Veranstaltungsberichte

Krieg in Europa - Was bedeutet das für Deutschland?

von Sharon Spievak

Grevenbroicher Schlossgespräch unter der Schirmherrschaft von Hermann Gröhe MdB

Wie können wir die Herausforderungen meistern, die der Angriffskrieg von Putin für Deutschland ausgelöst hat? Und was kann die Bundesrepublik tun, um den Krieg zu beenden? Um diese Fragen drehte sich das Gespräch mit Dr. Christoph Heusgen, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz.

„Auch wenn dieser Krieg hoffentlich zu einem Ausgang gekommen ist, der einen klaren Sieg der Ukraine bedeutet, ist die Welt nachher eine andere, und zwar auf absehbare Zeit. Gerade für die Bundesrepublik Deutschland.” So das Fazit des Schirmherr Hermann Gröhe in seinem Grußwort. In ihrer Begrüßung hatte Simone Gerhards, Leiterin des Regionalbüro Rheinland der Konrad-Adenauer-Stiftung, von einer „Zeitenwende” gesprochen. Und die Folgen benannt, die Europa und Deutschlang schon jetzt deutlich spüren.

„Die Ukraine verteidigt auch unsere Freiheit!”

Dr. Christoph Heusgen, von 2017 bis 2021 Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen in New York, begann seinen Impulsvortrag ebenfalls mit den Folgen für Europa - und machte deutlich, dass die Menschen in der Ukraine mit ihrem Mut und ihrer Wehrhaftigkeit unser aller Freiheit verteidigen. Damit schützen sie uns vor noch schwerwiegenderen Folgen. Denn nach der Ukraine könnten auch andere europäische Länder zum Ziel der Machtansprüche Putins werden.

„Deutschland ist die viertstärkste Wirtschaftsmacht der Welt und muss auch entsprechend Verantwortung übernehmen", führte er fort. Unsere wichtigsten Partner, die USA und Frankreich, hätten innenpolitische Probleme, die deren Aufmerksamkeit fordern. Dies führe dazu, dass Deutschland unabhängiger und aktiver in der Außenpolitik agieren müsse - die Möglichkeiten dazu beständen. Als zweitgrößter Geber humanitärer Hilfe der Welt genieße Deutschland weiterhin einen ausgezeichneten internationalen Ruf und sollte dem gerecht werden. Diese Verantwortung müsse Deutschland auch gegenüber der Ukraine übernehmen - mit mehr politischer, wirtschaftlicher und militärischer Unterstützung.

Und nicht nur dort: So sehr, wie wir alle anhand der steigenden Gaspreise das Problem mit der Abhängigkeit von Russland spüren, dürfen wir mit China nicht die gleichen Fehler machen. „Wir müssen diversifizieren, diversifizieren, diversifizieren'', betonte er. Nur so können wir die aktuellen Probleme meistern und weitere verhindern. Die jetzige Regierung täte bereits alles Machbare, auch in Bezug auf die Versorgungslage mit Energiestoffen.

„Er wird weitermachen. So weit, wie wir ihn weiter lassen.”

Nach dem Impulsvortrag wurde unter der Moderation von Ann-Kathrin Krügel die Diskussion mit dem Publikum eröffnet und die mehr als 170 BesucherInnen nutzen die Gelegenheit zum Nachfragen reichlich. So gab es u.a. die Frage nach den Möglichkeiten einer Energiepartnerschaft mit Frankreich. Dr. Heusgen führte aus, dass man hier einen europäischen Lösungsweg brauche. Bei der Frage über die Wiedereinführung der Wehrpflicht als Option warnte der Botschafter davor, diese als Allheilmittel zu sehen. Denn auch wenn er die Wiedereinführung grundsätzlich befürwortete, bedeute sie neue, eigen Herausforderungen.

Auf Nachfrage stellte Dr. Heusgen klar: Der Weg über diplomatische Kanäle ist ausgeschöpft. Lediglich eine Kapitulation Putins samt der Rückgabe besetzter ukrainischer Gebiete könne diesen Krieg beenden. Verhandlungen seien nicht möglich mit jemandem, der sich am liebsten noch weitere Teile Europas einverleiben würde. Der Ukraine und Deutschland bleibt nur ein Weg. Denn Putins Ziel ist klar: „Er wird weitermachen. So weit, wie wir ihn weiter lassen.”

Kontakt

Simone Gerhards

Simone Gerhards Passfoto

Leiterin Regionalbüro Rheinland, Politisches Bildungsforum NRW

simone.gerhards@kas.de +49 211 8368056-0 +49 211 8368056-9

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