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Die Konrad-Adenauer-Stiftung trauert um Tadeusz Mazowiecki

Der ehemalige polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki starb heute am frühen Morgen im Alter von 86 Jahren in Warschau.

Der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung und ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Dr. Hans-Gert Pöttering, würdigte den langjährigen Partner der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS): „Tadeusz Mazowiecki war eine historische Persönlichkeit und ein großer Europäer, der Polens Weg in Demokratie und Europäische Union nachhaltig mitgestaltet hat. Bereits seit den sechziger Jahren hat er den Weg der Verständigung und Freundschaft mit Deutschland gesucht und auch ermöglicht. Mit unserem Mitgefühl sind wir bei seinen drei Söhnen und seiner Familie.“

1958 gründete Tadeusz Mazowiecki die katholisch-intellektuelle Monatszeitschrift „Więź“. Neben seiner dortigen Tätigkeit als Chefredakteur war er von 1961 bis 1971 für die katholische Bewegung „Znak“ Abgeordneter im Sejm. Als Exponent des Widerstandes katholischer Intellektueller gegen das kommunistische Regime kam er zu der gewerkschaftlichen Protestbewegung „Solidarność“, die er als Berater unterstützte. Im historischen Jahr 1989 nahm Mazowiecki als Berater von Lech Wałęsa an den Gesprächen des Runden Tisches teil und wurde am 24. August 1989 vom Sejm zum ersten nicht-kommunistischen Ministerpräsidenten Polens nach dem Zweiten Weltkrieg gewählt. Tadeusz Mazowiecki war Hauptautor der Präambel der Polnischen Verfassung von 1997, an deren Ausarbeitung er ebenfalls maßgeblich beteilig war. Nach seiner aktiven Zeit als Abgeordneter im Sejm war Mazowiecki seit 2010 Berater des polnischen Staatspräsidenten Komorowski.

Neben seiner nationalen politischen Tätigkeit war Mazowiecki zwischen 1992 und 1995 während der kriegerischen Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien UNO-Sonderberichterstatter über die Lage der Menschenrechte. Aus Protest gegen die Passivität der internationalen Staatengemeinschaft während des Massakers von Srebrenica legte Mazowiecki sein Mandat 1995 nieder.

Tadeusz Mazowiecki war der Konrad-Adenauer-Stiftung über viele Jahre eng verbunden. Die Arbeit des Warschauer KAS-Büros hat er stets verfolgt und bis zuletzt immer wieder unterstützt.