, Rohstoffe, Technologien, Infrastruktur und Lieferketten werden geopolitisch genutzt. Für Europa bedeutet das, die regelbasierte Ordnung weiter zu verteidigen, zugleich aber machtpolitisch handlungsfähiger zu werden.
Dabei wurde betont, dass Geopolitik nicht nur in Brüssel, Berlin, Rom oder Wien stattfindet. Sie wird auch in Häfen, Bahnhöfen, Stromnetzen, Betrieben, Grenzregionen und kommunalen Partnerschaften spürbar. Infrastruktur war früher vor allem Wirtschaftspolitik; heute ist sie auch Sicherheitspolitik. Gerade der Alpen-Adria-Raum zeigt, wie eng Mobilität, Versorgungssicherheit, regionale Entwicklung und strategische Resilienz miteinander verbunden sind.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Europas industrieller Stärke. Wirtschaftliche Schwäche führt zu strategischer Abhängigkeit. Zukunftsfelder wie Künstliche Intelligenz, Batterien, Cybersicherheit, Drohnen, Halbleiter, Verteidigungsindustrie und Dual-Use-Technologien entscheiden daher nicht nur über Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch über Sicherheit.
Zugleich braucht Europa eine mentale Zeitenwende: Strategische Autonomie lässt sich nicht einfordern, wenn jede sicherheitsrelevante Infrastruktur vor Ort abgelehnt wird.
Thematische Resolution und Diskussionsrunde
Zum Abschluss erarbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einer praktischen Session thematische Positionen und diskutierten diese in einem debattenorientierten Format.
Das Forum verband damit politische Bildung, regionale Vernetzung und konkrete europapolitische Arbeit.
Fazit
Kleinere Staaten und Regionen sind in einer multipolaren Welt besonders auf starke Partnerschaften angewiesen. Einfluss entsteht nicht allein durch Größe, sondern durch Vernetzung, Stabilität und Kooperationsfähigkeit. Der Alpen-Adria-Raum kann dafür ein konkretes europäisches Labor sein – als Brücke zwischen Mitteleuropa, Südosteuropa und dem Mittelmeer.
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